(Pseudonym für Ulf Torreck, *1973)

Geboren in Leipzig, absolvierte Ulf Torreck nach abgebrochenem Jurastudium eine Ausbildung zum Drehbuchautor und arbeitete daraufhin als Filmkritiker und Script Doctor. 2011 veröffentlichte er seinen ersten Roman ‚Wolfswechsel‘, gezeichnet mit dem Pseudonym David Gray. Nach ausgiebigen Reisen in Europa, Schwerpunkte Frankreich, Irland und England, sowie Nepal und Südostasien lebt er heute in seiner Geburtsstadt und widmet sich auf vielfältige Weise dem Schreiben.

‚Kanakenblues‘ (2011 als „ebook only“ unter dem Titel ‚Glashaus‘, vier Jahre später in überarbeiteter Fassung bei Pendragon erschienen) ist ein rasanter, knallharter, von drastischen Szenen und flapsigen Sprüchen durchsetzter Polizeiroman. Die sechzehnjährige Tochter des aus einem unbenannten (wahrscheinlich nordafrikanischen) Land stammenden Gastarbeiters Younas Aris ist durch vier privilegierte Jungs vergewaltigt worden. Im Stich gelassen von der Polizei und unter Druck gesetzt von seiner Frau und ihrem Onkel Halif Kahn, dem Boss der türkischen Mafia in Hamburg, nimmt Aris tödliche Rache an den Tätern, ohne zu wissen, dass einer von ihnen der Sohn des Polizeipräsidenten ist. Der dunkelhäutige, blauäugige, baumlange Hauptkommissar Lewis Boyle, Jugendfreund des Chefs der lokalen Russenmafia Teddy Amin, soll den Mörder zur Strecke bringen – ein Spiel mit dem Feuer, in diesem unübersichtlichen, von Korruption, Machtmissbrauch, Organisierter Kriminalität, grenzenlosem Opportunismus und blutigen Fehden durchsetzten Milieu. Und im Hintergrund lauern mit dem alten Mann Nicolas Premuda der mächtigste Gangster der Stadt und mit Francesca Bellini eine abgebrühte, unbestechliche Journalistin.

Lewis Boyle – inzwischen zum Leiter der Hamburger Mordkomission aufgestiegen und noch immer eng mit Teddy Amin befreundet – hat in ‚Sarajevo Disco‘ zwei starke Frauen an seiner Seite: Francesca Bellini als Bettgefährtin und Jale Arslan als junge Kommissarin, die sich gleich mustergültig in sein Team einfügt, indem sie einem RAF-Veteranen kaltblütig eine Kugel in den Schädel jagt. Die Hamburger Unterwelt mit Premudas Jugoslawen, Teddys Russen und den um ihren Chef Halim dezimierten Türken am Ruder befindet sich in einem labilen Gleichgewicht, als die „Kanzlergang“, eine mysteriöse Crew mit Helmut-Kohl-Masken, auf der Bildfläche erscheint und eine tödliche neue Droge unter die Leute wirft; und fast gleichzeitig die Leiche von Teddys Haupteintreiber Alexander „Monster“ Lermontow mit durchlöchertem Kopf auf der Strecke bleibt. Als der Securitychef der kräftig mitmischenden Hells Angels in derselben Nacht gewaltsam ums Leben kommt und die Maskentypen Teddy Amin entführen, gibt es beim Polizeipräsidenten kein Halten mehr: einzig eine Grossrazzia kann jetzt die Stadt noch retten. Schafft es Boyle mit seinem rabiaten Team, den Präsidenten in die Schranken zu weisen und das schlimmste zu verhindern, bevor er seine Marke verliert? oder gar ins Gras beisst? – Nach vierundzwanzig Stunden ist der Spuk vorbei. ‚Sarajevo Disco‘ ist ein gelungener Mix aus Polizei- und Gangsterroman mit einer Hauptperson, die gegenüber ‚Kanakenblues‘ an Kontur gewonnen hat.

In seinem historischen Krimi ‚Zeit der Mörder‘ setzt sich Ulf Torreck auf 570 Seiten mit der Okkupation Frankreichs durch Nazideutschland während den Jahren 1943/44 auseinander. Im Mittelpunkt der akribisch recherchierten Geschichte steht der Berliner Obersturmbannführer und Polizist Carl von Maug, der sich nach der Kapitulation der Wehrmacht unter neuer Identität als Claas Straatmann mit seiner Frau in ein irisches Dorf zurückgezogen hat und schreckliche, von seinen Kriegserlebnissen geprägte Bilder malt. Eines Nachts erschiesst er in seinem Haus einen Einbrecher. Mord oder Notwehr? Die Verhöre durch Detective Inspector Dermot Lynch bewegen Straatmann dazu, seine vier Jahre zurückliegende Zeit im besetzten Paris Revue passieren zu lassen: seine Rolle als systemkritischer, aber feiger und opportunistischer SS-Offizier, der sich vor Selbstekel allmählich zu Tode säuft; seinen Auftrag als „Koordinator“ der Sûreté Nationale, mit Hilfe von Commissaire Bruno Perreau und des ruppigen, widerspenstigen Obersturmführers Otto Heiliger einem (von Kriminaldirektor Lochmann, dem Leiter der örtlichen Gestapo gedeckten) französischen Killer, der ungezählte Juden auf dem Gewissen hat, endgültig das Handwerk zu legen; sein zwiespältiges Verhältnis zur Résistance, deren Mitglieder er als Terroristen bezeichnet; und nicht zuletzt seine heikle Beziehung zu der undurchsichtigen irischen Psychiaterin Nathalie Burns. Am Ende der geschickt gebauten, aufwühlenden Erzählung, in deren Verlauf die zerrissene Hauptfigur einen Läuterungsprozess durchläuft, schliesst sich der Kreis zwischen den grauenvollen Geschehnissen in Paris und Claas Straatmanns Tat in Irland.

Neben den erwähnten Werken verfasste der Autor die historischen Romane ‚Vor der Finsternis‘ und ‚Fest der Finsternis‘ über die Französische Revolution, ferner drei Sherlock Holmes-Krimis, die Horrorsatiren ‚Escape Zone‘ und (gemeinsam mit Isa Theobald) ‚Requiem für Miss Artemisia Jones‘, den in Paris angesiedelten Thriller ‚Der Preis‘, die Kriminalkomödie ‚Hell’s Kitchen‘ sowie Essays und Kurzgeschichten.

Bibliografie:

Als David Gray:

Lewis Boyle-Thriller: ‚Kanakenblues‘ (ursprünglich unter dem Titel ‚Glashaus‘, 2011/2014), ‚Sarajewo Disco‘ (2017);

Sherlock Holmes-Romane: ‚Sherlock Holmes. Der Geist des Architekten‘ (2013), ‚Sherlock Holmes. Das Grab der Molly Maguire‘ (2014), ‚Sherlock Holmes. Die Augen der Göttin‘ (2022);

Einzelwerke: ‚Wolfswechsel‘ (2011), ‚Der Preis‘ (2014), ‚Hell’s Kitchen‘ (2016).

Gemeinsam mit Isa Theobald: ‚Requiem für Miss Artemisia Jones‘ (2020).

Als Ulf Torreck:

Marquis de Sade-Romane: ‚Vor der Finsternis‘ (2017), ‚Fest der Finsternis‘ (2017);

Einzelwerke: ‚Zeit der Mörder‘ (2019), ‚Escape Zone‘ (2021).