(Pseudonym für John Heath Futrell, 1875-1912)

Geboren in Pike County, Georgia, arbeitete Jacques Futrelle (französische Version seines angestammten Namens) als Journalist in Atlanta, Boston und New York City, bis er 1902 in Richmond, Virginia, ein kleines Theater aufbaute und neben seiner leitenden Funktion auch Stücke schrieb, Regie führte und als Schauspieler auftrat. 1905 schrieb er den ersten von fünfzig – zunächst in der Zeitung ‚Boston American‘ abgedruckten – Fällen der „Denkmaschine“ Professor Augustus S.F.X. van Dusen. Sein übriges Werk besteht aus sechs Romanen und zwölf Erzählungen von minderer Qualität. 1908 liess er sich mit seiner Familie in Scitate, Massachusetts, nieder. Drei Tage nach seinem 37. Geburtstag, den er in London feierte, starb er beim Untergang der „Titanic“ in den Fluten des Atlantiks, wobei auch sechs unveröffentlichte Geschichten verloren gingen. Er hinterliess seine Frau Lily May Peel, die er 1895 geheiratet hatte, und die beiden Kinder.

Futrelles berühmteste Story ist ‚The Problem of Cell 13‘, von der es keine deutsche Übersetzung gibt, dafür aber die durch Michael Koser produzierte Hörspiel-Adaptation ‚Das sicherste Gefängnis der Welt‘. Sie handelt von van Dusens Wette, dass ihm innerhalb von acht Tagen die Flucht aus dem örtlichen Hochsicherheitstrakt gelingt. Er gewinnt sie im vierten Anlauf.

Dreizehn der besten Fälle der „Denkmaschine“ sind 1987 unter dem Titel ‚Der überflüssige Finger‘ als bibliophile Ausgabe im Verlag Affholderbach & Strohmann erschienen, vorzüglich übersetzt durch Nikolaus Stingl. Augustus S.F.X. van Dusen, ein leicht reizbarer Meister des logischen Denkens mit gewaltiger, tief gefurchter Stirn, dicken Brillengläsern und buschigem, strohblondem Haar, bewohnt mit seiner ältlichen Haushälterin Martha ein Appartement in dem vornehmen Bostoner Stadtteil Beacon Hill, wo er sich mit Leidenschaft und geistiger Kraft der Aufklärung von perfekten Verbrechen widmet – „Verbrechen, die sich weder als Verbrechen darstellen, noch als solche hingestellt werden können, sodass man nie jemanden dafür belangen kann.“ Sein Legman ist der rasende Reporter Hutchinson Hatch, dessen nicht ungefährliche Recherchen es dem alten Grantler erlauben, seinen mit einer riesigen Bibliothek, einem Telefon und einem Labor ausgestatteten Wohnsitz nur zu verlassen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Eine weitere wiederkehrende Figur ist der ungehobelte, schwerfällige Kriminalbeamte Detective Mallory, dessen Präsenz allerdings einzig dazu dient, van Dusens überragende Leistungen in besonders hellem Glanz erstrahlen zu lassen.

Der Fokus der Geschichten liegt stets auf van Dusens Gedankenspielen und der Entlarvung des Verbrechers. Psychologische Finessen bleiben aussen vor, und auch über die Vergangenheit der Denkmaschine erfahren wir nichts. Wenngleich die Fallbschreibungen inzwischen ein wenig Staub angesetzt haben, stellen sie doch immer noch eine durchaus unterhaltsame Lektüre dar.

Die dreizehn Fälle der deutschsprachigen Sammlung in ihrer Reihenfolge:

‚The Silver Box‘‚Die silberne Box‘, ‚The Motor Boat‘ – ‚Das Motorboot‘, ‚The Superfluous Finger‘ – ‚Der überflüssige Finger‘, ‚The Interrupted Wireless‘ – ‚Der unterbrochene Funktelegraph‘, ‚The Three Overcoats‘ – ‚Die drei Mäntel‘, ‚The Problem of the Broken Bracelet‘ – ‚Das Rätsel des zerbrochenen Armreifs‘, ‚The Problem of the Cross Mark‘ – ‚Das Rätsel des Kreuzes‘ , ‚The Problem of the Souvenir Cards‘ – ‚Das Rätsel der Ansichtskarten‘, ‚The Problem of the Vanishing Man‘ – ‚Das Rätsel des verschwundenes Mannes‘, ‚The Problem of the Auto-Cab‘ – ‚Das Rätsel des Taxis‘, ‚The Problem of the Hidden Million‘ – ‚Das Rätsel der versteckten Million‘, ‚The Roswell Tiara‘ – ‚Das Roswell-Diadem‘, ‚The Haunted Bell‘ – ‚Der verhexte Gong‘.