(*1963)

Ralf Kramp, geboren in Euskirchen am Rande der Eifel, absolvierte nach dem Abitur eine Lehre als Maler und Lackierer. Später machte er sich als Karikaturist selbständig. 1996 ist sein erster von bisher neunzehn Kriminalromanen erschienen. Zu seinen weiteren Publikationen zählen vier Kinderkrimis und zahlreiche mörderische Geschichten und Kurzkrimis, die im ’Kölner Stadt-Anzeiger’ und in Anthologien abgedruckt worden sind. Darüber hinaus ist Kramp Veranstalter der als ‚Blutspur‘ bezeichneten Krimi-Erlebniswochenenden in der Eifel, Archivar von Kriminalliteratur, Herausgeber von Eifeler Schauer- und Gruselgeschichten sowie Leiter des auf Regionalkrimis spezialiserten KBV-Verlags und des im Hillesheim gelegenen Kriminalhauses , in dem sich neben dem riesigen Archiv auch das „Kaffee Sherlock“, ein Krimi-Antiquariat und eine Buchhandlung befinden. Er lebt mit seiner zweiten Frau Monika in Flesten in der Vulkaneifel und hat zwei erwachsene Söhne aus einer früheren Bezehung.

Im Jahr 1997 startete Serie Kramp eine bisher elfteilige Serie, in der ein Privatdetektiv-„Paar“ in der Eifel über Leichen stolpert und sich dann gleich selbst auf Verbrecherjagd begibt: Herbie „Spinner“ Feldmann, ein magerer, kleiner Bursche wohl Mitte dreissig, und sein ständiger Begleiter Julius, ein fetter, riesenhafter, bärtiger und rechthaberischer Nörgler, den sonst niemand je zu Gesicht bekommen hat. Die Zusammenarbeit der beiden begann vor etwa zehn Jahren, als Herbie nach dem Tod seiner Eltern einen schweren Nervenzusammenbruch erlitt und daraufhin zwei Jahre in einer psychiatrischen Klinik verbrachte. Wobei es sich im Grunde um eine Wiederauferstehung handelte, denn erstmals in Herbies Leben getreten war Julius bereits über zwanzig Jahre zuvor als Figur in einem Fernsehstreifen. Da sich Julius leider nicht an ihre Abmachung hält, den Mund zu halten, wenn sie sich unter Leuten befinden, verpasste man Herbie den Übernahmen „Spinner“. Wahlweise „Spanner“, denn jeder weiss, dass der schüchterne Man seine umwerfende Nachbarin jeden Abend bei ihrer abendlichen Körperpflege beobachtet – bis sie im ersten Roman vor seinen Augen einem Serienkiller zum Opfer fällt.

‚Stimmen im Wald‘ ist in der kleinen Ortschaft Schlehborn in der Eifel angesiedelt. Johannes „Jo“ Frings ist hier an der Seite seines älteren Bruders Michel auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, bis er als junger Mann das Weite suchte, um in diversen europäischen Ländern als „Geschäftsmann“ zu arbeiten. Dabei liess er sich in Paris mit den falschen Leuten ein, bei denen er jetzt arg in der Kreide steht. Es kommt ihm deshalb gerade recht, dass Michel, der den Hof der Eltern nach deren Tod übernommen hatte, auf rätselhafte Weise stirbt. Als Jo in seine alte Heimat zurückkehrt, um das dringend benötigte Erbe anzutreten und sich ein wenig in der Gegend umzusehen, stösst er auf erste Hinweise, dass sein Bruder als unliebsamer Zeuge aus dem Weg geräumt worden ist. Vertiefte Recherchen bringen eine Lawine ins Rollen, deren Ursprung in tragischen, einige Jahre zurückliegenden Geschehnissen liegt. Die spannende, humorvolle Geschichte lebt von falschen Fährten, den eindrucksvollen Schilderungen des urwüchsigen Landstrichs und dem originellen Personal – der frisch gebackene Detektiv Jo, der schmierige Bürgermeister Nelles, der schweigsame polnische Knecht Arkadi, der rabiate Totengräber Mörf, die verwitwete Friseurin Christa, ihre hellwache Teenagertochter Ricky und viele andere mehr.

In dem nachfolgenden Joe Frings-Roman ‚Totholz‘ führt der schlitzohrige – inzwischen mit Christa liierte – Hobbydetektiv als Landwirt ein ungewohntes Leben in seinem Geburtsort, der nach den aufwühlenden Ereignissen in ‚Stimmen im Wald‘ wieder zur Ruhe gefunden hat. Für Aufregung sorgt einzig die deutsch-amerikanische Künstlerin Lorna, die eines Nachts unter Hinterlassung von Blutspuren aus ihrem Haus verschwindet und am folgenden Tag ermordet aufgefunden wird. Der Autor befasst sich daraufhin jedoch weniger mit dem Kriminalfall, als dem Leben der kauzigen Dorfbewohner, deren Alltag hauptsächlich aus Klatsch, Mauscheleien, Zerwürfnissen und Eifersüchteleien besteht. Erst gegen Ende legt Kramp einen Zacken zu und verknüpft die Handlungsstränge gekonnt zu einer unerwarteten Lösung, die keine Wünsche übrig lässt.

Bibliografie:

Herbie Feldmann-Serie: ‚Spinner‘ (1997), ‚Rabenschwarz‘ (1998), ‚Der neunte Tod‘ (1999), ‚Malerische Morde‘ (2002), ‚Hart an der Grenze‘ (2003), ’Totentänzer’ (2006), ‚Abendlied‘ (2017), ‚Aus finsterem Himmel‘ (2018), ‚Mord mit Eifelblick‘ (2019), ‚Ein Grab für zwei‘ (2020), ‚Blaues Blut‘ (2022);

Jo Fings-Krimis: ‚Stimmen im Wald‘ (2012), ‚Totholz‘ (2015);

Lord Merridew-Kriminalstories: ‚Ihr Mord, Mylord‘ (2016), ‚Noch ein Mord‘ (2021);

Einzelwerke: ‚Tief unterm Laub‘ (1996), ‚Still und starr‘ (2000), ‚…denn sterben muss David‘ (2001), ‚Ein kaltes Haus‘ (2004).