Hinweise auf bisher nicht besprochene Kriminalromane von Autoren, die im Blog bereits aufgeführt sind. Die Texte habe ich in angepasster Form in die Autorenporträts eingefügt.

Neben der herrlichen DKA-Serie verfasste Joe Gores auch eine Reihe von erstklassigen Einzelwerken, unter ihnen ‚Der Killer in dir‘, ‚Interface‘ und ‚Runyons Coup‘.

Joe Gores: ‚A Time of Predators‘ – ‚Der Killer in dir‘, 1969

Zu Beginn dieses vielschichtigen Vigilanten-Thrillers überfallen vier Halbstarke aus Langeweile einen jungen Familienvater und verletzen ihn schwer. Kurz danach wird Paula Halstead, die einzige Zeugin des Überfalls, von der Bande heimgesucht und vergewaltigt – schamerfüllt setzt sie daraufhin ihrem Leben ein Ende. Ihr Mann Curt, ein Professor der Anthropologie und Korea-Veteran mit Nahkampferfahrung, fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen und nimmt die Sache selbst in die Hand. Er bringt seinen erschlafften Körper bei einem Bodybuilding-Trainer wieder in Schwung und verwandelt sich in ein Raubtier. Der Alptraum endet nach achtzehn Wochen, in denen Curt über die menschliche Natur mehr erfährt als zuvor während seiner zwanzigjährigen Zeit als Sozialanthropologe.

Joe Gores: ‚Interface‘ – ‚Interface‘, 1974

‚Interface‘ spielt in einem San Francisco der Drogenhändler und Fixer, der Prostituierten und Spitzel, der kleinen Herumtreiber und Strassengangs – ein San Francisco, das Joe Gores während seiner Zeit als Ermittler und „Repo-Man“ hautnah erlebt hat. Der Vietnamkrieg bildet den finsteren Hintergrund. Die von harten, niederträchtigen Männern beherrschte Geschichte behandelt zwei sich überschneidende Kriminalfälle, mit denen Neil Fargo sich auseinandersetzen muss; Neil Fargo, Ex-Football-Profi, Offizier der Special Forces in Vietnam und Privatdetektiv mit einem Jura-Abschluss, ist ein intelligenter, schlagkräftiger, unerhört kaltschnäuziger Bursche, der jedoch zum Leidwesen seiner aufgeweckten Hilfskraft Pamela auch im Heroingeschäft mitmischt. Zum einen soll er die drogensüchtige Tochter seines wichtigsten Auftraggebers, des Grossindustriellen Maxwell Stayton, aufspüren, die in die Fänge der Gangster Kolinski und Hariss geraten ist. Weitaus anspruchsvoller ist der zweite, ihn direkt betreffende Fall: Sein Vietnam-Buddy und mehrfache Lebensretter Docker, nach monatelanger Vietkong-Gefangenschaft ein gebrochener Mann, kommt Kolinski bei einem Drogendeal in die Quere, indem er den Kurier umlegt und danach mit Stoff und Zaster verschwindet – Fargo selbst, soviel ist klar, hat dabei auch irgendwie die Hände im Spiel. Nach einer atemberaubenden Verfolgungsjagd fügt Gores die Handlungsstränge in dem bösartigen Finale geschickt zusammen. Gewidmet hat er den Krimi sinnigerweise Westlakes Gangster Parker, mit dem Fargo weitaus mehr gemeinsam hat als mit Hammetts Detektiven.

Joe Gores: ‚Come Morning‘ – ‚Runyons Coup‘, 1986

Nach acht Jahren in San Quentin wegen Raubüberfalls endlich wieder auf freiem Fuss, will Runyon Elliott in San Francisco ein neues Leben beginnen, – mit den damals erbeuteten Diamanten im Wert von zwei Millionen als Starthilfe. Doch andere Parteien haben nur darauf gewartet, dass Runyon wieder draussen ist und heften sich nun an seine Fersen: Der Versicherungsdetektiv, dessen Gesellschaft die Edelsteine versichert hatte, Runyons damalige Partner, eine junge Journalistin, in die sich Runyon verliebt, und auch sein älterer Bruder Big Art ist vermutlich involviert. Bald jedoch muss Runyon die bittere Pille schlucken, dass auf seinem Diamanten-Versteck eine Neubausiedlung steht – eine Tatsache, die seinen Konkurrenten nicht bekannt ist.

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Brian Freemantle: ‚Charlie Muffin and Russian Rose‘ – ‚Eine Rose für Charlie Muffin‘, 1985

Am Ende des Vorgängerbandes ‚Abgesang auf Charlie Muffin‘ wurde Englands trickreichster Geheimagent unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu vierzehn Jahren Zuchthaus verurteilt – er war als Lockvogel missbraucht worden, um den russischen Topagenten Alexei Berenkow, der in London höchst erfolgreich eine Zelle geleitet hatte, aus dem Verkehr zu ziehen, und überlebte die Aktion nur dank seinen unfehlbaren Instinkten. Um es den Drahtziehern heimzuzahlen, ermöglichte er den Russen daraufhin, die unfähigen Direktoren des SIS und der CIA zu fassen und den Austausch gegen Berenkow zu arrangieren.

Zu Beginn der hinterhältigen Geschichte schmort Charlie Muffin bereits über ein Jahr im Loch, gepeinigt durch die sadistischen Wärter, geschnitten von den anderen Sträflingen (fast nur Gewaltverbrecher) – seine Vorgesetzten haben ihn offenbar endgültig fallengelassen. Ein Überlebenskünstler lässt sich jedoch nicht so einfach unterkriegen, geschweige denn verbiegen. Die Karten werden neu gemischt, als ein mutmasslicher Russland-Überläufer namens Sampson auffliegt. Er wird Charlies Zellengenosse und plant, unterstützt durch die KGB-Führung, bereits seinen Absprung, während Charlie tief in die Trickkiste greift und sich mit dem Chef des Secret Service auf einen selbstmörderischen Handel einlässt: Er kommt auf freien Fuss und wird voll rehablitiert, sofern er sich als Sampsons Leidensgenosse ausgibt und mit ihm nach Moskau geht, wo ein eminent wichtiger englischer Spion kurz vor der Enttarnung steht. Im Verlauf der Erzählung, in der nichts so ist, wie es scheint, lernt Charlie die KGB-Offizierin Natalia Fedowa kennen – der Beginn einer intensiven, vermutlich jedoch unmöglichen Liebe.

Brian Freemantle: ‚Charlie’s Apprentice‘ – ‚Der Lehrling‘, 1993

‚Der Lehrling‘ ist ein weiterer Höhepunkt der Charlie Muffin-Saga. Charlie hat einen neuen Direktor, den trockenen Bürokraten Peter Miller, und einen neuen Führungsoffizier, die spröde Patricia Elder, während Natalia Fedowa, Mutter eines (in London gezeugten!) Babys, nach Glasnost eine hohe Position in dem durch Revierkämpfe zerrissenen russischen Geheimdienst besetzt.

In Zuge von „Umstrukturierungen“ unter der neuen Leitung wird Charlie zu seinem Leidwesen degradiert: Er soll den nachrückenden Agenten den letzten Schliff im Überleben verpassen. Sein erster Schüler ist der viel versprechende Youngster John Gower, der nach Ende der Ausbildung den aufgeflogenen britischen Agenten Father Snow aus Peking herausholen soll. Dies geht natürlich gründlich schief, worauf Charlies Dienste plötzlich wieder sehr gefragt sind. Am Schluss bekommt das hinterfotzige Gespann Miller/Elder, das hinter dem Rücken von Millers Frau auch das Bett teilt, die Quittung dafür, dass es Charlies strategisches Geschick unterschätzt hat.

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Ulf Miehe: ‚Lilli Berlin‘, 1981

Ulf Miehes dritter und letzter Krimi, eine in kargem Stil erzählte Milieustudie des geteilten Deutschlands, ist die Geschichte des Enddreissigers Rick Jankowski. Aufgewachsen in Brandenburg, flüchtete er kurz vor dem Mauerbau in den Westen. Danach kam er in der Welt herum und verrichtete Gelegenheitsarbeiten (unter anderem als „Repo-Man“ in den USA), bis er Ende der 70er-Jahre eine Stelle bei dem paranoiden Berliner Immobilienspekulanten und Fluchthelfer Werner Karl Lausen antritt – als bewaffneter Privatchauffeur mit „Spezialkenntnissen“. Sein erster Job betrifft ausgerechnet seine Jugendliebe Lilli, nach der er sich all die Jahre gesehnt hat. Lillis Flucht in den Westen gelingt, doch wenig später wird Lausen ermordet – und Rick soll als Sündenbock herhalten.

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Newton Thornburg: ‚Knockover‘ – ‚Die Mäuse bringt der Nikolaus‘, 1968

Vorweihnachtszeit in Milwaukee, Wisconsin. Nach einem Jahr minutiöser Planung und Vorbereitung ist es so weit: Mister Cross, ein vom Leben gebeutelter Indochina-Veteran, und seine sorgfältig ausgewählte Truppe, bestehend aus dem jungen Callgirl Jan, dem ehemaligen Marinesoldaten und Preisboxer Big Dolan, dem kleinkriminellen Fahrer Willie und dem Berufsgangster Raven, die sich – unter diesen Decknamen – erst zwei Tage vor dem Job zum ersten Mal getroffen haben, überfallen einen bewaffneten Geldtransporter im Zentrum der Stadt. Der Coup gelingt, doch Cross legt sie alle rein. Er setzt sich mit der Beute nach Jamaika ab, und dort kommt es zu einem reizvollen Finale.

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George Pelecanos: ‚The Man Who Came Uptown‘ – ‚Prisoners‘, 2018

Michael Hudson, ein 28-jähriger Fluchtwagenfahrer in Washingon, D.C., sitzt im Knast und wird hier – angeleitet durch die junge Bibliothekarin Anna – zum begeisterten Leser der Bücher von John Steinbeck, Elmore Leonard, Don Carpenter, Willy Vlautin und anderen Autoren. Der Privatdetektiv Phil Ornazian, der zusammen mit dem gewalttätigen Ex-Cop und Vietnam-Veteran Thaddeus Ward Drogendealer, Zuhälter und anderes Gesocks ausnimmt, um seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen, benötigt für den nächsten Coup einen erstklassigen Fahrer – und bringt Michael mit unlauteren Mitteln auf freien Fuss. Michael träumt von einem anständigen Leben, will keinen Fehler mehr begehen. Als Phil ihn unter Druck setzt, macht er notgedrungen mit, doch der Job läuft aus dem Ruder.

In diesem wunderbaren, mit ungezählten musikalischen und literarischen Querverweisen und lebensnahen Dialogen angereicherten Roman widmet sich Pelecanos in lakonischem Stil den Themen Rassismus, Frauenausbeutung, Kraft der Freundschaft und der Literatur, Szenen eruptiver Gewalt streut er nur sparsam ein.

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Douglas Warner: ‚Death of a Snout‘ – ‚Polizeispitzel x 2‘, 1961

Douglas Warners erster Krimi schildert das Duell zwischen dem gefürchteten Londoner Cop Detective Inspector Aloysius Johnnoe, genannt der Gorilla, und dem ultrabrutalen, völlig unscheinbaren Gangsterboss Leon Bighi, alias Leon the Big, der London mit seinen raffinierten Banküberfällen seit acht Jahren in Atem hält – bisherige Beute 10 Millionen Pfund. Doch diesmal erhält Johnnoe einen heissen Tipp von seinem besten Spitzel Jim Ruskin. Der Einbruch gelingt trotzdem, die Bande entlarvt Ruskin und foltert ihn zu Tode – die beiden Gegenspieler wissen jetzt voneinander.

Leon schlägt als erster zu, haut Johnnoe in die Pfanne, indem er ihm Bestechungsgeld unterschiebt, worauf dieser von Dienst suspendiert und wegen Korruption verhaftet wird. Detective Sergeant Simon Lewis, ein harter Hund, der für Johnneau durchs Feuer gehen würde, und Jims Bruder Charlie, ein Automechaniker mit krimineller Vergangenheit und ausgezeichneten Kontakten, halten dagegen, allerdings nicht gemeinsam und mit ganz unterschiedlichen Absichten – ein Dreifrontenkrieg bahnt sich an.

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