(1925-2013)

Elmore „Dutch“ (Spitzname aus Jugendzeiten) Leonard wurde in New Orleans, Louisiana, als Sohn einer Hausfrau und Hobby-Autorin und eines General-Motors-Vertreters geboren und wuchs in Dallas, Oklahoma City, Memphis und schliesslich, ab 1934, in Detroit, Michigan,  auf, wo er eine Jesuitenschule besuchte. Im Zweiten Weltkrieg diente er bei den legendären „Seabees“ im Südpazifik. Nach seinem Englisch- und Philosophiestudium, das er 1950 an der University of Detroit abschloss, textete er elf Jahre Autoreklame für eine renommierte Detroiter Werbeagentur. In seiner spärlichen Freizeit, von fünf bis sieben Uhr morgens, verfasste er Western-Stories und -Romane, die in Heftchen abgedruckt wurden.

Nachdem Leonard mit ’Hombre’ in den frühen 60ern erstmals eine Western-Erzählung nach Hollywood verkaufen konnte (Martin Ritt führte Regie, Paul Newman spielte die Hauptrolle), gab er seinen ungeliebten Brotberuf auf und wurde Roman- und Drehbuchautor. Sein erster, 1966 verfasster Krimi ’The Big Bounce’ erschien erst drei Jahre später nach über achtzig Ablehnungen. Der internationale Durchbruch folgte 1985 mit ’Glitz’, das grosse Geld begann indes erst Mitte der 90er-Jahre dank den erfolgreichen, wenn auch nicht immer überzeugenden Verfilmungen seiner Bücher zu fliessen.

Elmore Leonard  ist  der coole Meister der unprätentiösen, tiefsinnigen Gaunerkomödie, Polizisten, Privatdetektive und andere Ermittler bekleiden in der Regel nur Nebenrollen. In einzelnen Romanen (etwa ’52 Pick up’ und ’Glitz’) schlägt er jedoch eine härtere Gangart ein. Leonards Stärken – schnörkelloses, multiperspektivisches Erzählen von realistischen, mit schrägen Vögeln bevölkerten Geschichten, scharf geschliffene, aus dem Leben gegriffene Dialoge, verdrehter Witz und knappe Milieuschilderungen – kommen in all seinen Büchern zum Tragen, besonders jedoch in den Meisterwerken ’52 Pick up‘, ‚Wer hat nun wen aufs Kreuz gelegt?‘, ‚Glitz‘, ‚Schnappt Shorty‘ und ‚Alligator‘.

Aus Leonards jüngsten Werken ragt ’Gangsterbraut’ heraus, eine Mischung aus Krimi und Western. Es ist die Geschichte des charismatischen – kaum 20-jährigen – Marshals Carl Webster, Sohn einer Kubanerin und eines Amerikaners mit indianischem Blut, und des schiesswütigen und höchst gefährlichen Bankräubers Jack Belmont, die sich im Oklahoma der 1930er-Jahre, der Zeit der Prohibition, einen atemberaubenden Zweikampf liefern. Webster sorgt in einem weiteren Roman und ein paar Erzähungen für Recht und Ordnung.

Elmore Leonard, der sich seit Anfang der 80er-Jahre einen Rechercheur namens Gregg Sutter leistete, gab bis kurz vor seinem Tod Jahr für Jahr ein Buch heraus. Der Vater von drei Töchtern und zwei Söhnen aus erster Ehe – er war von 1949 bis zur Scheidung 1977 mit Beverly Cline, von 1979 bis zu ihrem Tod 1993 mit Joan Lancaster und von 1993 bis zur Scheidung 2012 mit Christine Kent verheiratet – starb 87-jährig in seinem Haus in Bloomfield Village, einem Detroiter Vorort, an den Folgen eines Hirnschlags. Während er in den USA seit Jahren als Schöpfer von erstklassiger Spannungsliteratur verehrt wird, gilt er im deutschsprachigen Raum noch immer als Geheimtyp.

Im Jahr 2000 stellte Leonard in der ‚New York Times‘ seine „10 Rules of Writing“ zusammen, deren gedruckte, kommentierte und hübsch illustrierte Version in einem 96-Seiten-Büchlein erhältlich ist – und die jeder Autor verinnerlichen sollte. „Fangen Sie ein Buch nie mit dem Wetter an“, „Vermeiden Sie Prologe“ und „Verwenden Sie nie ein anderen Verb als „sagen“, wenn Sie Dialog schreiben“ sind die drei wichtigsten Regeln. Oder, kurz und bündig, „Wenn es wie geschrieben klingt, scheibe ich es neu“.

Bibliografie (nur Krimis):

‚The Big Bounce‘ – ‚The Big Bounce‘ (auch unter dem Titel ‚Ein schlechter Abgang‘, 1969), ‚The Moonshine War‘ – ‚Schwarzer Schnaps und blaue Bohnen‘ (1969), ‚Mr- Majestyk‘ – ‚Mr. Majestyk‘ (1974), ‚52 Pickup‘ – ’52 Pick-Up‘ (auch unter dem Titel ‚Sein letztes Angebot‘, 1974), ‚Swag‘ (auch unter dem Titel ‚Ryan’s Rules‘) – ‚Beute‘ (auch unter dem Titel ‚Dies ist ein Überfall‘, 1976), ‚Unknown Man No. 89‘ – ‚Nr. 89 – Unbekannt‘ (1977), ‚The Hunted‘ – ‚Die Gejagten‘ (auch unter dem Titel ‚Rosen in Israel‘ (1977), ‚The Switch‘ – ‚Wer hat nun wen aufs Kreuz gelegt?‘ (1978), ‚City Primeval‘ – ‚Entscheidung in Detroit‘ (auch unter dem Titel ‚High Noon in Detroit‘, 1980), ‚Gold Coast‘ – ‚Die Mafia-Erbin‘ (1980), ‚Split Images‘ – ‚Ohne Beweise‘ (1981), ‚Cat Caser‘ – ‚Florida-Fieber‘ (1982), ‚Stick‘ – ‚Stick‘ (auch unter dem Titel ‚Sie nannten ihn Stick‘, 1983), ‚LaBrava‘ – ‚LaBrava‘ (1983), ‚Glitz‘ – ‚Glitz‘ (1985), ‚Bandits‘ – ‚Banditen‘ (1987), ‚Touch‘ – ‚Blutsmale‘ (1987), ‚Freaky Deaky‘ – ‚Freaky Deaky‘ (1988), ‚Killshot‘ – ‚Beruf: Killer‘ (auch unter dem Titel ’Killshot’, 1989), ‚Maximum Bob‘ – ‚Alligator‘ (1991), ‚Rum Punch‘ – ‚Jackie Brown‘ (1992), ‚Out of Sight‘ – ‚Zuckerschnute‘ (auch unter dem Titel ‚Out of Sight‘, 1996), ‚Pagan Babies‘ – ‚Heidengeld‘ (2000), ‚Tishomingo Blues‘ – ‚Spring oder stirb‘ (2002), ‚Mr. Paradise‘ – ’Callgirls’ (2004), ‚Road Dogs‘ – ‚Road Dogs (2009), ‚Djibouti‘ – ‚Dschibuti‘ (2010);

Chili Palmer-Romane: ‚Get Shorty‘ – ‚Schnappt Shorty‘ (1990), ‚Be Cool‘ – ‚Schnappt Chili‘ (1999);

Raylan Givens-Romane: ‚Pronto‘ – ‚Jede Wette‘ (1993), ‚Riding the Rap‘ – ‚Volles Risiko‘ (1995), ‚Raylan‘ – ‚Raylan‘ (2012);

Carl Webster-Romane: ‚The Hot Kid‘ – ’Gangsterbraut’ (2005), ‚Up in Honey’s Room‘ (2007).