(*1948)

Alberto Manguel, geboren in Buenos Aires als Sohn von Pablo Manguel und Rosa Finkelstein, beide jüdischen Glaubens, verbrachte seine ersten Lebensjahre mit seinen beiden Brüdern in Tel Aviv – sein Vater war dort der erste argentinische Botschafter – und in England. Im Jahr 1955 kehrte die Familie in die argentinische Hauptstadt zurück. Während seiner Zeit am Colegio Nacional de Buenos Aires, wo er von 1964 bis 1968 Vergleichende Literaturwissenschaft, Latein und Spanisch studierte, las Alberto Manguel in seiner Freizeit dem fast vollständig erblindeten Autor Jorge Luis Borges vor.

1969 verliess Manguel seine Heimat kurz vor Abschluss des Studiums und widmete sich danach vorrangig dem Übersetzen der Werke von Joseph Roth, Günter Grass, Friedrich Dürrenmatt, Jean Cocteau und Umberto Eco sowie als Literaturdozent, Kritiker, Journalist und Verlagslektor. Frankreich, England, Italien und Tahiti waren seine Stationen, bis er 1982 Wohnsitz in Toronto bezog, die kanadische Staatsbürgerschaft annahm, seine drei Kinder grosszog und für verschiedene internationale Printmedien und das Kanadische Fernsehen arbeitete.

Im Jahr 2000 liess er sich mit dem Pariser Psychoanalytiker Craig Stephenson in einem von ihnen gemeinsam renovierten mittelalterlichen Pfarrhaus in dem französischen Weiler Mondion, Region Poitou-Charentes, im Südwesten Frankreichs nieder. Dort widmet er sich seither – umgeben von 30‘000 Büchern – vorrangig dem genussvollen Lesen, dem Verfassen von Büchern über das Lesen (’Eine Geschichte des Lesens’, ’Tagebuch eines Lesers’) und von Erzählungen und seinem weitläufigen Garten. Er schreibt seine Werke mehrheitlich in englischer, vereinzelt auch in spanischer Sprache.

Nach etlichen Kurzgeschichten und Essays veröffentlichte Manguel 1991 seinen ersten Roman ‚Im siebten Kreis‘, eine eindringliche Parabel über Schuld, moralisches Handeln, betrogene Liebe und Verdrängung. Der pensionierte französische Polizeioffizier Antoine Berence, ein intelligenter, kultivierter Mann, lebt mit seiner psychisch schwer kranken Frau Marianne und der zehnjährigen Tochter Ana zurückgezogen in dem idyllischen kanadischen Küstenstädtchen Percé, Provinz Québec, bis er von seiner Vergangenheit eingeholt wird – eine Bombenexplosion zerstört sein Haus und tötet seine Frau. Jetzt springt Manguel in der Zeit weit zurück und überlässt Marianne das Wort – ursprünglich eine fröhliche, lebenslustige Frau. Von ihr erfahren wir, dass Berence im algerischen Unabhängigkeitskampf als Folterknecht für die französische Regierung tätig war und später derselbe Arbeit in Buenos Aires für die argentinische Militärdiktatur verrichtet hatte – und dass sie daran zerbrochen ist.

Bibliografie:

‚News from a Foreign Country Came‘ – ‚Im siebten Kreis‘ (1991).