(*1973)

Der dunkelhäutige Autor Shawn A. Cosby wurde in Mathews County geboren, dem südöstlichen Zipfel Virginias, wo er in einem Trailer ohne fliessendes Wasser aufwuchs. Das Englischstudium an der Christopher Newport University brach er ab, um sich seiner kranken Mutter zu widmen. Er verrichtete Jobs wie Gabelstapelfahrer, Gärtner, Roadie und Türsteher, bis er zu schreiben von Kurzgeschichten und nachtschwarzen – als Romanen begann. S.A. Cosby, ein leidenschaftlicher Schachspieler, lebt mit seiner Frau Kimberly Redmond, die in Shacklefords ein Bestattungsunternehmen führt, in der Hafenstadt Gloucester, Massachusetts.

Cosbys dritter – als „Southern Heist Novel“ bezeichneter – Roman ‚Blacktop Wasteland‘, erschienen im ars vivendi Verlag, spielt 2012 im öden, kaum besiedelten, von Rassenhass und Crystal Meth-Konsum gezeichneten Red Hill County, Virginia. Er erzählt die Geschichte der afroamerikanischen Familie Montage, bestehend aus Beauregard, genannt Bug, und seiner Frau Kia, beide Anfang dreissig, sowie den drei Kindern Ariel, Javon und Darren. Bug verbrachte fünf Jahre im Jugendknast und war wie sein früh abgetauchter Vater ein begnadeter Fluchtwagenfahrer, bis er seine kriminelle Laufbahn zu Gunsten der Familie beendete und sich seither mit seinem Cousin und besten Freund Kelvin als selbständiger Automechaniker knapp über Wasser hält, gelegentlich jedoch immer noch an illegalen Autorennen teilnimmt. Als ihm und seiner Familie die finanziellen Nöte über den Kopf wachsen, beschliesst er, sich ein letztes Mal an einem Raubüberfall zu beteiligen, bei dem Diamanten im Wert von fast zwei Millionen Dollar winken; ein schier unerträglicher seelischer Konflikt für den liebevollen , fürsorglichen Ehemann und Vater, denn stets lauert seine gewalttätige Seite – seine Lebensversicherung. Der Überfall auf das Juweliergeschäft gelingt, die drei Räuber – die Redneck-Brüder Ronnie und Reggie und ein Junkie – können der Polizei dank Bugs Fahrkünsten entkommen, nicht ahnend, dass sie mit ihrem Coup dem brutalen Gangsterboss Lazy arg in die Quere kommen – der Laden ist dessen Geldwaschanlage – und damit eine Reihe von wilden, blutigen Verfolgungsjagden auslösen, an denen auch Shade, der gefährlichste Mobster Virginias, mit seiner psychopathischen Truppe teilhat.

Isiah Randolph und Derek Jenkins, Eltern einer kleinen Tochter, sind auf offener Strasse in Richmond, Virginia, auf brutalste Weise hingerichtet worden. Bei ihrem Begräbnis treffen die Väter erstmals aufeinander, der verheirate afroamerikanische Kleinunternehmer Ike, Strassenname Riot, und der geschiedene, dem Schnaps verfallene „White Trailor Trash“ Buddy Lee, die ausser Homophobie, Knastvergangenheit und Rachsucht nichts verbindet. Sie raufen sich zusammen, um zu erledigen, was den Bullen nicht gelungen ist: die Mörder aus dem Verkehr ziehen, und zwar auf ihre eigene, knallharte Art. Zwischen Ihnen und der Biker Gang Rare Breeds entwickelt sich ein hässlicher Kampf, in dessen Verlauf Ike zu der schlichten Erkenntnis gelangt, dass „Rache nichts anderes ist als Hass, nur netter verpackt“. Die Abscheulichkeit des Kriminalfalls – Derek und Isiah hatten Wind bekommen von der Affäre eines verheirateten Richters mit einer Transgender Frau – passt, wie sich alsbald zeigt, zu dem MAGA-Staat Virginia wie die Faust aufs Auge. Emotionale Ausbrüche, schrille, gewalttriefende Szenen, an denen Sam Pekinpah seine helle Freude hätte, derbe Dialoge und Selbstgespräche der beiden rührenden, von Schuldgefühlen gequälten alten Männer, die mit aller Kraft versuchen, aus ihren Fehlern zu lernen – ‚Razorblade Tears‘ ist ein grossartiger, zurecht mit Awards überhäufter Country Noir, den Jürgen Bürger stilsicher ins Deutsche gebracht hat. Der farblose deutsche Titel ‚Die Rache der Väter‘ wird der Geschichte jedoch nicht ganz gerecht.

Bibliografie:

Brotherhood of the Blade‘ (2014), ‚My Darkest Prayer‘ (2019), ‚Blacktop Wasteland‘‚Blacktop Wasteland‘ (2020), ‚Razerblade Tears‘ – ‚Die Rache der Väter (2021).