(1939-2006)

James McClure wurde in Johannisburg, Südafrika, geboren und wuchs in der vorwiegend von Schwarzen bevölkerten Stadt Pietermaritzburg auf. Nach seinem Studium am Maritzburg College 1955 bis 1958 arbeitete er vier Jahre als Englisch- und Kunstlehrer am Cowan House in Pietermaritzburg, danach als Polizeireporter und Fotograf für lokale Zeitungen. Seine systemkritischen Reportagen führten dazu, dass er von der Polizei überwacht wurde. Nach der Geburt seines ersten Sohnes 1965 beschloss er deshalb, mit seiner Familie nach Grossbritannien auszuwandern. Dort arbeitete er zuerst für den ‚Scottish Daily Mail‘ in Edinburgh, danach für den ‚Oxford Mail‘ und die ‚Oxford Times‘ in Oxford, dem Wohnsitz seiner zweiten Lebenshälfte.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit kreierte McClure eine komplexe, im Südafrika der 60er- und 70er-Jahre spielende Krimiserie, in deren Mittelpunkt die Polizisten Lieutenant Tromp Kramer, ein gradliniger Weisser, der die Apartheid-Politik, mit der er aufgewachsen ist, verinnerlicht hat, und sein cleverer Bantu-Partner Detective Sergeant Mickey Zondi, stehen; zwei gegensätzliche Figuren aus der fiktiven Stadt Trekkersburg (gemeint ist wohl Pietermaritzburg), zwischen denen sich im Verlauf der chronologisch zu lesenden Reihe eine enge, hinter herben Sprüchen halbwegs versteckte Freundschaft entwickelt. Inhaltlich ist ‚Die schwarze Hexe‘ aus dem Jahr 1991 der erste Titel der achtteiligen Serie.

In seinen Polizeiromanen ist McClure das Kunststück gelungen, den allgegenwärtigen Terror und Rassismus im totalitären System Apartheid derart subtil – mit beiläufig eingefügten Beobachtungen, ganz ohne polemische Statements – zu entlarven, dass seine Werke damals sogar in Südafrika erscheinen konnten.

Ende der 70er-Jahre begleitete McClure längere Zeit eine englische Polizeieinheit; daraus resultierte 1980 das Sachbuch ‚Spike Island: Portrait of a British Police Division‘. Vier Jahre später wiederholte er dieses Vorgehen in San Diego, Kalifornien, mit ‚Cop World: Inside of an American Police Force‘. Darüber hinaus verfasste er drei weitere Romane, unter ihnen der in Südafrika angesiedelte Spionagethriller ‚Rogue Eagle‘.

Anfang der 90er-Jahre beendete McClure seine schriftstellerische Laufbahn. 1994 wurde er Herausgeber der angesehenen Wochenzeitung ‚Oxford Times‘, von 2000 bis Ende 2005 übte er dieselbe Funktion bei der Tageszeitung ‚Oxford Mail‘ aus. Er starb 66-jährig in Oxford und hinterliess seine Frau Lorly, mit der er seit 1962 verheiratet war, und drei künstlerisch begabte Kinder, Alistair, James und Kirsten.

Bibliografie:

Tromp Kramer & Mickey Zondi-Serie: ‚The Steam Pig‘ – ‚Begräbnis inklusive‘ (auch unter dem Titel ‚Ein Sarg mit falscher Adresse‘, 1971), ‚The Caterpillar Cop‘ – ‚Nachtspiele‘ (auch unter dem Titel ‚Ein vorwitziges Kind‘ (1972), ‚The Gooseberry Fool‘ – ‚Beichtgeheimnisse‘ (auch unter dem Titel ‚Geheime Sünden, bar bezahlt‘ (1974), ‚Snake‘ – ‚Im Bann der Schlange‘ (auch unter dem Titel ‚Die Viper‘, 1975), ‚The Sunday Hangman‘ – ‚Ein Opfer für den Henker‘ (auch unter dem Titel ‚Mord am Galgen‘ (1977), ‚The Blood of an Englishman‘ – ‚Die Jagd nach dem Schatten‘ (1980), ‚The Artful Egg‘ – ‚Kalte Revanche‘ (1984), ‚The Song Dog‘ – ‚Die schwarze Hexe‘ (auch unter dem Titel ‚Song Dog‘, 1991);

Einzelwerke: ‚Four and Twenty Virgins‘ (1973), ‚Rogue Eagle‘ (1976).