(*1923)

David D. Osborn wurde als Sohn begüterter Eltern in New York City geboren. Unmittelbar nach der Schulzeit, die er in New Mexico verbrachte, liess er sich bei der US-Army zum Piloten ausbilden, im Zweiten Weltkrieg kam er dann im Südpazifik zum Einsatz. Nach dem Krieg absolvierte er ein Studium an der Columbia University, das er sich mit PR-Arbeiten für Off Broadway-Theater verdiente. 1951 wurde er Leiter der Presseabteilung einer Werbefilm-Produktionsfirma. Vier Jahre später geriet er wegen „antiamerikanischen Aktivitäten“ ins Visier des McCarthy-Ausschusses. Er emigrierte deshalb nach Frankreich, in das Provence-Städtchen Le Bar-sur-Loup, arbeitete dort tagsüber in einem Steinbruch – und schrieb nachts erfolgreich Drehbücher für britische Film- und Fernsehproduktionen. Es folgte eine Zeit in London und Paris mit verschiedenen Tätigkeiten in der Filmindustrie. Anfang der 70er-Jahre liess er sich in einem kleinen Alpendorf in der französischen Schweiz nieder, wo er viele Jahre zurückgezogen lebte und sich vor allem dem Romanschreiben widmete. Heute lebt er in Connecticut.

Osborns belletristisches Werk enthält zehn Spannungsromane: Sieben Einzelwerke und den leichtfüssigen Dreiteiler um die freischaffende Fotojournalistin und Gelegenheitsdetektivin Margaret Barlow aus New York City, eine beherzte, athletische, jung gebliebene Witwe Ende fünfzig, die sich in ihrer Freizeit am liebsten dem Drachenfliegen hingibt.

‚Jagdzeit‘, Osborns bekanntestes, 1975 nach dem Drehbuch des Autors verfilmtes Buch ist eine schockierende Studie über die finstersten Seiten der Spezies Mensch. Es handelt von den drei recht durchschnittlich wirkenden, seit ihrer Jugendzeit eng befreundeten (bzw. durch ein gemeinsam begangenes Verbrechen aneinander gefesselten) amerikanischen Geschäftsmännern Ken, Greg und Art, die sich wie jeden Sommer von ihren Liebsten verabschieden, um in den abgelegenen Wäldern Nordamerikas der Jagd zu frönen – der Jagd auf Menschen. Sie entführen ein Liebespaar (diesmal sind es Nancy und Martin, beide verheiratet, aber nicht miteinander), demütigen und misshandeln es, bis sie es schliesslich zum Abschuss freigeben; ein vergnügliches Spiel, eine verdiente Ablenkung vom harten Berufsalltag. Doch dieses Jahr läuft’s nicht wie gewohnt – die Jäger werden von ihrer Vergangenheit eingeholt und selbst zu Gejagten. ‚Jagdzeit‘ wurde 2011 in einer neuen Übersetzung wieder veröffentlicht, abgerundet mit einem informativen Nachwort des Krimiautors Frank Göhre.

‚Der Maulwurf‘ spielt Ende der 70er-Jahre, in der Zeit der Ölkrise, die der US Regierung jetzt zum Verhängnis werden könnte. Mit dem „Unternehmen Trikolore“, ausgeheckt von dem frei schaffenden Finanzgenie Henry Jedder, gesponsert durch die Regierung, die Hochfinanz und die grossen Erdölgesellschaften, will man die europäischen Ölreserven unter Kontrolle bringen und die dadurch gewonnene Macht dazu benutzen, Europa die Senkung seiner Exporte und die gleichzeitige Erhöhung seiner Importe amerikanischer Produkte aufzuzwingen – die Wirtschaft der USA wäre gerettet (und damit auch die Regierung). Verantwortlich für die Operation ist die „Dallas Research Foundation“. Sie operiert mit Bestechung und Erpressung hochrangiger Politiker, wer nicht spurt, wird liquidiert. Frankreich soll als Versuchskaninchen dienen, die anderen Mächte Europas würden im Erfolgsfall folgen, später auch Japan. Die wichtigsten Rollen in dem undurchsichtigen Ränkespiel bekleiden (neben Jedder) Richard Ender, Chef der „Dallas Research Foundation“, sein unmittelbarer Untergebener Aaron Zeismann, ein zerrissener französisch-amerikanischer Doppelagent, der mit der Europäischen Gemeinschaft eng vertraut ist, Aarons väterlicher Mentor Paul Henry Bejerec, Leiter der französischen Geheimdienst-Organisation SDECE, Senator Julian Strachey, ein liberaler Politiker, der seit Jahren einen Kreuzzug gegen das „Big Business“ führt und Präsident der USA werden möchte, Ryan Collins, der über Leichen gehende US Botschafter in Frankreich, Arnheimer Larsen, ein ehemaliger FBI-Agent, der sich auf Folter und Mord spezialisiert hat, und Aarons Freund Louis Tattel, ein französischer Ex-Geheimagent der in Paris ein Hotel besitzt und noch immer ausgezeichnet vernetzt ist. Um diese Figuren (sowie Aarons Frau Juliet und Ex-Geliebte Margita) komponierte Osborn eine anspruchsvolle und ungemein spannende Geschichte – einzig die Schilderungen der Liebesbeziehungen fallen etwas ab.

Bibliografie:

‚The Glass Tower‘ (1971), ‚Open Season‘ – ‚Jagdzeit‘ (1974), ‚French Decision‘ – ‚Der Maulwurf‘ (1980), ‚Love and Treason‘ – ‚Schach der Dame‘ (1982), ‚Jessica and the Crocodile Knight‘ (1984), ‚Heads‘ – ‚Köpfe‘ (auch unter dem Titel ‚Tödliches Experiment‘, 1985), ‚The Last Pope‘ (2004);

Margaret Barlow-Trilogie: ‚Murder on Martha’s Vineyard‘ – ‚Mord auf Martha’s Vineyard‘ (1988), ‚Murder on the Chesapeake‘ – ‚Mord an der Chesapeake Bay‘ (1992), ‚Murder in the Napa Valley‘ – ‚Mord in Napa Valley‘ (1993).