(*1936; schreibt auch als Harry Asher, Jonathan Evans, John Maxwell und Jack Winchester)

Brian Freemantle, geboren und aufgewachsen in Southampton, Hampshire, trat kurz nach Schulabschluss seine erste Stelle als Journalist an. Bis 1975 war er als Reporter, Redakteur und Korrespondent in mehr als dreissig Ländern tätig, einschliesslich Russland und Vietnam. 1975 organisierte er den einzigen englischen Hilfsflug in das eingeschlossene Saigon. Unter Einsatz des Lebens gelang es ihm und seiner Mannschaft, 36 Waisenkinder in Sicherheit zu bringen. Danach gab Freemantle den Journalismus auf, um sich hauptberuflich dem Schreiben zu widmen. Mit seinem ersten Charlie Muffin-Krimi ‚Agentenpoker‘ gelang ihm 1977 der Durchbruch, der ihm im deutschsprachigen Raum indes bis heute verwehrt blieb. Die Geschichte wurde 1979 durch Jack Gold unter dem Titel ‚Charlie Muffin‘ mit David Hemmings in der Hauptrolle vorzüglich verfilmt. Der seit 1956 glücklich mit Maureen verheiratete Vater von drei Töchtern, Victoria, Emma und Charlotte, lebt in London.

Charlie Muffin, ein abgebrühter, der britischen Unterschicht entstammender, ständig von Fussschmerzen gepeinigter Agent und Spezialist für hoffnungslose Fälle, ist Spielball der grossen Geheimdienste während des Kalten Krieges und danach, seine Frau Edith wird im zweiten Band ‚Jagd auf Charlie Muffin‘ von der CIA versehentlich getötet. Seine Verachtung für karrieregeile, seelisch verkrüppelte Bürokraten und fantasielose Emporkömmlinge demonstriert er mit schäbiger Kleidung, ausgelatschten Hush Puppies und gelegentlichen Fürzen. „Unser Job ist es, den Dreck wegzuräumen, den Regierungen und Nationen machen. Und meine oberste Loyalität gilt immer mir selbst“.

Am Ende des fünften Bandes (‚Abgesang auf Charlie Muffin‘) erhält er die Quittung für sein ungebührliches Benehmen: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird er vom britischen Geheimdienst zu vierzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Der schlitzohrige Überlebenskünstler hat indes noch ein paar Pfeile im Köcher, befreit sich trickreich aus dem Gefängnis und wird rehabilitiert – beschrieben in Freemantles grossartigem, erst vier Jahre später erschienenen Nachfolgeband ‚Eine Rose für Charlie Muffin‘.

Zu Gunsten des Lesegenusses sollte man sich die inhaltlich immer wieder aufeinander Bezug nehmenden Romane unbedingt chronologisch und lückenlos zu Gemüte führen. Die Serie fand 2001 mit ‚Kings of Many Castles‘ ein vorläufiges Ende, doch neun Jahre später tauchte Charlie Muffin in alter Frische wieder auf – als heimlich mit der ranghohen russischen Geheimagentin Natalia Fedova verheirateter Vater einer kleinen Tochter (‚Red Star Rising‘).

Freemantles weitere Serienfiguren sind Dimitri Danilov, Chef des Moskauer Büros „Organisierte Kriminalität“, und sein amerikanisches Gegenstück William Cowley vom FBI (vier in der Zeit nach dem Kalten Krieg angesiedelte Romane) sowie Sherlock Holmes‘ unehelicher Sohn Sebastian (zwei Romane). Darüber hinaus verfasste der Autor mit ‚Hartmanns Dilemma‘, ‚Bauernopfer‘ und ‚Kleine graue Mäuse‘ sehr beachtliche Einzelwerke. Und im Jahr 1995 brachte er ein viel diskutiertes Sachbuch über organisierte Kriminalität in Europa zu Papier (‚Importeure des Verbrechens: Europa im Griff des organisierten Verbrechens‘).

Bibliografie:

Charlie Muffin-Serie: ‚Charlie Muffin‘ (auch unter dem Titel ‚Charlie M‘) – ‚Agentenpoker‘ (1977), ‚Clap Hands, Here Comes Charlie‘ (auch unter dem Titel ‚Here Comes Charlie M‘) – ‚Jagd auf Charlie Muffin‘ (1978), ‚The Inscrutable Chalire Muffin‘ – ‚Charlie Muffins Schachzug‘ (1979), ‚Charlie Muffin’s Uncle Sam‘ (auch unter dem Titel ‚Charlie Muffin, U.S.A.‘) – ‚Eine Flasche für Charlie Muffin‘ 1980), ‚Madrigal for Charlie Muffin‘ – ‚Abgesang auf Charlie Muffin‘ (1981), ‚Charlie Muffin and Russian Rose‘ (auch unter dem Titel ‚The Blind Run‘) – ‚Eine Rose für Charlie Muffin‘ (1985), ‚Charlie Muffin San‘ (auch unter dem Titel ‚See Charlie Run‘) – ‚Lächeln Sie, Charlie Muffin‘ (1987), ‚The Rund Around‘ – ‚Stochern im Nebel‘ (1988), ‚Comrade Charlie‘ (1989), ‚Charlie’s Apprentice‘ – ‚Der Lehrling‘ (1993), ‚Charlie’s Chance‘ (1996), ‚Dead Men Living‘ (2000), ‚Kings of Many Castles‘ (2001), ‚Red Star Rising‘ (2010), ‚Red Star Burning‘ (2012), ‚Red Star Falling‘ (2013);

Cowley & Danilov-Serie: ‚The Button Man‘ (auch unter dem Titel ‚In the Name of the Killer‘) – ‚Sniper‘ (1992), ‚No time for Heroes‘ (1994), ‚The Watchmen‘ (2002), ‚Triple Cross‘ (2004);

Sebastian Holmes-Romane: ‚The Holmes Inheritence‘ (2004), ‚The Holmes Factor‘ (2005);

Einzelwerke: ‚Goodbye to an Old Friend‘ – ‚Die Schliche der Taube‘ (1973), ‚Face Me When You Walk Away‘ – ‚Labyrinth mit Minen‘ (1974), ‚The Man Who Wanted Tomorrow‘ – ‚Rächer kennen kein Erbarmen‘ (1975), ‚The November Man‘ – ‚Strategie des Skorpions‘ (1976), ‚Deaken’s War‘ – ‚Deakens Krieg‘ (1982), ‚Rules of Engagement‘ (auch unter dem Titel ‚The Vietnam Legacy‘) – ‚Flucht aus Vietnam‘ (1984), ‚The Lost American‘ (auch unter dem Titel ‚The Kremlin Kiss‘, 1986), ‚The Bearpit‘ – ‚In der Höhle des Bären‘ (1988), ‚Betrayals‘ – ‚Bauernopfer‘ (1989), ‚O’Farrell’s Law‘ (1990), ‚Little Grey Mice‘ – ‚Kleine graue Mäuse‘ (1991), ‚Ice Age‘ (2002), ‚Two Women‘ (2003), ‚Dead End‘ (2005), ‚Time to Kill‘ (2006), ‚The Namedropper‘ (2007), ‚The Cloud Collector‘ (2015).

Als John Maxwell: ‚H.M.S. Bounty‘ (auch unter dem Titel ‚Hell’s Paradise‘, 1977), ‚Mary Celeste‘ (1979).

Als Jonathan Evans: ‚Misfire‘ (auch unter dem Titel ‚Target‘, 1980), ‚The Midas Men‘ (auch unter den Titeln ‚Sagomi Gambit‘ und ‚Gold‘) – ‚Die Midasmänner‘ (1981), ‚Chairman of the Board‘ (auch unter den Titeln ‚Takeover‘ und At Any Price‘) – ‚Das Millionenspiel‘ (1982), ‚Monopoly‘ (auch unter den Titeln ‚The Kremlin Correction‘ und ‚The Kremlin Conspiracy‘) – ‚Monopoli‘ (1984), ‚The Laundryman‘ (auch unter dem Titel ‚Dirty White‘) – ‚Die Geldwäscher‘ (1985).

Als Jack Winchester: ‚The Solitary Man‘ (auch unter dem Titel ‚The Iron Cage‘) – ‚Hartmanns Dilemma‘ (1980), ‚The Choice of Eddie Franks‘ (1986).

Als Harry Asher: ‚The Profiler‘ (auch unter dem Titel ‚Mind Reader‘, 1997), ‚The Predator‘ (1998).