(Kürzel für Theodore Edward Le Bouthillier Allbeury, 1917-2005; schrieb auch als Richard Butler und Patrick Kelly)

Ted Allbeury wurde in der nordwestenglischen Stadt Stockport, Cheshire, als Spross einer proletarischen Familie geboren, sein Vater starb, als er fünf war. Die Mutter zog daraufhin mit Ted und seiner Schwester nach Birmingham, später nach Ilford, Essex, wo er die Primarschule absolvierte. Zurück in Birmingham, besuchte er die King Edward’s Grammar School im Stadtteil Aston. Nach Abschluss der Schule arbeitete er in einer Eisengiesserei und bildete sich in Abendkursen zum technischen Zeichner und Konstrukteur aus.

1940 wurde Allbeury vom britischen Geheimdienst rekrutiert – das Anstellungsgespräch fand offenbar in einem Coiffeurladen am Trafalgar Square statt. Während des Krieges diente er für die Organisation ‚Special Operations Executive‘ (SOE) in verschiedenen afrikanischen Ländern und Italien und stieg bis zum Lieutenant Colonel auf. Danach war er bis 1947 für die Besatzungsbehörden in Deutschland stationiert, wo er inhaftierte Nazis verhörte.

In der Nachkriegszeit betätigte er sich zunächst vornehmlich in der Werbebranche, später als Farmer und Hundezüchter auf der Isle of Oxney in Kent sowie, von 1965 bis 1967, als Leiter des sehr populären Piratensenders ‚Radio 390‘; dann bis 1981 wieder in der Werbung. Nach einem Schicksalsschlag – im November 1970 wurde seine vierjährige Tochter Kerry auf mysteriöse Weise entführt – begann er zu schreiben, um sich ein wenig von seiner Trauer abzulenken. (Zu dieser Entführung existieren recht widersprüchliche Versionen: Es ist auch von zwei entführten Töchtern die Rede, und Allbeury soll sie nach vielen Jahren in Lateinamerika aufgespürt und befreit haben; nach anderen Quellen, die nur ein Entführungsopfer aufführen, ist dieses 1985 überraschend wieder in England aufgetaucht; die wahrscheinlichste Erklärung aber scheint zu sein, dass Kerry von ihrer Mutter mitgenommen wurde.)

Mit 56 Jahren, 1973, veröffentlichte Allbeury sein erstes Buch und schrieb dann innert 30 Jahren gegen 50 Spannungsromane – fast nur Einzelwerke (Ausnahme: Die Trilogie um den polnisch-englischen SIS-Agenten Tad Anders), die sich teils mit dem Zweiten Weltkrieg, teils mit dem Kalten Krieg auseinandersetzen. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Hörspiele, die Geschichtensammlung ‚Other Kinds of Treason‘ und den nicht dem Krimigenre zuzurechnenden Roman ‚Choice‘ (‚Wer die Liebe wählt‘). Die ursprünglich mit den Pseudonymen Richard Butler und Patrick Kelly gezeichneten Titel wurden später unter dem Namen Ted Allbeury wieder aufgelegt.

Der mehrmals verheiratete, bis ins hohe Alter äusserst produktive Autor verbrachte das letzte Drittel seines Lebens mit seiner grossen Liebe Grazyna Felinska, mit der er von 1974 bis zu ihrem Tod 1999 verheiratet war, in Turnbridge Wells, Kent, wo er 88-jährig starb. Er hinterliess vier Kinder, David, Kerry, Lisa und Sally.

Nachdem Allbeury in seinen ersten Büchern noch als recht grobschlächtiger „Kommunistenfresser“ aufgetreten war, wurde seine Betrachtungsweise in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre allmählich differenzierter, indem er nun auch Englands politische Führung einer kritischen Betrachtung unterzog. Seine am höchsten eingestuften Politthriller stammen aus den späten 70er- und frühen 80er-Jahren: ‚Vergangenheit ist nie zu Ende‘, eine autobiografisch gefärbte, um Einsätze der SOE im besetzten Frankreich kreisende Geschichte; ‚Am Rande der Einsamkeit‘, ein Roman über Verrat und Loyalität, in dem der einsame, tragische Held James Harmer im Jahr 1944 eine Résistence-Gruppe überwachen soll, von der man glaubt, sie sei von der Gestapo infiltriert; ‚Die andere Seite des Schweigens‘, die zwischen Fakten und Fiktion pendelnde Geschichte des berühmt-berüchtigten Spionageabwehrchefs Kim Philby – war Philby gar ein Tripelagent? wusste er überhaupt noch, für wen er arbeitete, und wen er verriet?; und ‚Jeder Spion hat seinen Preis‘, in dem der skrupellose CIA-Psychiater Tony Symons junge Männer (z.B. Lee Harvey Oswald und Shirhan Sirhan, die Mörder der Kennedy-Brüder) zu Mordmaschinen programmiert.

Bibliografie:

‚A Choice of Enemies‘ – ‚Agenten sind treue Feinde‘ (1973), ‚The Special Collection‘ – ‚Unternehmen Sonderkollekte‘ (1975), ‚The Only Good German‘ (auch unter dem Titel ‚Mission Berlin‘) – ‚Ein nützlicher Deutscher‘ (1976), ‚Moscow Quadrille‘ – ‚Quadrille mit tödlichem Ausgang‘ (1976), ‚The Man with the President’s Mind‘ – ‚Phantomhirn für den Präsidenten‘ (1977), ‚The Lantern Network‘ – ‚Vergangenheit ist nie zu Ende‘ (1978), ‚The Alpha List‘ – ‚Die Alpha-Liste‘ (1979), ‚Consequence of Fear‘ (auch unter dem Titel ‚Smokescreen‘) – ‚Die Saat der Angst‘ (1979), ‚The Twentieth Day of January‘ – ‚In der Hand des Kreml‘ (1980), ‚The Reaper‘ (auch unter dem Titel ‚The Stalking Angel‘) – ‚Die Rächerin‘ (1980), ‚The Other Side of Silence‘ – ‚Die andere Seite des Schweigens‘ (1981), ‚The Secret Whispers‘ – ‚Seitenwechsel‘ (1981), ‚All Our Tomorrows‘ – ‚Und morgen die Zukunft‘ (1982), ‚Shadow of Shadows‘ – ‚Schatten der Spione‘ (1982), ‚Pay Any Price‘ – ‚Jeder Spion hat seinen Preis‘ (1983), ‚The Girl from Addis‘ – ‚Das Mädchen von Addis‘ (1984), ‚No Place to Hide‘ – ‚Rennie‘ (1984), ‚Children of Tender Years‘ – ‚Kinder der Geborgenheit‘ (1985), ‚The Seeds of Treason‘ – ‚Saat des Verrats‘ (1986), ‚The Crossing‘ (auch unter dem Titel ‚Berlin Exchange‘ – ‚Bauernopfer‘ (1987), ‚A Wilderness of Mirrors‘ – ‚Spiegelverkehrt‘ (1988), ‚Deep Purple‘ – ‚Geheimcode Deep Purple‘ (1989), ‚A Time Without Shadows‘ (auch unter dem Titel ‚Rules oft he Game‘) – ‚Zeit ohne Schatten‘ (1990), ‚The Dangerous Edge‘ – ‚Drecksarbeit‘ (1991), ‚Show Me a Hero‘ – ‚Ein echter Amerikaner‘ (1992), ‚The Line-Crosser‘ – ‚Grenzgänger‘ (1993), ‚As Time Goes by‘ (1994), ‚Beyond the Silence‘ (1995), ‚The Long Run‘ (1996), ‚Aid and Comfort‘ (1997), ‚Shadow of a ‚Doubt‘ (1998), ‚The Reckoning‘ (1999), ‚Never Look Back‘ (2000), ‚The Assets‘ (2000), ‚Cold Tactics‘ (2001), ‚The Networks‘ (2002), ‚Special Forces‘ (2002), ‚Due Process‘ (2003), ‚Hostage‘ (2004), ‚Dangerous Arrivals‘ (2007), ‚Deadley Departures‘ (2007), ‚The Spirit of Liberty‘ (2007);

Tad Anders-Romane: ‚Snowball‘ – ‚Operation Schneeball‘ (1974), ‚Palomino Blonde‘ (auch unter dem Titel ‚Omega-minus‘) – ‚Der Omega-Minus-Prozess‘ (1975), ‚The Judas Factor‘ – ‚Der Judas-Faktor‘ (1984).

Als Richard Butler: ‚Where All the Girls Are Sweeter‘ – ‚Wer die Nachtigall schiesst‘ (1975), ‚Italian Assets‘ – ‚Risiko an der Riviera‘ (1976).

Als Patrick Kelly: ‚The Lonely Margins‘ – ‚Am Rande der Einsamkeit‘ (1981), ‚Codeword Cromwell‘ – ‚Codewort Cromwell‘ (1980).