(1947-2007)

Magdalen Nabb, geborene Nuttall, kam in Church, einem kleinen Dorf in der englischen Grafschaft Lancashire, als mittlere von drei Töchtern zur Welt. Mit dreizehn Vollwaise geworden, wuchs sie bei einer Tante in dem Nachbarort Ramsbottom auf. Sie absolvierte die Kunsthochschule in Manchester und unterrichtete danach Kunst und Töpferei an einer nahe gelegenen Schule. Ihre Ehe, der ein Sohn namens Liam entsprang, war von kurzer Dauer. Nach der Scheidung liess sie sich 1975 mit Liam in ihrer Wahlheimat Florenz nieder, wo sie zunächst als Töpferin arbeitete und einige Jahre Kuratorin des Museums Casa Guidi war. Gefördert und unterstützt durch ihren langjährigen Brieffreund Georges Simenon, machte sie 1980 das Schreiben zu ihrem Hauptberuf. Sie verfasste Kinder- und Jugendbücher, Krimis, ein Hörspiel und Zeitungsartikel. Magdalen Nabb, eine sozialkritische, in der Toscana sehr beliebte Frau mit einem grossen Herz für Flüchtlingskinder und Tiere, starb 60-jährig in Florenz an einem Hirnschlag.

In ihrer charmanten, unaufgeregten, vierzehn Romane umfassenden Serie um Maresciallo Salvatore Guarnaccia vom florentinischen Carabinieri-Revier im Palazzo Pitti berichtet Magdalen Nabb mit feiner Ironie von den kniffligen – zumeist auf wahren Verbrechen beruhenden – Kriminalfällen, denen der liebenswert-knorrige, aus einfachen Verhältnissen kommende Sizilianer in der toskanischen Renaissance-Stadt hartnäckig und instinktsicher auf den Grund geht; dieser bescheidene, nachdenkliche, bei seiner Arbeit immer wieder von Mitleid ergriffene Familienmensch, der vor Selbstzweifeln und Schuldgefühlen nicht gefeit ist. Er hat viele Jahre allein in Florenz gelebt, bis seine fürsorgliche Fau Teresa und die beiden Söhne Giovanni und Toto Sizilien zu ihm ziehen konnten. Guarnaccias Familie spielt in den meisten Büchern jedoch keine grosse Rolle.

Den Gipfel ihres literarischen Schaffens erklomm die Autorin in ihrem letzten Roman ‚Vita Nuova‘. Salva Guarnaccia steckt in einer Lebenskrise, möchte am liebsten den Bettel hinschmeissen, denn seine Frau ist in Sizilien, um seine krebskranke Schwester zu unterstützen, während er für seine Familie bei brütender Hitze eine neue Wohnung suchen soll – und gerade jetzt einen besonders gefährlichen Fall zu lösen hat. Seine Gegenspieler sind der teuflische Verbrecher Signor Paoletti, ein ehemaliger Zuhälter, dessen ältere Tochter in ihrem Schlafzimmer erschossen wurde, und der korrupte Staatsanwalt Fulvio de Vita, zwei einflussreiche Männer, die, wie sich zeigt, unter einer Decke stecken. Auf der Basis eines grauenvollen Familiengeflechts, getarnt als Stellenvermittlungs-Unternehmen, ist es Paoletti gelungen, ein undurchdringliches Netz aus Menschenhandel, Zwangsprostitution, Kindesmissbrauch, Erpressung und jeder Art von Gewalt zu weben und damit ein riesiges Vermögen anzuhäufen – bis ihm Guarnaccia und sein Freund Nesti, ein gefürchteter Enthüllungsjournalist, auf die Schliche kommen.

Bibliografie:

Maresciallo Guarnaccia-Serie: ‚Death of an Englishman‘ – ‚Tod eines Engländers‘ (1981), ‚Death of a Dutchman – ‚Tod eines Holländers‘ (1982), ‚Death in Springtime‘ – ‚Tod im Frühling‘ (1983), ‚Death in Autumn‘ – ‚Tod im Herbst‘ (1985), ‚The Marshal and the Murderer‘ – ‚Tod in Florenz‘ (1987), ‚The Marshal and the Madwoman‘ – ‚Tod einer Verrückten‘ (1988), ‚The Marshal’s Own Case‘ – ‚Tod einer Queen‘ (1990), ‚The Marshal Makes His Report‘ – ‚Tod im Palazzo‘ (1991), The Marshal at the Villa Torrini‘ – ‚Geburtstag in Florenz‘ (1993), ‚The Monster of Florence‘ – ‚Das Ungeheuer von Florenz‘ (1996), ‚Property of Blood‘ – ‚Alta Moda‘ (1999), ‚Some Bitter Taste‘ – ’Nachtblüten‘ (2002), ‚The Innocent‘ – ’Eine Japanerin in Florenz’ (2005), ‚Vita Nuova‘ – ‚Vita Nuova‘ (2008).

Einzelwerke: ‚Prosecutor‘ – ‚Terror‘ (gemeinsam mit Paolo Vagheggi, 1986), ‚Cosimo‘ – ‚Cosimo‘ (2004).