Hinweise auf bisher nicht besprochene Kriminalromane von Autoren, die im Blog bereits aufgeführt sind. Die Texte habe ich in leicht angepasster Form in die Autorenporträts eingefügt.

Les Edgerton : The Bitch (2014) – Primat des Überlebens (2024, PULP MASTER)

Jacob „Jake“ Bishop sass wegen Einbruchdelikten schon zweimal im Gefängnis. Wenn es ihn ein weiteres Mal erwischt, dann kommt er nie mehr raus. Das hat er sich hinter die Ohren geschrieben. Denn Jake hat einen guten Job in einem Hairstylesalon in South Bend, Indiana, und will sich demnächst selbstständig machen. Und Jake ist glücklich verheiratet mit seiner grossen Liebe Paris, die von ihm ein Kind erwartet. Jake ist mustergültig resozialisiert, doch jetzt steht Walker „Spitball“ Joy vor seiner Tür, sein bester Freund, der ihm im Knast das Leben gerettet hat: Jake soll seine Schuld begleichen, indem er bei einem Juwelenraub mitmacht. Spitballs Partner Sydney Spencer unterstreicht die Forderung mit einer Erpressung die Jake keine Wahl lässt. Ein finsterer Ritt ins Verderben beginnt. In seiner Not beginnt Jake zu morden, um vielleicht seine Haut zu retten – doch jeder Akt führt tiefer in die Scheisse, bis jede Hoffnung stirbt.

Zum Porträt: Edgerton, Les

Jim Thompson: The Grifters (1963) – Die Abzocker (1987, Ullstein); auch unter dem Titel Müttersöhnchen (1995, Diogenes)

‚Die Abzocker‘, ein spätes Werk des einflussreichen Noir-Autors Jim Thompson, dreht sich um drei meisterhaft gezeichnete Figuren, die sich bezüglich Heimtücke und Kaltblütigkeit in nichts nachstehen. Roy Dillon, ein leutseliger, smarter Bursche Mitte zwanzig, lebt in einem billigen Hotel in Los Angeles, wo er für einen Hungerlohn im Aussendienst arbeitet – und mit Trickbetrügen ein Vermögen von 52’000 Dollar angehäuft hat. Seine zehn Jahre ältere Geliebte Moira, eine frühere Trickbetrügerin, die sich ihre Brötchen auf dem Strich verdient, möchte unbedingt mit Dillon zusammenspannen, um endlich einmal richtig abzusahnen. Die Dritte im Bund ist Roys harte, gewissenlose, noch nicht einmal vierzigjährige Mutter Lilly, die Ihren Lebensunterhalt als Barmaid und Assistentin des Mob-Buchmachers Bobo Justus bestreitet. Als sie eines Tages, sieben Jahre nach Kontaktabbruch, völlig unerwartet in Roys Wohnung auftaucht, verfängt sich das unheilige Trio in einem Netz aus Geldgier, Täuschung, Verrat und Gewalt. Die gelungene Verfilmung durch Stephen Frears – Drehbuch: Donald Westlake, Hauptrollen: Anjelica Huston, John Cusack und Annette Bening – kam 1990 in die Kinos.

Zum Porträt: Thompson, Jim

Milo Dor & Reinhard Federmann: Internationale Zone (1994, Picus)

‚Internationale Zone‘, eine schnörkellose, packende, atmosphärisch dichte Geschichte, spielt im Winter 1945/46 in dem durch die Alliierten besetzten, von Schwarzhandel und Schmuggel, Spionage, Geldgier und Opportunismus beherrschten Wien – dem „letzten offenen Tor zwischen Ost und West“. Vier niederträchtige Männer bekleiden die Hauptrollen: Boris Kostoff, ein versoffener, fetter bulgarischer Tierarzt, der wegen einer Gewalttat einige Jahre im Zuchthaus verbracht hat; der kaltblütige, über Leichen gehende Rumäne Georges Maine, alias Georgi Maniu, und der etwas heruntergekommene Österreicher Freddie Hirsch, die gemeinsam den Zigarettenhandel fest in der Hand haben, sich aber schon lange nicht mehr über den Weg trauen; ferner der schlaue russische Polizeioffizier Gubarew, ihr wichtigster Verbindungsmann im sowjetischen Sektor, der die Schwarzhändler mehr oder weniger gewähren lässt, als Gegenleistung jedoch erwartet, dass sie ihm die „Feinde der Sowjetunion“ aus den westlichen Sektoren ausliefern. Verschoben werden zunächst vor allem Tabakwaren, Schnaps, Medikamente und Textilien; später rückt Alteisen in den Vordergrund – ein Milliardengeschäft, mit dem die Russen ihre Panzer und Kanonen finanzieren, während die westliche Seite ihre Schweizer Bankkonten füllt.

Der Roman erschien 1953 in der Taschenbuchreihe des Forum-Verlags. Die Autoren aktualisierten später die Geschichte und ergänzten sie durch eine Rahmenhandlung. Diese endgültige Version wurde allerdings erst 1994, in schön aufgemachter und gebundener Form, durch den Wiener Picus Verlag herausgegeben.

Zum Porträt: Dor, Milo

Thomas H. Cook: The Chatham School Affair (1996) – Wer das Dunkel erblickt (1999, Bastei Lübbe)

In ‚Wer das Dunkel erblickt‘ entwirft Thomas Cook grandiose Pychogramme einer Handvoll Menschen, die 1926/27 in einem verhängnisvolles Beziehungsnetz gefangen sind. Der damals fünfzehnjährige Henry Griswald, Sohn des Gründers und Direktors der Knaben-Privatschule in dem Cape Cod-Städtchen Chatham, erzählt die tragische Geschichte. Sie beginnt damit, dass sich die junge, weitgereiste, aussergewöhnlich schöne Lehrerin Elizabeth Channing in Chatham niederlässt, um Kunst zu unterrichten. Bald entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung zwischen ihr und dem Englischlehrer Leland Reed, einem kriegsversehrten Freigeist, der mit der spröden Abgail verheiratet ist und mit ihr eine kleine Tochter hat. Henry fühlt sich angezogen von dem aufgeschlossenen Liebespaar, obwohl er weiss, dass Ehebruch als Verbrechen gilt. Er sorgt dafür, dass Miss Channing dem Hausmädchen seiner Eltern Lesen und Schreiben beibringt. Zudem hilft er Reed beim Bau eines Segelbootes. Und träumt davon, sich möglichst bald von Chatham zu befreien, eine andere Welt zu entdecken. Nach fünfzig ereignisarmen Jahren als Dorfanwalt blickt er jetzt noch einmal zurück auf die Vergangenheit: auf seine aufwühlenden Begegnungen mit Miss Channing und Mister Reed, auf den Tag der unfassbaren Katastrophe, die vier Menschen das Leben gekostet hat – der Tag, an dem er grosse Schuld auf sich geladen hat.

Zum Porträt: Cook, Thomas H.

James McClure: The Song Dog (1991) – Song Dog (1996, Unionsverlag)

‚Song Dog‘, das Prequel zu McClures schwarzhumoriger, mit verschachtelten Plots aufwartender (in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal der 60er- und 70er-Jahre angesiedelter) Apartheid-Serie, ist der Roman, in dem der ungehobelte weisse Cop Lieutenant Tromp Kramer und sein kluger, etwas dandyhafter Partner, der Bantu-Sergeant Mickey Zondi, erstmals aufeinandertreffen. Halbbatzig unterstützt durch sein schlampig arbeitendes Team, untersucht Tromp Kramer ein Sprengstoffattentat auf einen verheirateten weissen Polizisten und seine junge Geliebte, die ihre Eltern kürzlich bei einem mysteriösen Autounfall verloren hat. Richtig in Fahrt kommen die Ermittlungen jedoch erst in der Hälfte des Buches, als Mickey Zondi auf der Bildfläche erscheint. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden sich perfekt ergänzenden Männern funktioniert vom ersten Tag an ausgezeichnet. Auf die richtige Spur bringt sie schliesslich ein weiterer – mehrere Monate zurückliegender – Todesfall, der damals als Unfall deklariert worden war.

Zum Porträt: McClure, James