(1945)

Robert T. Westbrook wurde als Sohn der berühmten britischen Kolumnistin Sheilah Graham und eines Industriellen in New York City geboren und wuchs mit seiner älteren Schwester Wendy in Los Angeles und anschliessend in seiner Geburtsstadt auf, wo er am Columbia College studierte. Nach längerem Aufenthalt in Polen, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei im Rahmen eines Austauschprogramms veröffentlichte er 1963 das Tagebuch ‚Journey Behind the Iron Curtain‘. Sein Studium am Columbia College (1967-70) inspirierte ihn zu dem semibiografischen Roman ‚The Magic Garden of Stanley Sweetheart‘ über die Hippiekultur in den USA, für dessen offenbar miserabler Verfilmung er das Drehbuch schrieb.

Daraufhin war Westbrook lange Jahre als Jazzpianist in Nordkalifornien unterwegs, bis er 1986, während er mit seiner Frau Gail Obrecht und den drei Söhnen auf Hawaii lebte, den ersten Band der Left-Handed Policeman-Trilogie herausgab. Als seine Mutter 1988 starb, brach er einen längeren Aufenthalt auf Kreta ab, um in seiner Heimat ihre Lebensgeschichte zu schreiben, mit Schwerpunkt auf ihrer Romanze mit dem 1940 gestorbenen Autor Francis Scott Fitzgerald, an dessen Seite sie die letzten drei Jahre seines Lebens verbracht hatte. Das Buch erschien 1995 unter dem Titel ‚Intimate Lies‘ und wurde erfolgreich verfilmt. 1991 liess er sich mit seiner Frau in Taos, New Mexico, nieder und brachte die neunteilige (nicht ins Deutsche übersetzte) Howard Moon Deer-Serie zu Papier. Es folgten der zusammen mit dem Journalisten Jack Anderson verfasste Thriller ‚The Saudi Connection‘ und mehrere Novellisationen von Drehbüchern. Darüber hinaus arbeitete er als Englischlehrer in Ägypten und China und leitete Workshops zum Krimischreiben in Chatham, Massachusetts, und Taos, New Mexico.

Im Mittelpunkt der Left-Handed Policeman-Krimis steht der russischstämmige Ex-Hippie Lieutenant Nicky Rachmaninoff, Leiter der Mordkommission Beverly Hills, geschiedener Vater der zwölfjährigen Tanya, ein begabter Pianist mit dominanter linker Hand. Ein smarter Bursche, der immer für eine sarkastische Bemerkung gut ist. Ergänzt wird er durch seinen Assistenten und Kumpel Sergeant Charlie Katz und den für Bürodienste verantwortlichen Officer Theo Oshimoto. Ihr grosser Stolz ist ein blauer Chevrolet Impala Baujahr 1959, den Charlie gründlich überholt und mit Extras ausgerüstet hat: Modernes Multikanal-Autotelefon, unter den Sitzen zwei Schnellfeuergewehre, eine Schrottflinte, Tränengasgranaten, Gasmasken und Munition, im Kofferraum ein illegales vollautomatisches Sturmgewehr und zwei Kühlboxen, ferner eine Blaupunkt-Anlage mit vier Lautsprechern und Equalizer-Ausrüstung.

Im zweiten Band ‚Nostalgie kann töten‘ (Bastei Lübbe, Übersetzung und aufschlussreiches Nachwort durch Sky Nonhoff, Lektorat durch Martin Compart) hat Nicky einen Fall, der, wie sich bald zeigt, eng mit der Vergangenheit verknüpft ist: mit dem Jahr 1970, als die (Jim Morrison nachgezeichnete) Rockikone Billy Lion, Frontmann der Band ‚The Perceptions‘, in Rom in einer Badewanne unter unklaren Umständen ertrank. Bindeglied ist die Ermordung des Video-Diskjockeys Jay Jeffries, damals Schlagzeuger der ‚Perceptions‘, der jetzt mit abgeschnittenen Genitalien in seiner Luxuswohnung in Beverly Hills aufgefunden wird. Als weitere Personen aus dem engeren Kreis der ‚Perceptions‘ gewaltsam ums Leben kommen und die drei übriggebliebenen Musiker Drohbriefe von einer mysteriösen Gestalt, die sich „The Ghost of Rock ’n‘ Roll“ nennt, erhalten, schaltet sich das FBI ein, doch Nicky lässt sich nicht beirren, geht seinen eigenen Weg – bis zum wahnwitzigen Showdown anlässlich der Verleihung der Grammy Awards im Shrine Auditorium. In lakonisch-ironischem Stil schildert Westbrook, wie das organisierte Verbrechen nach Hollywood kam und würzt den geschickt geplotteten, von originellem, scharf gezeichnetem Personal bevölkerten Polizeiroman mit klugen Verweisen auf den Rock ’n‘ Roll der wilden Sechziger, aber auch auf den Rock ’n‘ Roll der Achtziger, der in ein „profitables Spekulationsobjekt für die Mafia“ umgewandelt worden war.

Bibliografie (ohne Novellisationen von Drehbüchern):

Left-Handed Policeman-Trilogie: The Left-Handed Policeman‘ – ‚Der linkshändige Polizist‘ (1985), ‚Nostalgia Kills‘ – ‚Nostalgie kann töten‘ (1987), ‚Lady Left‘ (1991);

Howard Moon Deer-Serie: ‚Ghost Dancer‘ (1998), ‚Warrior Circle‘ (1999), ‚Red Moon‘ (2000), ‚Ancient Enemy‘ (2001), ‚Turquoise Lady‘ (2019), ‚Hungry Ghost‘ (2021), ‚Walking Rain‘ (2022), ‚Eagle Falls‘ (2023);

Standalone: ‚The Rich Kid‘ (1992).

Gemeinsam mit Jack Anderson: ‚The Saudi Connection‘ (2006).