Hinweise auf lesenswerte, bisher nicht besprochene Kriminalromane von Autoren, die im Blog schon aufgeführt sind. Die Texte habe ich in sanft angepasster Form in die Autorenporträts eingefügt.

Robert Fish: ‚Isle of Snakes‘ – ‚Die Insel der Schlangen, 1963

‚Die Insel der Schlangen‘ sticht aus Fishs Zehnteiler um den brasilianischen Interpol-Polizisten José da Silva hervor. Mit seinem unscheinbaren Kumpel Bob Wilson, vordergründig Sicherheitsoffizier der amerikanischen Botschaft in Brasilien, in Wirklichkeit ebenfalls bei Interpol, ermittelt der einfallsreiche, schnauzbärtige und pockennarbige Enddreissiger den Mord an einem Mann, der sich mit einer säuberlich verpackten ausgestopften Korallenschlange auf der Flucht durch Brasilien befand – und namenlos im Leichenhaus von Rio endete.

Der Wert der toten Schlange liegt darin, dass auf ihrer Haut eine Landschaft gezeichnet ist: eine Lagune auf der „Insel der Schlangen“, wo es wimmelt von äusserst giftigen Exemplaren dieser Spezies – offenbar hat jemand dort eine höchst wertvolle Beute versteckt. Da Silva und Wilson begeben sich auf die selbstmörderische Expedition, gejagt von zwei Gangstern, die im Dienste eines mysteriösen „Meisters“ stehen.

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Charles McCarry: ‚The Better Angels‘ – ‚Die besseren Engel‘, 1979

Der visionäre Politroman ‚Die besseren Engel‘, erschienen 1979, handelt von einer Präsidentschafts-Kampagne im Jahr 1996. Der amtierende US-Präsident Bedford Forrest „Frosty“ Lockwood, liberal und umweltbewusst, liess, wie erst jetzt publik wird, vor drei Jahren den Emir des kleinen, fiktiven Ölstaates Hagreb, Ibn Awad – Messiasgestalt oder Wahnsinniger? -, ermorden um zu verhindern, dass er Nuklearwaffen an die palästinensische Terror-Organisation „Eye of Gaza“ liefert und diese daraufhin Jerusalem und New York vernichtet – eine Tat, die Selbstmordattentate in den USA zur Folge hatte. Als diese Fakten medial verbreitet werden, verbessern sich die Wahlausssichten seines Herausforderers (und Vorgängers!), des erzreaktionären Populisten Franklin Mallory, natürlich ganz erheblich, zumal die Bomben nie gefunden wurden.

Dies ist die Ausgangslage der komplexen Erzählung um Wahlmanipulation, Komplotte, Machtspiele, dem grenzenlosen Einfluss der Medien und dem Verlust des ethischen und moralischen Denkens. In tragenden Rollen: Die Halbbrüder Hubbard – Horace, hochrangiger Geheimagent, und Julian, engster Vertrauter des Präsidenten -, der progressive, einflussreiche Journalist Patrick Graham, der Intrigant Clive Wilmot, Chef des Washingtoner Büros des britischen Nachrichtendienstes, und der US-Geheimdienstchef Jack Philindros. Grossen Wert legt McCarry auch auf die Schilderung des Alltags der einfühlsam geschilderten Protagonisten und ihrer ebenfalls mit feiner Hand gezeichneten Frauen.

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Julian Rathbone: ‚Trip Trap‘ – ‚Das Geheimnis der Bronzestauen‘, 1972

Im letzten Band seines türkischen Quartetts behandelt Rathbone alle Aspekte des Opiumanbaus in der Türkei – wichtigste Einkommensquelle für Tausende von Bauern, aber auch äusserst lukratives – von der Regierung geduldetes – Geschäft für Grosshändler, die Rohopium für 50 Dollar pro Kilo erwerben und in New York als veredeltes Heroin für 250’000 Dollar verkaufen. Doch jetzt ist ein Dealer ermordet worden, ein Bandenkrieg bahnt sich an, und die türkische Polizei sieht sich gezwungen, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Im Mittelpunkt stehen Edward Amberley, stolzer Besitzer von 24 selbst entwickelten motorisierten Pflügen, die er in Izmir an einer Messe ausstellen möchte; die schöne Türkin Lilak Adler, die den naiven Engländer trickreich für ihre Zwecke benützt; die junge, von einem schrecklichen Ereignis gezeichnete britische Archäologin Diana Ashington; der über Leichen gehende Drogenboss Barish Uz; sowie der unbestechliche Polizeioffizier Nur Arslan, dem der Spagat gelingen muss, Barish aus dem Verkehr zu ziehen, ohne seinen gerissenen, möglicherweise mit Barish unter einer Decke steckenden Vater Refik (Lilaks Onkel!) zu gefährden.

https://krimiautorena-z.blog/2017/02/11/rathbone-julian-2/

Lawrence Block: ‚Hit Man‘ – ‚Kellers Metier‘, 1998

Keller gehört zu den kauzigsten Figuren der Kriminalliteratur. Ein liebenswerter, alleinstehender, unter schrecklichen Träumen leidender, immer wieder Samuel Johnson zitierender Hundefreund mittleren Alters mit blühender Fantasie und einer Neigung zu mehr oder weniger tiefgründigen Selbstgesprächen, der für seinen Boss, den „alten Mann aus White Plains“, als kaltblütiger Killer arbeitet – dessen gewitzte Sekretärin Dot ist die Kontaktperson. Wenn sich jemand nach seinem Beruf erkundigt, gibt er zur Antwort, er arbeite für ein grosses Unternehmen, das ihn weiss Gott wohin schickt, damit er nach dem Rechten sieht, wenn es irgendwo Probleme gibt. Zur Entspannung besucht er einen New Yorker Psychotherapeuten namens Breed, dem er denselben Unsinn auftischt und bereitwillig seine neuesten Alpträume anvertraut. Überall, wo er hinkommt, um einen Job zu erledigen, träumt er davon, sich dort niederzulassen.

Der erste Keller-Krimi ‚Kellers Metier‘ berichtet in zehn Sequenzen mit feiner Ironie über Kellers Alltag, seine mit wechselnden Methoden ausgeführten Hits – ‚Hört auf Soldier‘, ‚Keller zu Pferd‘, ‚Kellers Therapie‘, ‚Führe Hunde aus, giesse Blumen‘, ‚Kellers Karma‘, ‚Keller in schimmernder Rüstung‘, ‚Kellers Entscheidung‘, ‚Auf Keller ist immer Verlass‘, ‚Kellers letzte Rettung‘ und ‚Keller in Rente‘ lauten die herrlichen Untertitel. Im letzten Teil entschliesst sich Keller, in Rente zu gehen. Er wird begeisterter Philatelist, doch dieses Hobby kann teuer werden, sodass er das Killen weiterhin betreibt, wenn auch eher nebenberuflich – und mit einem neuen, diesmal weiblichen Auftraggeber, nachzulesen in dem in sich geschlossenen Roman ‚Kellers Konkurrent‘.

https://krimiautorena-z.blog/2017/04/04/block-lawrence/