(1940-1989; schrieb auch als Robert Artner)

Ulf Miehe wurde in Wusterhausen/Dosse, Brandenburg, geboren und wuchs in Berlin, Westfalen und an der Nordseeküste auf. Er machte eine Ausbildung als Buchhändler in Bielefeld und arbeitete danach als Verlagsvolontär und Lektor im Sigbert Mohn Verlag in Gütersloh, bis er 1965 nach Berlin zog, um als Übersetzer, Statist, Regieassistent und Synchronsprecher zu arbeiten.

1969 liess er sich in München nieder und widmete sich fortan vorwiegend dem Schreiben. Er übersetzte Songs von Bob Dylan, verfasste Gedichte, Liedtexte für Esther Ofarim, Erzählungen und (zusammen mit Walter Ernsting, alias Clark Darlton, unter dem Pseudonym Robert Artner) drei Sciencefiction-Romane, bevor er 1973 seinen ersten von drei Krimis ‚Ich hab noch einen Toten in Berlin‘ herausgab. Darüber hinaus machte er sich einen Namen als Regisseur (‚John Glückstadt‘) und Drehbuchautor (unter anderem für die Fernsehserien ‚Tatort‘ und ‚Der Fahnder‘). Ulf Miehe starb 49-jährig in München an einer Hirnblutung. Er hinterliess seine Frau Angelika.

‚Ich hab noch einen Toten in Berlin‘ handelt von Benjamin (Drehbuchautor) und Gorski (Regisseur), die in Westberlin einen harten, authentischen Kriminalfilm über ein grosses Ding – einen Überfall auf einen Geldtransport der Amerikaner – drehen wollen, der Gangster Sparta soll sie mit Insidertipps versorgen. Die beiden beginnen zu recherchieren, arbeiten am Drehbuch, doch dann stellt sich der Filmproduzent quer, und sie kommen auf die Idee, den Coup gleich selbst zu landen. Der Krimi wurde in elf Sprachen übersetzt und erzielte in den USA eine Auflage von 200’000 Exemplaren.

Miehes zweiter Krimi, die Noir-Ballade ‚Puma‘, 1976 erstmals erschienen, wurde 1999 wieder aufgelegt und mit einem umfangreichen Anhang zu Leben und Werk des Autors abgerundet. Er dreht sich um den elsässischen Gangster Franz Morgenroth mit dem Nom de Guerre Puma, einen ehemaligen Résistence-Kämpfer, der nach dem Krieg den Pfad der Tugend verliess, längere Zeit im Gefängnis einsass und jetzt, mit Ende fünfzig, den grossen Coup plant, der ihm den Lebensabend finanzierten soll: Mit zwei Kumpeln, einem New Yorker Killer und einem alkoholkranken Berufschauffeur, kidnappt er die junge Billie, Tochter eines schwerreichen Münchner Panzerfabrikanten, ohne zu wissen, dass die beiden heillos zerstritten sind. Papa zahlt nicht, die Entführer werden nervös, wollen Billie umlegen, doch die ist clever und macht mit ihnen gemeinsame Sache, nämlich Erpressung des Vaters, der einigen Dreck am Stecken hat.

Ulf Miehes dritter und letzter Krimi ‚Lilli Berlin‘, eine in kargem Stil erzählte Milieustudie des geteilten Deutschlands, ist die Geschichte des Enddreissigers Rick Jankowski. Aufgewachsen in Brandenburg, flüchtete er kurz vor dem Mauerbau in den Westen. Danach kam er in der Welt herum und verrichtete Gelegenheitsarbeiten (unter anderem als „Repo-Man“ in den USA), bis er Ende der 70er-Jahre eine Stelle bei dem paranoiden Berliner Immobilienspekulanten und Fluchthelfer Werner Karl Lausen antritt – als bewaffneter Privatchauffeur mit „Spezialkenntnissen“. Sein erster Job betrifft ausgerechnet seine Jugendliebe Lilli, nach der er sich all die Jahre gesehnt hat. Lillis Flucht in den Westen gelingt, doch wenig später wird Lausen ermordet – und Rick soll als Sündenbock herhalten.

Ulf Miehe war ein ungemein selbstkritischer und sorgfältiger Autor, der seine Werke immer wieder umschrieb. In seinen geschickt gebauten, von einer trostlosen Stimmung durchwehten Noir-Romanan besticht er mit lakonischer, unsentimentaler Erzählweise, einprägsamen Schilderungen seiner zum Scheitern verurteilten Figuren und präzisen, lebensnahen Dialogen.

Bibliografie:

‚Ich hab noch einen Toten in Berlin‘ (1973), ‚Puma‘ (1976), ‚Lilli Berlin‘ (1981).