Von 2008 bis 2010 veröffentlichte der Berliner Rotbuch Verlag aus der gleichnamigen, 2004 gegründeten und bis heute fortgesetzten US-Reihe sechzehn mit herrlichen Trash-Cover geschmückte Pulp-Krimis der Autoren Allan Guthry, Lawrence Block, Ken Bruen & Jason Stark, Christa Faust, Richard Aleas, Donald E. Westlake, Mickey Spillane, Ed McBain, Max Phillips, Robert Bloch, Max Allan Collins und John Farris. Eine Auswahl wird hier in knappen Worten vorgestellt.

Lawrence Block: ‚Mona‘ – ‚Abzocker‘ (1961)

Das Muster kennen wir von James M. Cains bahnbrechendem Roman ‚The Postman Always Rings Twice‘. Was Lawrence Block in seinem frühen Einzelwerk ‚Abzocker‘ daraus macht, ist jedoch grosse Klasse. Der junge, smarte, schöne Frauen um den Finger wickelnde Herumtreiber und Zechpreller Joe Marlin, dem Gewissensbisse jedoch nicht ganz fremd sind, stösst zufällig auf ein Kilo reines Heroin. Am selben Tag lässt er sich auf eine intensive Liebesbeziehung mit der 25-jährigen Mona Brassart ein, die mit einem stinkreichen, dreissig Jahre älteren Widerling verheiratet ist, dessen Vermögen, wie sich herausstellt, auf Heroinhandel im grossen Stil beruht. Was liegt näher, als den alten Sack aus dem Weg zu räumen, den Mord als Vergeltungsakt im Drogenmilieu darzustellen, um es sich danach gemeinsam an einem hübschen Ort gutgehen zu lassen? Der erste Teil des Plans gelingt, doch dann legt Block einen Zacken zu und lässt seinen schnörkellosen Krimi in ein verstörendes Ende münden.

Zum Porträt: Block, Lawrence

Ken Bruen & Jason Starr: ‚Bust‘ – ‚Flop‘ (2006)

Gemeinsam mit dem 1968 geborenen New Yorker Krimi- und Drehbuchautor Jason Starr verfasste Ken Bruen die Pulp-Trilogie um Max Fisher und Angela Petrakos, der erste Band ‚Flop‘ sticht hervor. Ein exquisites Quartett treibt die tiefschwarze, zum Schreien komische Geschichte, in der jeder jeden aufs Kreuz legt, rasant voran: Max Fisher, skrupelloser, schmieriger, millionenschwerer, mit der biestigen Deirdre kinderlos verheirateter IT-Manager in Manhattan; seine neue Sekretärin Angela Petrakos, ausgekochte Femme fatale griechisch-irischer Abstammung; Angelas heimlicher Lover Thomas Dillon, Übername Popeye, soziopathischer Gelegenheitskiller mit verstümmeltem Mund und schummriger Vergangenheit als IRA-Kämpfer, den Max beaufträgt, seine Frau zu beseitigen, damit er seine sexuelle Beziehung zu Angela vertiefen kann; und der Ex-Knacki und Golf-Veteran Bobby Rose, der im Rollstuhl sitzt, seit ihm ein Nebenbuhler eine Kugel verpasst hat, und jetzt den gebeutelten Max mit verfänglichen Fotos erpresst. Als Kenneth Simmons von der Mordkommission des 19. Reviers die teuflischen Vier in die Ecke drängt, knallt Dillon ihn kurzerhand ab. Und dann läuft alles aus dem Ruder.

Zum Porträt: Bruen, Ken

Donald E. Westlake: ‚361‘ – ‚Mafiatod‘ (1962)

Ray Kelly, 23-jährig, hartgesotten und gescheit, kehrt nach drei Jahren Dienst bei der Air Force in Deutschland in seine nordamerikanische Heimat zurück, sein Vater Willard, ein angesehener Wirtschaftsanwalt, holt ihn am Flughafen ab und wird bei der Heimfahrt erschossen. Ray überlebt den Anschlag mit schweren Verletzungen, erfährt nach längerem Spitalaufenthalt, dass auch die Frau seines älteren Bruders Bill vor wenigen Tagen bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht ums Leben kam – und schwört Rache. Halbherzig unterstützt durch Bill beginnt er zu ermitteln und findet heraus, dass sein Vater in der Prohibitionszeit auf der Lohnliste der New Yorker Mafia stand, und dass Eddie Kapp, einer seiner damaligen Mandanten, nach 25 Jahren Gefängnis in den nächsten Tagen freigelassen werden soll – ein Ereignis, das die Beziehungen zwischen den Syndikaten arg destabilisieren könnte. Aus diesem Rohmaterial formt Westlake eine fulminante Mischung aus Familientragödie und Mafiathriller mit überraschenden Wendungen.

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Max Allan Collins: ‚Der erste Quarry‘ – ‚The First Quarry‘ (2008)

Im siebten, chronologisch jedoch ersten Band der Reihe ‚Der erste Quarry‘ erfahren wir von Quarry (seinen echten Namen will er ums Verrecken nicht preisgeben), wie er durch den „Broker“ – ein distinguierter, anonymer Mittelsmann im ebenso diskreten wie lukrativen Profikillergeschäft – nach seiner Rückkehr aus Vietnam mit 25 Jahren als Killer angeheuert wird, nachdem er kurz zuvor einen Typen, der mit seiner Frau im Bett war, abserviert hat. Quarrys erster Auftrag hat es in sich: Den Literaturprofessor Byron aus dem Verkehr ziehen und dessen auf Tatsachen beruhendes Manuskript über die Geschäfte und Verbrechen des Chicagoer Mafiadons Lou Girardelli vernichten. So weit so gut, doch Lou ist der Vater von Byrons Bettgefährtin Annette, was der Grund dafür ist, dass Byrons Frau Dorrie einen Privatdetektiv engagiert hat, um Material für eine gut dotierte Scheidung zu ergattern. Als Quarry den öligen Schnüffler erledigt und mit Dorrie, später auch mit Annette, in der Pfanne landet, gibt es kein Halten mehr.

Zum Porträt: Collins, Max Allan

John Farris: ‚Baby Moll‘ – ‚Baby Moll‘ (1958)

Pete Mallory war sechs Jahre lang die rechte Hand des Mafiapaten Macy Barr in Florida, bis er die Nase voll hatte von der alltäglichen Gewalt und in den Norden zog, um ein bürgerliches Leben zu führen. Einige Jahre später steht die Hochzeit mit seiner über alles geliebten Gefährtin Elaine bevor, als ihn ein Hilferuf von Macy erreicht: Der gealterte und schwach gewordene Don befindet sich in höchster Lebensgefahr, ein rachsüchtiger Killer sitzt ihm im Nacken – einzig sein kampferprobter und intelligenter Ziehsohn Pete, der ihm noch einen Gefallen schuldet, kann seine Haut retten. Pete wühlt im Dreck, wird zusammengeschlagen, entgeht mehreren Mordanschlägen mit knapper Not und erledigt den Job auf seine Art. Mit ‚Baby Moll‘ hat der 1936 in Jefferson, Missouri, geborene Autor von zahlreichen Horror- und Gothic-Romanen einen gradlinigen, schlakenlosen Noir mit präzis skizzierten Figuren in die Tasten gehauen.

Max Phillips: ‚Fade to Blonde‘ – ‚Tödlich blond‘ (2004)

‚Tödlich Blond‘ spielt im Hollywood der 50er-Jahre. Ray Corson, Weltkriegsveteran, Ex-Boxer und gescheiterter Drehbuchautor, ein cooler, schlagkräftiger, stets abgebrannter Bursche Mitte dreissig mit sentimentalen Anwandlungen, verrichtet wieder einmal einen Gelegenheitsjob, als die junge Schönheit Rebecca LaFontaine ihn um Hilfe bittet: Er soll verhindern, dass der zwielichtige Filmproduzent und Sunnyboy Lance Halliday, den sie anscheinend abblitzen liess, seine Drohung, ihr Gesicht mit Säure zu zerstören, in die Tat umsetzt. Ray glaubt ihr kein Wort, legt sich aber trotzdem ins Zeug für sie, schliesst unliebsame Bekanntschaft mit Vertretern der organisierten Kriminalität (Pornoindustrie, Kokainhandel) und enthüllt eine unsägliche Intrige, bei der Rebecca die Hauptrolle spielt.

Zum Porträt: Phillips, Max