Regina „Reggie“ Nadelson, geboren im New Yorker Viertel Greenwich Village als Tochter einer jüdischen Familie, wuchs in den 50er- und 60er-Jahren dort auf. Sie studierte Englisch am Vassar College, New York State, und Journalistik an der Stanford University. Danach reiste sie durch die Welt, bestritt ihren Lebensunterhalt mit journalistischen Jobs (unter anderem verbrachte sie während der Gorbatschow-Ära längere Zeit in der Sowjetunion und dokumentierte deren Zusammenbruch) und blieb schliesslich in London hängen, wo sie Kolumnen für ‚The Guardian‘ und ‚The Independent‘ verfasste. Seit Anfang der 90er-Jahre arbeitet sie als freie Autorin, Journalistin und Dokumentarfilmerin. Sie pendelt zwischen London und Manhattan.

Im Jahr 1995 startete Nadelson ihre düstere, ein facettenreiches Bild von New York zeichnende Krimiserie um Artie Cohen, der als Sohn eines hochrangigen jüdischen KGB-Agenten geboren wurde und ursprünglich Artemy Maximovich Ostalsky hiess. Artie verliess die Sowjetunion mit sechzehn, verbrachte die folgenden drei Jahre mit seiner Familie in Israel und machte dort seinen Schulabschluss, ehe er nach New York City übersiedelte, Amerikaner wurde und zum NYPD kam (nach dem ersten Roman arbeitet er vorübergehend als Privatdetektiv). Sein bester Freund ist Anatoli Swerdlow, genannt Tolja, ein grossherziger und steinreicher Mann, auch er ein russischer Emigrant.

‚Russische Verwandte‘, der fünfte Band der (im Original bisher neunteiligen) Artie Cohen-Serie, spielt wenige Monate nach „Ground Zero“, in New York herrscht ein Klima von Verunsicherung, Angst, Fremdenhass und Paranoia. Artie Cohen ist seit kurzem Mitglied einer Spezialeinheit, die sich mit Verbrechen an Kindern befasst, als eine Joggerin in Brighton Beach, Brooklyn, wo die Einwanderer aus Russland leben, auf ein Bündel von blutigen Kinderkleidern stösst. Kurz danach wird eine Leiche gefunden, die nicht zu den Kleidern passt, ein Mädchen verschwindet, und dann wird auch Arties 12-jähriger Patensohn Billy vermisst. Die Ermittlungen bringen Artie in die Kreise der russischen Einwanderer, ins Umfeld seiner eigenen Verwandtschaft.

Die Anschläge vom 11. September 2001 sind auch im folgenden Roman ‚Rote Wasser‘ allgegenwärtig – Angst vor Krebserkrankungen nach der massiven Asbestexposition und vor neuerlichen Terrorakten lähmt die Stadt. Ausgerechnet am Tage seiner Hochzeit erhält Artie Cohen einen neuen Mordfall, in den selbstredend auch Russen – darunter Arties Freund Tolja – verwickelt sind. Die Spuren führen zurück ins Jahr 1953, als vor Brooklyn ein russisches Schiff auf Grund gelaufen ist.

Neben der Artie Cohen-Serie verfasste Nadelson die beiden Standalones ‚Somebody Else‘ und ‚Manhattan 62‘ sowie Biografien über die amerikanische Bürgerrechtlerin und Autorin Angela Davis (‚Who Is Angela Davis?‘, 1972) und den Amerikaner Dean Reed, der in der Zeit des Kalten Krieges in die Sowjetunion überlief und dort als Rockstar riesige Erfolge feierte, bis er 1986 Selbstmord beging (‚Comrade Rockstar‘, 1991).

Bibliografie:

Artie Cohen-Serie: ‚Red Mercury Blues‘ – ‚Red Mercury Blues‘ (1995), ‚Hot Poppies‘ – ‚Heisser Mohn‘ (1997), ‚Bloody London‘ (1999), ‚Sex Dolls‘ (auch unter dem Titel ‚Skin Trade‘, 2002), ‚Disturbed Earth‘ – ‚Russische Verwandte‘ (2004), ‚Red Hook‘ – ‚Rote Wasser‘ (2005), ‚Fresh Kills‘ – ‚Kalter Verrat‘ (2006), ‚Londongrad‘ (2009), ‚Blood Count‘ (2010);

Einzelwerke: ‚Somebody Else‘ – ‚Das andere Gesicht‘ (2003), ‚Manhattan 62‘ (2014).