(Schrieb auch als J.W. Rider)

Shane Stevens wurde höchst wahrscheinlich 1941 im New Yorker Stadtteil Harlem geboren, wo er auch aufwuchs. Er schloss sein Studium an der Columbia University ab und war danach kurze Zeit in der Werbung tätig. Von 1966 bis 1987 veröffentlichte er acht actiongeladene Thriller, zwei davon unter Pseudonym.

‚Der Killer‘, einer der ersten Serienkillerromane der Weltliteratur, erzählt die Lebensgeschichte des x-fachen Mörders Thomas Bishop, alias Chess Man (er plant seine Morde wie ein Schachspieler), der von seiner Mutter, einem mehrfachen Opfer männlicher Gewalt, während Jahren brutal misshandelt wird, bis er sie als Zehnjähriger kaltblütig umbringt und daraufhin in einer psychiatrischen Anstalt verwahrt wird. Nach fünfzehn Jahren Haft plant er den Ausbruch: Er tötet den einfältigen Mithäftling Vincent Mungo, zerstört dessen Gesicht und nimmt die Identität des Toten an. Die Flucht gelingt fast mühelos – und Thomas Bishop, der glaubt, er sei der uneheliche Sohn des berühmt-berüchtigten, 1960 hingerichteten Gangsters und mutmasslichen Massenvergewaltigers Caryl Chessman (Chessman, eine authentische Figur, verbrachte zwölf Jahre in der Todeszelle des texanischen Zuchthauses San Quentin und bestritt die Vergewaltigungen bis zuletzt) beginnt seine fünf Monate dauernde, ungemein blutige Tätigkeit als „gesichtsloser“ Frauenmörder. Sein wichtigster Gegenspieler: der eigenbrötlerische, intuitiv arbeitende Polizeireporter Adam Kenton. In diesem komplexen, im Stil einer Reportage, mit schnellen Perspektivenwechseln erzählten Roman zeichnet Stevens ein finsteres Bild der amerikanischen Gesellschaft der frühen 70er-Jahre – einer Gesellschaft, in der Journalisten und Politiker nicht davor zurückschrecken, eine Mordserie für ihre Zwecke auszuschlachten.

Es folgten zwei mit J.W. Rider gezeichnete Krimis um den Ex-Ringkämpfer, Ex-Jesuiten-Seminaristen und Ex-FBI-Agenten Malone (Vorname unbekannt) aus Jersey City, New Jersey. Als Malone nach vier Jahren beim FBI rausflog, wurde er Privatdetektiv in Miami. Dann kam seine schwangere Frau Karen bei einem Raubüberfall auf offener Strasse ums Leben, die Täter blieben auf freiem Fuss, und Malone, durch den Tod seiner grossen Liebe schwer gezeichnet, kehrte nach Jersey City zurück – dies die Vorgeschichte.

Malone ist einer der härtesten und gemeinsten Ermittler der Kriminalliteratur. Er nimmt grundsätzlich nur Mordfälle an – allenfalls noch Fälle von Morddrohung. Liiert ist er mit der aparten Malerin Marilyn, die sich auf Werwolf-Bilder spezialisiert hat. Im ersten Roman ‚Der Teufel hat vielen Masken‘, einer mit ausgesprochen fiesen Gestalten bevölkerten Geschichte, hat Malone zwei Auftraggeber: Den aufstrebenden Immobilienhai Cooper Jarrett, dem anonyme Telefonanrufer einen baldigen Tod vorausgesagt haben, wenn er sich nicht aus seinem Milliardenprojekt beim Hafen von Jersey City zurückzieht; und Constance Kelly, eine atheistische Aktivistin, deren Mutter kürzlich durch eine Kugel aus dem Leben schied – laut der Polizei handelte es sich um Suizid. Schon bald wird Malone klar, dass die beiden Fälle eng miteinander verknüpft sind – Geldgier und Korruption, Sexualität und Hass sind die Bindeglieder. Welche Rolle aber spielt Jarretts Ex-Frau und Geschäftspartnerin Laura, die Malone heftig umgarnt?

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts versuchte sich Shane Stevens erfolglos als Drehbuchautor in Hollywood. Danach verlieren sich die Spuren des äusserst medienscheuen Mannes, von dem es offenbar nur ein einziges Foto gibt. Gemäss einer wenig Vertrauen erweckenden italienischen Quelle ist er 2007 verstorben.

Bibliografie:

Als Shane Stevens: ‚Go Down Dead‘ – ‚Uns gehört die Nacht‘ (1966), ‚Way Uptown in Another World‘ (1971), ‚Dead City‘ (1973), ‚Rat Pack‘ (1974), ‚By Reason of Insanity‘ – ‚Der Killer‘ (1979), ‚The Avil Chorus‘ (1985).

Als J.W. Rider: Malone-Romane: ‚Jersey Tomatoes‘ – ‚Der Teufel hat viele Masken‘ (1986), ‚Hot Tickets‘ – ‚Der Teufel kennt kein Gesetz‘ (1987).