(Pseudonym für Edgar Rai, 1967; schreibt auch als Leon Morell und Moritz Matthies)
Edgar Rai, geboren im hessischen Hinterland, studierte Musikwissenschaften und Anglistik in Marburg und Berlin. Von 2003 bis 2008 war er Dozent für kreatives Schreiben an der Freien Universität Berlin. Seit 2001 arbeitet er hauptberuflich als Übersetzer aus dem Englischen und Autor von Romanen, Filmskripts und Sachbüchern. Der literarische Durchbruch gelang ihm 2010 mit dem Bestseller ‚Nächsten Sommer‘. Rai lebt mit seiner Frau, der Übersetzerin Amelie Thoma, und den gemeinsamen drei Kindern in Berlin. Seit 2012 ist er Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai im Stadtteil Berlin-Pankow. Im Krimigenre debütierte er 2017 mit der Krimikomödie ‚Tote haben keine Freunde‘, dem ersten Band der gemeinsam mit Hans Rath verfassten Bullenbrüder-Trilogie. Unter dem zunächst ungelüfteten Pseudonym Kim Koplin veröffentlichte er zuletzt zwei preisgekrönte Thriller – die „Berliner Schattenweilt-Romane“.
Die furchtlose, heissblütige, aus Aserbaidschan stammende Kommissar-Anwärterin Nihal Khigarian, ältere Schwester des Rumtreibers Jamie, eine talentierte Boxerin, arbeitet seit kurzem bei der Berliner Kriminalpolizei. Zufällig trifft sie an einer S-Bahn-Station auf Saad und dessen vierjährige Tochter Leila, als sie von Hooligans belästigt werden, und hilft ihnen aus der Bredouille. Saan, der in Marseille mit Drogen handelte und dabei einer gefährlichen Bande in die Quere kam, flüchtete nach dem gewaltsamen Tod seiner Lebensgefährtin nach Berlin. In steter Angst, von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden, schlägt er sich als Nachtwächter in einem verlotterten Parkhaus durch. Seine Lage spitzt sich zu, als er bei einem aus dem Ruder laufenden Drogendeal, an der auch der durchgeknallte Staatssekretär Brasch teilhat, zwei Männer umbringt und eine der Leichen in Braschs Kofferraum verstaut. Die atemlose, aus schnell wechselnden Perspektiven erzählte Geschichte führt zu einem Showdown in der Hanfplantage von Saads geschäftstüchtigem Kumpel Mohammed, die dieser auf dem Dach des Parkhauses betreibt. Viel Raum schenkt der stilistisch begabte – mit prägnanter Figurenzeichnung und knackigen, mehrheitlich im Strassenjargon geführten Dialogen glänzende – Autor der rührenden Beziehung zwischen Nihal, Leila und Saad. Eine junge Enthüllungsjournalistin, ein deutscher Waffenhändler und seine saudische Kundschaft komplettieren das Tableau.
Nihal Khigarians Bilanz nach dem ersten Roman: „Die Wut, die in ihr aufsteigt, geht in zwei Richtungen. Zum einen zielt sie auf Saad. Die grösste Enttäuschung ihres Lebens. Macht die ganze Zeit auf ahnungslos, hängt aber in Wahrheit voll mit drin. Fuck you, Saad… Zum anderen ist Nihals Wut gegen sie selbst gerichtet. Was hast du gedacht? Dass jemand, der auf einem Parkhaus in einer Cannabisplantage Leichen zersägt, ein Unschuldslamm ist? Nur weil er die krassesten brauen Augen hat, in die du je hineingeplumpst bist? Echt? So naiv bist du dämliche Bitch?“
Auch im Nachfolgeroman ‚Die Toten von Morgen‘ hat Nihal hart zu beissen: Ihr krebskranker Vater liegt im Sterben und ihr nichtsnutziger Bruder sitzt wegen bewaffneten Raubüberfalls, bei dem er mit Nihals Dienstwaffe einen Polizisten verletzte, im Knast, als ihr On-Off-Partner Saad mit Leila, die sie wie eine Tochter liebt, wieder in Berlin auftaucht, nachdem er die Stadt infolge der Geschehnisse im Parkhaus vor einigen Monaten verlassen hatte. Auch ihr aktueller Fall hat es in sich: Ein junger Afghane wird tot unter einer Brücke aufgefunden – Hinrichtung durch Kopfschuss; keine Papiere, kein Handy; teure Kleidung, Luxusuhr am Handgelenk. Kurz danach geschieht ein zweiter Mord nach demselben Muster, diesmal trifft es einen Nigerianer. Bei ihren Ermittlungen gerät die angehende Kommissarin in einen unübersichtlichen Bandenkrieg zwischen der alteingesessenen Organisation von King Charles, alias „Nuttenkönig von Charlottenburg“ und einer Drogenmafia aus Marseille, die in den Berliner Markt drängt – es ist die Organisation, der Saad angehörte, bis er sich nach Deutschland absetzte. Getragen wird die Erzählung auch diesmal von Nihal und Saad, mit Saads charmanter, frühreifer Tochter mittendrin.
Bibliografie (nur Kriminalromane):
Als Edgar Rai (gemeinsam mit Hans Rath):
Bullenbrüder-Trilogie: ‚Tote haben keine Freunde (2017), ‚Tote haben kalte Füsse‘ (2018), ‚Tote haben keine Ferien‘ (2019).
Als Kim Koplin:
Berliner Schattenwelt-Romane: ‚Die Guten und die Toten‘ (2023), ‚Die Toten von Morgen‘ (2026).