(1910-1974)

David Dodge wurde als jüngstes von vier Kindern eines erfolgreichen Architekten in Berkeley, Kalifornien, geboren. Der Vater erlitt 1919 einen tödlichen Verkehrsunfall. Daraufhin zog die Mutter mit ihren drei Töchtern und David nach Los Angeles, wo dieser die Lincoln Highschool besuchte, jedoch ohne Abschluss blieb. Von 1926 bis Ende der 30er-Jahre war er unter anderem als Bankangestellter, Hafenarbeiter, Nachtwächter und Buchhalter tätig. 1936 vermählte er sich mit Elva Keith. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor heuerte er bei der Navy an – er verliess sie nach drei Jahren als Lieutenant Commander.

Dodge begann seine schriftstellerische Laufbahn 1936, als er in San Francisco einer Gruppe von Bühnenautoren, Schauspielern und Produzenten (unter ihnen Dodges Schwager George Burkhardt, der Gründer des Zirkels) beitrat, deren Ziel es war, Theater zum puren Vergnügen zu kreieren. Dodge steuerte zwei Werke bei, ‚A Certain Man Had Two Sons‘ und ‚Christmas Eve at the Mermaid‘. Einige Jahre später wettete er mit seiner Frau, dass er im Stande sei, einen spannenderen Krimi zu schreiben als jene, die sie während ihren verregneten Ferien gerade lasen. 1941 kam sein erster Krimi heraus, und Dodge gewann die Wette.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Dodge mit seiner Frau und der 1940 geborenen Tochter Kendal durch Zentral- und Südamerika mit längeren Aufenthalten in Guatemala und Peru. In dieser Zeit begann er eine zweite Karriere als Reisebuchautor. Nach Aufenthalten in Südfrankreich und Burlingame, Kalifornien, bezog die dreiköpfige Familie Wohnsitz in Princeton, New Jersey. Als Kendal 1957 die Highschool abgeschlossen hatte, waren David und Elva Dodge nicht mehr zu halten – ausgedehnte Reisen durch ganz Europa füllten die folgenden Jahre aus. 1968 schliesslich liess sich das Ehepaar in San Miguel de Allende, Mexiko, nieder. Elva starb dort im Oktober 1973, David folgte ihr nach zehn Monaten, kurz vor seinem 64. Geburtstag.

In Dodges frühen, von Dashiell Hammett beeinflussten Krimis steht James „Whit“ Whitney aus San Francisco im Mittelpunkt. ‚Die blaue Limousine‘, der erste und beste Band des witzigen Vierteilers, in dem stets viel Alkohol fliesst, dreht sich um den Fall Wolff. Harald Wolff, ein Bierbrauer, der sich in der Prohibition als Alkoholschmuggler (und Betrüger seiner Mitaktionäre) eine goldene Nase verdient hatte, kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, weil sich sein (präparierter?) Fallschirm nicht öffnete. Nach seinem Tod musste eine Million Dollar Einkommenssteuer nachgezahlt werden, eine Summe, die dem ganzen Erbe entsprach. Whits 20 Jahre älterer Kompagnon George MacLeod, ein berüchtigter Schürzenjäger, der Wolff in Steuerfragen beraten hatte, stellt nun fest, dass dieser Betrag viel zu hoch war. Wolffs Tochter Marian beauftragt ihn, der Sache auf den Grund zu gehen, doch bevor er etwas unternehmen kann, bläst man ihm mit einer .25er das Licht aus – und Whit mutiert vom Steuerberater zum Detektiv. Dann geschieht ein weiterer Mord, auf den Hobbyschnüffler wird ein Anschlag verübt, doch Whit lässt nicht locker, verliebt sich nebenbei in MacLeods reizende junge Witwe Kitty und legt dem Mörder in Zusammenarbeit mit dem nagelharten Cop Lieutenant Webster das Handwerk.

Daraufhin kehrt Whit in seinen Brotberuf zurück, wird jedoch weiterhin in Verbrechen verwickelt. Zu Beginn des dritten, im Zweiten Weltkrieg spielenden Bandes ‚Whit wundert sich‘ heiratet er Kitty in Reno und taumelt dort am selben Tag in einen haarsträubenden Spionagefall um einen deutschen Nazioffizier, der den Japanern mit einem illegalen Radiosender kriegsentscheidende Informationen über die amerikanische Marine zukommen lässt.

Dodges zweite Serie dreht sich um den zynischen, hart gesottenen Privatschnüffler Al Colby, einen in Mexiko Stadt lebenden, perfekt Spanisch sprechenden Amerikaner, der vermisste Personen aufspürt, in Peru hinter Inka-Schätzen her ist und in den Anden Saboteure jagt. Auch Dodges dritte Figur John Abraham Lincoln, der als Special Agent des Bundesfinanzministeriums im Fernen Osten zum Rechten schaut, ist ein tougher Kerl.

Die Krimikomödie ‚Über den Dächern von Nizza‘ (im Original ‚To Catch a Thief‘, von Alfred Hitchcock mit Cary Grant und Grace Kelly in den Hauptrollen verfilmt) ist Dodges bekanntestes Werk. Es handelt von dem legendären amerikanischen Juwelendieb John Robie, genannt „Le Chat“, der von 1936 bis 1939 die Prominenz der Côte d’Azur um Schmuck im Wert von 8 Millionen Francs erleichtert, bis er verhaftet und zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt wird. Nach einem Jahr Haft wird er (wie viele andere Delinquenten) von den deutschen Besatzern freigelassen. Er geht zum Maquis, wo er das Schlitzohr Henri Bellini kennen lernt – der Beginn einer tiefen Freundschaft. Nach dem Krieg setzt sich Robie in einer Villa oberhalb des südfranzösischen Ortes Vence zur Ruhe. Er frönt der Jagd, geht angeln und schwimmen, arbeitet in seinem Garten und trinkt guten Wein – doch sein Ruhestand wird empfindlich gestört, als ein Nachwuchsgauner ihn zu imitieren beginnt: Wie einst „Le Chat“, bewaffnet einzig mit einem Glasschneidemesser, klettert der Youngster über Dächer, um an seine kostbare Beute zu gelangen. Als Robie selbst in Verdacht gerät, taucht er unter, um – mit neuer Identität und unterstützt durch eine Truppe von früheren Widerstandskämpfern, unter ihnen Bellini – den Täter auf eigene Faust zu schnappen. Ein Lockvogel in der Person der an Geld und Schmuck reichen Amerikanerin Mrs Stevens soll es richten. Doch diese hat eine schöne Tochter, Frances, die mit allen Wassern gewaschen ist.

Dodges letzter vollendeter Krimi ‚The Last Match‘ kam 2006, 33 Jahre nach seiner Niederschrift, in der berühmten Reihe ‚Hard Case Crime‘ erstmals in die Buchläden, nachdem das Manuskript kurz zuvor in den Papieren des Autors gefunden worden war. Dodges 2007 verstorbene Tochter Kendal rundete das Buch mit einem schönen Nachwort über das Leben ihres Vaters ab.

Bibliografie:

James „Whit“ Whitney-Serie: ‚Death and Taxes‘ – ‚Die blaue Limousine‘ (1941), ‚Shear the Black Sheep‘ (1943), ‚Bullets for the Bridgeroom‘ – ‚Whit wundert sich‘ (1944), ‚I Ain’t Hay‘ – ‚Tödlicher Rauch‘ (1946);

Al Colby-Serie: ‚The Long Escape‘ – ‚Das Grab auf der Hazienda‘ (1947), ‚Plunder in the Sun‘ – ‚Der Schatz von Amaru‘ (1949), ‚The Red Tassel‘ – ‚Die rote Quaste‘ (1950);

Einzelwerke: ‚To Catch a Thief‘ – ‚Über den Dächern von Nizza‘ (auch unter den Titeln ‚Die Katze und ihr Doppelgänger‘ und ‚Le chat sucht le chat‘, 1952), ‚The Lights of Skaro‘ – ‚Die Lichter von Skaro‘ (1954), ‚Angel’s Ransom – ‚Lösegeld für Anima‘ (1956), ‚Loo Loo’s Legacy‘ (1960), ‚Carambola‘ (1961), ‚The Last Match‘ (2006);

John Abraham Lincoln-Krimis: ‚Hooligan‘ (1969), ‚Troubleshooter‘ (1971).