(1929-2011)

Newton Kendall Thornburg wurde als Sohn eines einfachen Geschäftsmanns in Harvey, Illinois, geboren und wuchs mit einem älteren Bruder und zwei jüngeren Schwestern in Chicago Heights auf, einem Vorort im Süden Chicagos. Er studierte am Illinois Wesleyan College und machte einen Abschluss in Fine Arts an der University of Iowa. In dieser Zeit, mit achtzehn, veröffentlichte er seine erste Story. Frisch verheiratet mit seiner grossen Liebe Karin Larson, verbrachte er in den 1950er-Jahren einige Zeit in Chicago und Manhattan, begann zu malen und schreiben, ohne jedoch davon leben zu können, und verrichtete verschiedene Gelegenheitsarbeiten. Desillusioniert von der Welt der schönen Künste, kehrte er mit seiner Familie nach Illinois zurück und war zunächst auf der Farm seines Schwagers, danach fünf Jahre im väterlichen Geschäft tätig. Anschliessend arbeitete er zehn Jahre als freischaffender Werbetexter mit Stationen in Milwaukee, St. Louis und Santa Barbara. Ab Mitte der 70er verbrachte er mit seiner Familie fünf Jahre auf einer kleinen, abgelegenen Farm in den Ozarks, Missouri, und widmete sich der Rinderzucht. Als die Tiere an Brucellose erkrankten, verkaufte er die Farm. Er liess sich in Seattle nieder und rückte nun das Schreiben ganz ins Zentrum seines Berufslebens. 1986 erlitt seine Frau einen plötzlichen Herztod, ein schwerer Schicksalsschlag für Thornburg, von dem ersich nur langsam erholte. 1992 heiratete er Janet Adams, doch die Ehe hielt nur drei Jahre.

Newton Thornburg, der 1967, in seiner Zeit als Werbetexter, als Romanautor debütiert hatte, verdiente mit seinen Büchern und Filmrechten sehr viel Geld, bis er 1998 einen schweren Hirnschlag erlitt und seine Selbständigkeit einbüsste. Unterstützt durch den Staat, verbrachte er seinen Lebensabend er in verschiedenen Pflegeheimen im Grossraum Seattle. Er starb dort im Alter von 81 Jahren und hinterliess eine Tochter, Kristen, und einen Sohn, Doug. Ein weiterer Sohn, Mark, war bereits im Jahr 2000 gestorben.

Zwischen 1967 und 1998 veröffentlichte der bekennende Atheist Newton Thornburg elf von einer pessimistischen Stimmung durchdrungene Romane, von denen auf Deutsch einzig die Caper Novel ‚Die Mäuse bringt der Nikolaus‘ und die Noir-Romane ‚Geh zur Hölle Welt!‘ (im Original: ‚Cutter and Bone‘, verfilmt 1981 unter dem Titel ‚Cutter’s Way‘ mit Jeff Bridges und John Heard in den Hauptrollen) und ‚Schwarze Herde‘ erschienen sind.

‚Geh zur Hölle Welt!‘, Thornburgs zeit- und sozialkritisches Meisterwerk aus dem Jahr 1976, handelt von drei sozialen Aussenseitern, die zusammen unter trostlosen Bedingungen in der kalifornischen Stadt Santa Barbara leben – es ist die bleierne Zeit nach dem Vietnamkrieg. Der 33-jährige Rich Bone hat seinen gut dotierten Job als Marketingchef in Milwaukee vor zwei Jahren aufgegeben und Frau und Kinder verlassen, um ein Leben als Rumtreiber und Gelegenheitsgigolo zu führen. Alex Cutter, ein seelisch schwer angeschlagener Vietnamveteran, der im Krieg ein Auge, einen Arm und ein Bein verloren hat, ein durchgedrehter Clown mit einer theatralischen Ader, stammt aus einer reichen Familie, hat jedoch seine Eltern früh verloren und hasst das Establishment. Liiert ist er mit der drogen- und alkoholsüchtigen Mo, auch sie aus gutem Haus, und die beiden haben einen einjährigen Sohn. Eines Tages beobachtet Bone aus der Ferne einen Mann, der eine weibliche Leiche in einer Mülltonne entsorgt. Handelt es sich beim Täter um den millionenschweren Industriellen J.J. Wolfe? Cutter und Bone wittern die einmalige Chance, zu Geld zu kommen – und zu überleben in einer kapitalistischen Welt, in der sich jeder selbst retten muss: Sie planen eine Erpressung.

‚Schwarze Herde‘ erzählt die traurige Geschichte des Werbetexters Bob Blanchard, der sich vor vier  Jahren den Traum vom einfachen Leben erfüllte: Mit seiner intellektuellen Frau Susan und ihrem gemeinsamen asthmatischen Kind Whit zog er auf das Ozark-Plateau von Missouri, um Rinder zu züchten. Doch jetzt sind die Fleischpreise zusammengebrochen, Susan hat genug von all diesen „Hinterwäldlern“ und kehrt nach Saint Louis zurück, und bei Bobs Black Angus-Herde wird die Rinderseuche Brucellose festgestellt – es drohen Zwangsschlachtung und Konkurs. In dieser ausweglosen Situation kommt sein versoffener Kumpel Shea  mit einer Idee: Bob soll seine eigene Herde klauen und verschwinden lassen, das Versicherungsgeld kassieren und dann neu anfangen, diesmal  mit seiner Bettgefährtin Ronda, und nicht in den Ozarks. Kenntnisreich und stimmungsvoll schildert Thornburg das grandiose Scheitern eines im Grunde anständigen Mannes in einer Umgebung, in der jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Bibliografie:

‚Gentleman Born‘ (1967), ‚Knockover‘ – ‚Die Mäuse bringt der Nikolaus‘ (1968), ‚To Die in California‘ (1973), ‚Cutter and Bone‘ – ‚Geh zur Hölle, Welt!‘ (auch unter dem Titel ‚Cutter und Bone‘, 1976), ‚Black Angus‘ – ‚Schwarze Ernte‘ (1978), ‚Valhalla‘ (1980), ‚Beautiful Kate‘ (1982), ‚Dreamland‘ (1983), ‚The Lion at the Door‘ (1990), ‚A Man’s Game‘ (1996), ‚Eve’s Men‘ (1998).