(1955-2000)

Günter Brödl wurde in Wien geboren und wuchs auch dort auf. Nach sieben Jahren verliess er das Gymnasium, arbeitete in einem Büro und veröffentlichte seine ersten – von der angloamerikanischen Rockmusik geprägten – Texte in den Weg weisenden Zeitschriften ‚Neue Wege‘ und ‚Wespennest‘. 1975 erschien sein erstes Buch ‚Der kühle Kopf. Zwei flüchtige Erzählungen‘. In den folgenden Jahren erreichte er als Moderator der legendären Ö3-Sendung ‚Musicbox‘ ein grosses Publikum.

Brödl war jedoch nicht nur ein profilierter Musikjournalist, sondern auch Roman-, Theater- und Drehbuchautor, Übersetzer (unter anderem übertrug er zwei Asterix-Folgen ins Wienerische), Song- und Comic-Texter – und der geistige Vater der später durch den Rockmusiker Willi Resetarits verkörperten musikalisch-literarischen Kunstfigur Kurt Ostbahn („Ostbahn Kurti“), der er eine ganze Biografie andichtete, sowie der „Trainer“ (Beleuchter, Texter, Berater und Seelenmasseur) der Kultcombo ‚Ostbahn Kurti & die Chefpartie‘. Als Vater von zwei Töchtern lebte er abwechselnd auf der Atlantikinsel Teneriffa und in Wien-Fünfhaus, wo er 45-jährig in seiner Wohnung einen plötzlichen Herztod erlitt.

Der Rockmusikfachmann Dr. Kurt Ostbahn und seine trinkfesten, kriminalistisch versierten Kumpel „Trainer“ und „Doc Trash“ sind die Hauptfiguren in Günter Brödls schrägen, mit Dialektausdrücken und Schmäh durchsetzten (und jeweils mit einem kleinen Glossar für Nicht-Wiener abgerundeten) Wiener-Trashkrimis, die mit haarsträubenden Plots aufwarten. So werden im schaurigen (durch Thomas Roth nach Brödls Drehbuch verfilmten) Romanerstling ‚Blutrausch‘ dem Jungspund Wickerl – Bassist der Heavy Metal-Band ‚Mom & Dead‘, schwarzlila gefärbtes Haar – der Körper aufgeschlitzt und das Herz entfernt, nachdem er kistenweise Raubkopien des neuen Whitney Houston-Albums samt Videomaterial entwendet hat – der Auftakt zu einer alkoholschwangeren und blutrünstigen, durch saftige Liebesszenen nur marginal aufgelockerten Geschichte mit wüstem Finale.

Eine tragende Rolle spielt stets auch Herr Josef, der Wirt des Cafés Rallye (Kurtis Stammbeiz), ein gesprächiger, grosszügig alkoholische Getränke ausschenkender Mann im mittleren Alter mit farbenfroher Vergangenheit als Motorradrennfahrer und Teilnehmer der Rallye Paris-Dakar und, wie man immer wieder hören muss, als Fremdenlegionär in Schwarzafrika. Und auch Rudolfsheim-Fünfhaus, der 15. Wiener Gemeindebezirk, in dem Brödls Erzählungen ihren Mittelpunkt haben, kommt vorzüglich zur Geltung.

Der fünfte Ostbahn-Roman ‚Peepshow‘, den Günter Brödl zusammen mit dem Wiener Publizisten Peter Hiess verfasste, wurde zuerst in gekürzter Form unter dem Titel ‚Das Geheimnis der toten Tänzerin‘ als Fortsetzungsgeschichte in der Zeitschrift ‚Wiener‘ abgedruckt. Der Untertitel ‚Trainer & Trash ermitteln‘ weist bereits darauf hin: Kurt Ostbahn glänzt hier über weite Strecken durch Abwesenheit (er lässt es sich in New Orleans gut gehen), während seine Assistenten Doc Trash und der Trainer in einen üblen Mordfall verwickelt werden – ein veritables „Locked Room Mystery“ mit der Drehbühne eines Peepshow-Clubs als Ort des Verbrechens, einer gemeinsamen Bekannten, der Peepshow-Tänzerin Rikki, als Opfer und Kurt Ostbahns Intimfeind Kommissar Skocik als Ermittler. Beziehungsweise, in den Worten des Trainers: „A blede Gschicht, Kurtl“.

Bibliografie:
Kurt Ostbahn-Serie: ‚Blutrausch‘ (1995), ‚Hitzschlag‘ (1996), ‚Platzangst‘ (1997), ‚Kopfschuss‘ (1999), ‚Peep-Show‘ (gemeinsam mit Peter Hiess, 2000), ‚Schneeblind‘ (2002).

++ Erstellt: August 2013 ++