(*1988)

Geboren in der Atlantikküstenstadt Sables d’Olonne, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Nantes, Nordafrika und Paris, wo er sein Studium abschloss, begann Jérémie Guez bereits mit 22 Jahren Romane und Drehbücher zu verfassen – der französische Gangsterfilm der 70er-Jahre und die amerikanischen hardboiled Autoren waren seine wichtigsten Einflüsse, während ihm die französischen Kriminalliteratur allzu sozialkritisch und politisch daherkam (Manchettes Werk war ihm vermutlich nicht bekannt, als er sich zu diesem Statement hinreissen liess).

Abraham, genannt Abe, Sohn eines verwitweten nordafrikanischen Juden, dessen Augen Tag für Tag von früh bis spät am Fernsehschirm kleben, ist der Ich-Erzähler in Guez‘ schlankem Roman ‚Paris, die Nacht‘, dem ersten Teil der Paris-Trilogie, deren Bände ausser dem Schauplatz und der düsteren Atmosphäre nichts gemeinsam haben. Seit Beendigung der Collège treibt sich Abe mit seinem engsten Freund Goran als kleiner Gangster und Dealer in dem Arbeiter- und Einwandererviertel ‚La Goutte d’Or‘ im 18. Arrondissement herum und versucht verzweifelt, seinen Hass auf die Touristen-Metropole mit Koks, Speed, Heroin und billigem Schnaps im Zaum zu halten – ein Leben ohne Hoffnung, ohne Perspektive. Das Verhängnis bahnt sich an, als er im Hinterzimmer eines Lokals eine illegale Pokerrunde entdeckt und beschliesst, sie mit ein paar Kumpanen zu überfallen. Der Coup gelingt, die Jungs ergattern eine Menge Kohle, doch die ausgeraubten Profi-Zocker heften sich an ihre Fersen – und Abe beginnt zu morden.

Bibliografie:

Paris-Trilogie: ‚Paris la nuit‘ (2011), ‚Balancé dans les cordes‘ (2012), ‚Du vide plein les yeux‘ (2013);

Einzelwerke: ‚Le dernier tigre rouge‘ (2014), ‚Les âmes sous les néeons‘ (2021).