(1917-1994; schrieb auch als Collier Young)

Robert Bloch kam als Sohn eines Bankangestellten und einer Sozialarbeiterin, beide deutsch-jüdischer Abstammung, in Chicago zur Welt und wuchs in dem Chicagoer Vorort Maywood auf. Als der Vater 1929 seinen Job verlor, ging die Familie nach Milwaukee, Wisconsin. Robert war ein frühreifes Kind, übersprang Klassen, veröffentlichte mit siebzehn seine erste Story ‚The Thing‘ in dem Pulpmagazin ‚Weird Tales‘, avancierte in den folgenden Jahren zu einer grossen Nummer in der Pulpszene und pflegte als Teenager einen regen Briefwechsel mit seinem grossen Vorbild H.P. Lovecroft, der ihm bis zu seinem Tod im Jahr 1937 eine unverzichtbare Stütze war. Bis 1953 bestritt er seinen Lebensunterhalt mit einem Job in einer Werbeagentur. Danach liess er sich mit seiner Familie in Weyauwega, Wisconsin, nieder und widmete sich ganz dem Schreiben.

Blochs zwei Dutzend Romane und unzählige Geschichten umfassende Prosa deckt mir Sciencefiction, Fantasy, Horror, Thriller, Trash und Humoresken ein breites Spektrum ab. Darüber hinaus schrieb er Essays, Hörspiele, Drehbücher für Film und Fernsehen – mit ‚Psycho‘ als einsamem kommerziellem Höhpunkt, nicht zuletzt aufgrund von Hitchcocks Verfilmung, an der er nicht direkt beteiligt war, die es ihm jedoch erlaubte, seinen Wohnsitz 1960 nach Los Angeles zu verlegen. Bloch war zweimal verheiratet: Von 1940 bis zur Scheidung 1963 mit Marion Ruth Holcombe, die 1943 seine Tochter Sally zur Welt brachte, anschliessend bis zu seinem Tod mit Eleonor Alexander. Mit 77 erlag er in seinem Haus in Los Angeles einer Krebserkrankung, nachdem er kurz zuvor noch seine Autobiografie ‚Once Around the Bloch‘ fertigstellen konnte.

Der kleine, schmutzige Krimi ‚Shooting Star‘ ist – wie die etwas langfädige Erzählung ‚Werkzeug des Teufels‘ – fünfzig Jahre nach der Erstauflage als Hard Case Crime im Rotbuch Verlag erschienen. Ich-Erzähler Mark Clayburn aus Hollywood, einäugiger Literaturagent mit Lizenzen als Privatdeketiv und Notar und gültigem Waffenschein, soll den Mord an dem Western-Filmstar Dick Ryan ermitteln und gleichzeitig dessen Namen reinwaschen – seine Leiche wurde nach einer wilden, durch Schnaps und Dope aufgeheizten Partynacht in seinem riesigen Wohnwagen aufgefunden, der Produzent Harry Bannock, der einen Haufen Geld in Ryans Karriere investiert hat, ist der Auftraggeber. Als Clayburn im Dreck zu wühlen beginnt, kommen zwei weitere durch Bannock protegierte Schauspieler gewaltsam ums Leben, der Schnüffler wird mehrmals zusammengeschlagen, lässt sich dadurch jedoch nicht davon abhalten, die trübe Wahrheit ans Licht zu bringen.

In seinen Psycho- und Horrorthrillern, mit denen er bekannt wurde, variierte Bloch das Thema „Ein bisher unauffälliger Bürger verwandelt sich eines Tages in ein mordendes Monster“, am besten ist ihm dies in seinem Geniestreich ‚Psycho‘ gelungen. Norman Bates, ein dickliches, eigenbrötlerisches Einzelkind mittleren Alters, betreibt mit seiner possessiven Mutter ein kaum mehr frequentiertes Motel im Mittleren Westen und widmet sich am liebsten dem Lesen von Schauergeschichten und dem Ausstopfen von kleinen Tieren. Das Verhängnis beginnt, als die junge, reizvolle Sekretärin Mary Crane sich in einer stürmischen Regennacht ein Zimmer nimmt und Norman sie zum Abendessen einlädt. Zerfressen von Eifersucht, massakriert Mrs Bates das Mädchen mit einem Fleischermesser unter der Dusche – wir kennen die bluttriefende Szene. Und wir wissen auch um Normans tief gespaltene Persönlichkeit, hat er doch seine Mutter vor zwanzig Jahren getötet, exhumiert und einbalsamiert, um jederzeit in ihre Haut schlüpfen zu können. Er lässt Marys Leiche und Wagen in einem Sumpf verschwinden, beseitigt alle Spuren. Als Mary während einer Woche nichts mehr von sich hören lässt, begeben sich ihr Verlobter Sam und ihre jüngere Schwester Lila auf die Suche nach ihr. Kurz danach findet sich auch der Versicherungsermittler Arbogast im Motel ein, denn Mary hat offenbar mit 40’000 Dollar ihres Arbeitgebers das Weite gesucht. Das Netz zieht sich immer enger zusammen, Bates ermordet in seiner Not den Detektiv und verfällt nun endgültig dem Wahnsinn.

Bibliografie:

‚The Scarf‘ – ‚Der seidene Schal‘ (auch unter dem Titel ‚Der Schal‘, 1947), ‚The Will To Kill‘ (1954), ‚The Kidnapper‘ – ‚Die Psychofalle‘ (1954), ‚Spiderweb‘ – ‚Werkzeug des Teufels‘ (1958), ‚The Shooting Star‘ – ‚Ein mysteriöser Tod‘ (auch unter dem Titel ‚Shooting Star‘, 1958), ‚Psycho‘ – ‚Kennwort Psycho‘ (auch unter dem Titel ‚Psycho‘, 1959), ‚The Crowded Earth‘ – ‚Kein Platz auf der Erde‘ (1960), ‚The Dead Beat‘ – ‚Die Saat des Bösen‘ (1960), ‚Firebug‘ – ‚Mit Feuer spiel man nicht‘ (auch unter dem Titel ‚Feuerengel‘, 1961), ‚The Couch‘ – ‚Die Couch‘ (1962), ‚Terror‘ – ‚Amok‘ (1962), ‚It’s All in Your Mind‘ (1971), ‚Night-World‘ – ‚Wahnsinn mit Methode‘ (auch unter dem Titel ‚Nacht im Kopf‘, 1972), ‚American Gothic‘ – ‚Das Haus der Toten‘ (1974), ‚Strange Eons‘ – ‚Cthulhus Rückkehr‘ (1978), ‚There is a Serpent in Eden‘ (auch unter dem Titel ‚The Cunning‘, 1981), ‚Psycho II‘ – ‚Psycho II‘ (1982), ‚The Night of the Ripper‘ – ‚Der Ripper‘ (1987), ‚Lori‘ – ‚Lori‘ (1989), ‚Psycho House‘ – ‚PsychoHaus‘ (1990).

Gemeinsam mit Andre Norton: ‚The Jekyll Legacy‘ – ‚Der Jekylls Erbe‘ (1990).

Als Collier Young‘: ‚The Todd Dossier‘ (1969).