(*1977)

Geboren und aufgewachsen in Brooklyn, New York, als Tochter einer Lektorin/Journalistin und eines Publizisten/60er-Aktivisten, schloss Ivy Pochoda in klassischer griechischer, englischer und amerikanischer Literatur am Harvard College in Cambridge, Massachusetts, und in kreativem Schreiben am Bennington College, Vermont, ab. In dieser Zeit gewann sie ausserdem zahlreiche Titel als Squash-Spielerin (höchste Position in der Weltrangliste Platz 38). 2009 stellte sie das Schreiben in den Mittelpunkt ihres Lebens. Darüber hinaus unterrichtete sie zehn Jahre Schreiben für Obdachlose in Los Angeles. Ihr Werk enthält zwei Krimis und vier andere Romane. Ivy Pochoda war von 2011 bis zur Scheidung 2022 mit dem Filmemacher und Drehbuchautor Justin Nowell verheiratet. Sie lebt mit ihrer 2015 geborenen Tochter Loretta in Los Angeles.

Dreizehn Frauen, vorwiegend dunkelhäutige Prostituierte, wurden vor fünfzehn Jahren entlang der Western Avenue in Los Angeles ermordet, eine weitere Frau, Orphelia „Feelia“ Jefferies, hat den Angriff knapp überlebt. Jetzt ist der Killer zurück, doch die Polizei nimmt den Fall auch dieses Mal nicht ernst – betroffen sind ja bloss marginalisierte Frauen. In ihrem ersten Krimi ‚Diese Frauen‘ verleiht Ivy Pochoda sechs durch die Mordserie miteinander verbundenen Frauen eine Stimme. Neben Feelia sind dies Dorian Williams, die Mutter der Schülerin Lecia, dem einzigen Opfer, das keine Nutte war, Julianna Vargas, die letzte Person, die Lecia lebend gesehen hat, und die jetzt ebenfalls ermordet wird, die junge Künstlerin Marella, die in ihren Werken die Zerbrechlichkeit von Frauen zum Ausdruck bringt, Marellas Mutter Anneke Colvin, Nachbarin der Familie Vargas – sie wurde vor fünfzehn Jahren abgewimmelt, als sie wegen ihres Ehemannes die Polizei anrief -, sowie die zierliche Latina Detective Esmeralda „Essie“ Perry vom LAPD, eine intelligente, mutige Ermittlerin mit traumatischer Vergangenheit. Ivy Pochoda entwickelt daraus einen erschütternden, sprachlich und stilistisch grossartigen Spannungsroman.

‚Sing mit vom Tod‘ – Ivy Pochada bezeichnete den Roman als feministische Version von Cormac McCarthys ‚Blood Meridian – dreht sich um drei gewaltbereite weibliche Charaktere: Florence „Florida“ Baum, Diosmary „Dios“ Sandoval und die vornamenlose Lobos, Detective der Mordkommission des LAPD. Florida, aufgewachsen in einer vornehmen Gegend von Los Angeles, mit fünfzehn auf die schiefe Bahn geraten, verbüsst im Frauengefängnis in Arizona eine mehrjährige Strafe. Hier traf sie vor drei Jahren auf die aus einfachen Verhältnissen kommende hochbegabte, offen gewalttätige Dios. Aufgrund des Covid-Lockdowns werden die beiden vorzeitig freigelassen. Florida reist zurück in ihre Heimatstadt, die sich pandemiebedingt im Ausnahmezustand befindet. Dios verfolgt Florida, um ihr in den Schädel zu hämmern, dass ihre finstere Seite, und nicht besondere Umstände zu den Gewaltausbrüchen geführt hat. Detective Lobos, ein Opfer von häuslicher Gewalt, tritt in Aktion, als die Leiche eines Wärters des Frauengefängnisses aufgefunden wird und ihre Recherchen auf Florida als Täterin weisen. An der Busstation Olympic & Western prallen die drei Frauen in einem irrwitzigen Showdown hart aufeinander.

Im Prolog (und auch später noch gelegentlich) kommt die verurteilte Mörderin Kace zu Wort – sie hatte zwölf Monate mit Florida die Zelle geteilt: „Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen. Sie handelt von zwei Frauen, zwei Frauen in einer Welt von Frauen, die mit der Welt der Männer lange nichts zu tun hatten. Bis eines Tages … Man glaubt nicht, wozu Frauen in der Lage ist. Diese Frauen … Ihr Fehler war, dass sie glaubten, in ihnen würde ein ganz einzigartiger Hass brennen. Etwas Tieferes und Schwärzeres, als wir anderen es empfinden. Ich will Ihnen etwas sagen – im Inneren rasen wir alle auf dieselbe Weise. Der Unterschied besteht darin, wie wir es rauslassen.“

Bibliografie:

‚These Women‘ – ‚Diese Frauen‘ (2020), ‚Sing Her Down‘ – ‚Sing mir vom Tod‘ (2023).