(*1967)
Geboren in der nigerianischen Stadt Kaltungo, dem heutigen Gombe, wuchs Helon Habila dort als drittes von acht Kindern einer Näherin und eines Predigers auf. 1995 machte er einen Bachelor-Abschluss in Englisch an der University of Jos, Zentralnigeria. 1997 veröffentlichte er eine Biografie des Häuptlings seines Heimatorts. 1999 ging er nach Lagos, um als Literaturredakteur für das Magazin ‚Hints‘ und die Tageszeitung ‚Vanguard‘ zu arbeiten. 2000 kam sein Erzählband ‚Prison Stories‘ heraus. Unterbrochen durch längere Aufenthalte in New York City und der englischen Stadt Norwich, lebt er seit 2001 mit seiner Frau Susan und ihren drei Kindern, Edna, Adam und Sharon, in Fairfax, Virginia, wo er Creative Writing an der George Mason University unterrichtet und in seiner Freizeit Romane und Kurzgeschichten verfasst.
Sein bekanntester Roman ‚Oil on Water‘ ist 2012 unter dem Titel ‚Öl auf Wasser‘ in dem unabhängigen, auf zeitgenössische afrikanische Literatur spezialisierten Verlag Wunderhorn (Heidelberg) herausgekommen. Angesiedelt in der Umgebung der südnigerianischen Dreimillionenstadt Port Harcour, der Metropole des durch multinationale Petrolkonzerne ausgebeuteten und vergifteten Nigerdeltas, handelt von der Entführung der weissen Frau eines hochrangigen britischen Ölingenieurs. Zwei afrikanische Journalisten, der junge Ich-Erzähler Rufus und sein Idol, der versoffene und schwer kranke einstige Starreporter Zaq, sollen über ihr Schicksal berichten. Offenbar haben einheimische Rebellen sie als Geisel genommen, um mit dem Lösegeld die Umwelt vor den geldgierigen, durch Regierung, Polizei und Armee protegierten Multis zu schützen, doch Rufus‘ Recherchen ergeben ein anderes Bild: das einer zusammengewürfelten Truppe, die nicht nur aus idealistischen Aktivisten, sondern auch aus Berufskillern und anderem geldgierigem Gelichter besteht. Auf seiner „Reise ins Herz der Finsternis“ durchquert Rufus eine zerstörte, gesetzlose Region, doch ganz am Schluss keimt ein Hauch von Hoffnung auf. ‚Öl auf Wasser‘: eine beklemmende, mit Rückblenden durchsetzte Mischung aus Umweltdrama, Politroman, apokalyptischem Thriller und Coming-of-Age-Geschichte, erzählt in einer sinnlich-poetischen Sprache. Ein erstklassiges Leseerlebnis.
Bibliografie:
‚Oil on Water‘ – ‚Öl auf Wasser‘ (2010).
Der Besprechung von „Öl auf Wasser“ ist nichts hinzuzufügen: Die Korrumpierung ganzer Gesellschaften durch die unproduktive Petrodollar-Ökonomie (eine Renten-Ökonomie) habe ich selber im Irak erlebt. Das Land, seine Bevölkerung und die für Demokratie kämpfenden Journalisten müssen die Macht der Petrodollars hinnehmen. Ohne sie überhaupt beim Namen zu nennen, wird das in diesem Roman subtil, literarisch erfahrbar. Der Leser wird, obwohl er die überall im Öl sterbende Natur und die Landflucht der Fischerdorfgemeinschaften hautnah zu ertragen hat, stets von dem Roman erzählerisch festgehalten – durch die immer wieder aufkeimende Hoffnung der Liebesgeschichten und die „sinnlich-poetische Sprache. Ein erstklassiges Leseerlebenis.“
Warum soll Helon Habila noch mehr Romane darüber schreiben? Er hat in dem einen alles gesagt.