(*1957)

Buddy Giovinazzo, geboren und aufgewachsen in Staten Island, New York City, als Spross einer süditalienischen Einwandererfamilie, studierte Kino an der City University of New York und arbeitete danach lange Jahre als Filmdozent an der School of Visual Arts in Manhattan und der City University of New York. Daneben verfasste er Drehbücher und machte Independent Filme, Musik-Videos, einen Dokumentarstreifen und Beiträge zu den deutschen Fernsehserien ‚Polizeiruf 110‘ und ‚Tatort‘. Anfang der 90er-Jahre begann er mit der Schriftstellerei. Sein vom Verlag Pulp Master herausgebrachtes Werk enthält den Erzählband ‚Cracktown‘ und vier harte Kriminalromane. Verheiratet mit Gesine Giovinazzo Todt, pendelt Giovinazzo zwischen Los Angeles und Berlin.

Eddie ist eine einzigartige Krimifigur: ein junger Mann aus New York City mit unheilbarem Hirntumor, gezeichnet von Chemotherapien, Schnaps und den „Roten“, die er haufenweise zur Linderung der dröhnenden Kopfschmerzen einwirft, und immer wieder überfallen von Wahnvorstellungen, Flashbacks und Visionen. Seine Lebensgeister erwachen noch ein letztes Mal, als seine Schwester Denise, eine gefragte Domina, in ihrem Folterkeller ermordet wird, worauf er sich mit seiner taffen Freundin Kaval auf die Suche nach dem Täter begibt. An Verdächtigen fehlt es nicht, denn Denise beass eine riesige, durch explizite Fotos aufgewertete Kundenkartei, die der Killer mitlaufen liess. Eine wichtige Rolle spielt auch Eddies Stiefvater „Onkel Ted“, ein undurchsichtiger Kerl, der Denise höchst wahrscheinlich vor vielen Jahren sexuell missbraucht hat. „Poesie der Hölle“: eine Tour de force, in der sich schrille Szenen und besinnliche Passagen die Hand geben.

In dem schnörkellosen Roman noir ‚Broken Street‘ erzählt ein namenloser, in den New Yorker Gettos mit seinem jüngeren Bruder Ray herumhängender Aussenseiter (Mutter tot, Vater ohne Arbeit und dem Schnaps verfallen) von seiner ersten grossen Liebe, Cathy, Stieftochter eines gewalttätigen Säufers, die mit zwölf bereits zum zweiten Mal abtreiben musste, von seiner hoffnungslosen Laufbahn als kleinkrimineller Drogenkonsument, Schläger, Autoknacker und Kokaindealer, von blutigen Revierkämpfen und den sechs unsäglichen Jahren im Knast, von dem Unheil, das die Teufelsdroge Crack anrichtet. Eine tieftraurige, nachtschwarze Coming-of-Age-Geschichte mit rührenden Szenen und einem Hauch von Hoffnung ganz am Schluss.

‚Potsdamer Platz‘, ein unerhört schneller und blutrünstiger, im Original bis heute nicht erschienener Thriller, dreht sich um die amerikanischen Mafiakiller Tony, Ich-Erzähler, und Hardy, pädophiler Psychopath, die von ihrem Boss Riccardo Montefiore aus New Jersey an die berühmteste Baustelle der 90er Jahre, den Potsdamer Platz in Berlin Mitte (dem einstigen Ostberlin), entsandt werden, um dem türkischen Bauunternehmer Yossario im Krieg gegen die Konkurrenz mit amerikanischem Know-how beizustehen, beziehungsweise so gut wie möglich selber abzusahnen; eine Konkurrenz, die alte Stasi-Mitarbeiter und rabiate Russen im Rücken weiss. Doch Tony, dessen triste Jugendzeit in kurzen Rückblenden aufleuchtet, wird zu seinem Erstaunen erstmals von menschlichen Regungen heimgesucht, verliebt sich zwischen zwei Massakern in eine Berliner Studentin, versucht auszusteigen.

„Meine Geschichte ist eine Geschichte des Wahnsinns“: So beginnt ‚Piss in den Wind‘, der zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und springende Lebensrückblick des psychisch äusserst labilen 34-jährigen James Gianelli, College-Dozent für Fotografie in einer kalifornischen Küstenstadt. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Freundin Karen, die gerade dabei war, ihn zu verlassen (hat er sie in geistiger Umnachtung erwürgt?), entsorgt er die Leiche im Ozean – und verliebt sich kurz danach Hals über Kopf in die wunderschöne Dominique, die eben erst an den Strand gespült worden ist, ermordet mit zahlreichen Messerstichen. Er beginnt eine enge Beziehung mit der Seele der Toten, deren Körper natürlich einzig für ihn sichtbar ist, und unterbreitet ihr seine Vergangenheit – das Aufwachsen an der Seite einer schwer gestörten Mutter, eines schwachen Vaters und seines heiss geliebten älteren Bruders, der als Teenager unter tragischen Umständen ums Leben kam. So richtig in die Bredouille gerät James jedoch erst, als er sich ein zweites Mal verliebt – diesmal in Dominiques quietschfidele achtzehnjährige Schwester Susan -, worauf Dominique in seiner Vorstellung ein aufmüpfiges Eigenleben entwickelt. ‚Piss in den Wind‘, im amerikanischen Original bis heute unveröffentlicht, ist ein irrwitziger, zwischen Wahrheit und Phantasie mäandernder Noir, wie er wohl nur bei PULP MASTER erscheinen kann.

Bibliografie:

Life Is Hot in Cracktown‘ – ‚Cracktown‘ (Erzählungen,1993), ‚Poetry and Purgatory‘ – ‚Poesie der Hölle‘ (1996), ‚On Broken Street‘ – ‚Broken Street‘ (1998), ‚Potsdamer Platz‘ – ‚Potsdamer Platz‘ (2002; im Original bisher nicht erschienen), ‚Caution to the Winds‘ – ‚Piss in den Wind‘ (2008; im Original bisher nicht erschienen).