(1929-2007)

Ira Marvin Levin, geboren und aufgewachsen in Manhattan als Sohn eines jüdischen Spielzeughändlers, studierte an der Drake University in Des Moines, Iowa, und der New York University mit Abschlüssen in Englisch und Philosophie. Nach drei Jahren bei der Army kehrte er nach New York zurück und rückte das Schreiben in den Mittelpunkt seines Lebens. Die 1960 mit Gabrielle Aronsohn geschlossene Ehe wurde nach acht Jahren geschieden, eine weitere Ehe hatte nur zwei Jahre Bestand.

Levins Werk enthält zehn Bühnenstücke (unter ihnen der äusserst erfolgreiche Krimi-Einakter ’Deathtrap’ (‚Mörderspiel‘), der 1982 durch Sidney Lumet mit Michael Caine als Mörder als Film adaptiert wurde), das Musical ‚Drat! The Cat!‘, TV-Drehbücher, Gedichte, Songtexte, zwei Sciencefiction-Romane und fünf teilweise mit übernatürlichen Elementen und Gruseleffekten spielende Thriller.

‚Der Kuss vor dem Tode‘, 1954 mit einem Edgar für den besten ersten Roman ausgezeichnet, wurde 1956 mit Robert Wagner und 1991 mit Matt Dillon verfilmt. Ein ehrgeiziger, lange Zeit namenlos bleibender Weltkriegsveteran, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, setzt alles daran, in der steinreichen Familie Kingship Fuss zu fassen. Geschickt wickelt er die jüngste der drei Töchter, seine Studienkollegin Dolly, um den Finger, doch zu seinem Verdruss wird sie von ihm schwanger, und er sieht nun keinen anderen Ausweg, als sie mittels fingiertem Suizid aus dem Weg zu räumen. Als ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist, umgarnt er Dollys Schwester Ellen, zunächst ohne zu ahnen, dass sie, die nie an die Selbstmord-Version glaubte, bei ihren Nachforschungen der Wahrheit schon ziemlich nahe gekommen ist – und dies mit dem Leben bezahlt. Der Killer versucht nun ein letztes Mal, an Kingships Vermögen teilzuhaben, indem er Dollys ältester Schwester Marion den Hof macht und gleichzeitig ihren Vater für sich einnimmt. Doch jetzt erscheint ein weiterer Player auf der Bildfläche – Gordon Gant, ein guter Freund der Familie. Er begibt sich auf die Jagd nach dem Mörder, dessen Identität der Leser inzwischen kennt, und treibt ihn auf spektakuläre Weise in den Tod.

Rosemary und ihr Mann Guy, dem jedes Mittel recht ist, um endlich den Durchbruch als Bühnenautor zu schaffen, ihre wunderlichen Nachbarn Minnie und Roman, Rosemarys väterlicher Freund Hutch und ein Geschöpf, das Rosemary gegen Ende der Geschichte auf die Welt bringt, sind die Hauptpersonen in Levins 1967 veröffentlichtem Roman ’Rosemarys Baby’, der damals hohe Wellen warf. Schauplatz ist ein altes, verrufenes Mehrfamilienhaus an der Seventh Avenue von New York, wo das junge Ehepaar gerade seine erste gemeinsame Wohnung gefunden hat. Die Katastrophe bahnt sich an, als Rosemary mit roher Gewalt befruchtet wird und – gezeichnet von Verletzungen und Alptraumfetzen – tags darauf aus einem tiefen Schlaf erwacht. Dann fällt Hutch ins Koma, bevor er Rosemary vor drohendem Unheil warnen kann, Guys Karriere im Filmgeschäft kommt ins Rollen, weil sein Hauptkonkurrent plötzlich erblindet, Rosemary überfällt ein unwiderstehliches Verlangen nach rohem Fleisch – und erst viel zu spät erkennt sie, dass sie in die Fänge von Satanisten geraten ist, und welche Rolle ihr Sohn einnehmen soll. Mit seinem durch Roman Polanski verfilmten Thriller stand Levin am Ursprung einer Welle von satanischen Streifen wie ‚Omen‘ und ‚Der Exorzist‘, was bei ihm, der mit dem Teufel nicht das geringste zu tun hatte, heftige Gewissensbisse auslöste – nachzulesen in seinem 2003 veröffentlichten Essay ‚Stuck with Satan‘.

Levins fünfter Roman ‚Die Boys aus Brasilien – Geheimakte Viertes Reich‘ spielt dreissig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Er dreht sich um das Duell zwischen dem Wiener Nazi-Jäger Jakob Liebermann und Josef Mengele, dem in Lateinamerika untergetauchten Lagerarzt, Zwillingsforscher und „Todesengel“ von Auschwitz-Birkenau. Ihm ist es gelungen, aus Hitlers genetischen Bausteinen vierundneunzig Klone herzustellen und sie sorgfältig ausgewählten – Adolf Hitlers Eltern möglichst exakt nachgezeichneten -, verstreut in Europa und Nordamerika lebenden Ehepaaren mit illegalen Mitteln zur Adoption freizugeben. Jetzt sind die Knaben dreizehn, die Mütter zweiundvierzig und die Väter fünfundsechzig (wie Hitlers Vater, als er starb!). Für Mengele der perfekte Zeitpunkt, seine sechs getreuen Helfer – ehemalige SS-Offiziere – loszuschicken, damit sie die Adoptivväter auf „unverdächtige“ Weise ermorden. Durch den Anruf eines Enthüllungsjournalisten bekommt Jakob Liebermann Wind von der Sache und findet heraus, dass ein Amerikaner namens Wheelock als nächstes Opfer vorgesehen ist. In dessen Haus kommt es zu einem blutigen Showdown, bei dem Dobermänner eine entscheidende Rolle spielen. Liebermann gewinnt den Kampf um Haaresbreite, doch dann schlägt Levin eine furchterregende Pirouette. Franklin J. Schaffner verfilmte den Stoff mit Gregory Peck als Mengele und Laurence Olivier als Liebermann.

Ira Levin, kein grosser Stilist, aber ein geschickter Handwerker mit einem feinen Händchen für packende, wenn auch nicht immer logische Handlungsführung, erlitt mit 78 Jahren in seiner Wohnung in Manhattan einen plötzlichen Herztod. Er hinterliess drei Söhne aus erster Ehe, Adam, Jared und Nicholas.

Bibliografie:

‚A Kiss Before Dying‘ – ‚Der Kuss vor dem Tode‘ (1953), ‚Rosemary’s Baby‘ – ‚Rosemaries Baby‘ (auch unter dem Titel ‚Rosemarys Baby‘, 1967), ‚This Perfect Day‘ – ‚Die sanften Ungeheuer (1970), ‚The Stepford Wives‘ – ‚Die Frauen von Stepford‘ (1972), ‚The Boys from Brazil‘ – ‚Die Boys aus Brasilien – Geheimakte Viertes Reich‘ (1976), ‚Sliver‘ – ‚Sliver‘ (1991), ‚Son of Rosemary‘ – ‚Rosmarys Sohn‘ (1997).