(1929-2001)

Peter Maas wurde in New York City als Sohn niederländisch-irischer Vorfahren geboren und wuchs in der Upper West Side in einer multikulturellen Umgebung auf. Sein Studium der Politikwissenschaften an der Duke University in Durham, North Carolina, schloss er 1949 mit einem Bachelor ab. Danach bildete er sich ein Jahr an der Sorbonne weiter und veröffentlichte nebenbei Artikel in der Pariser Ausgabe des ‚Herald Tribune‘, bevor er während des Koreakriegs von 1952 bis 1954 freiwillig bei der Navy diente, ohne direkt ins Kriegsgeschehen verwickelt zu werden. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt schrieb er zwei Jahre für das Unterhaltungsressort des Magazins ‚Collier’s‘. Nachdem dessen Publikation im Januar 1957 eingestellt wurde, widmete er sich hauptberuflich dem Hummerfang, bis er 1959 zum Journalismus zurückkehrte. Er arbeitete der Reihe nach für das Magazin ‚Look‘, das NBC-TV-Programm ‚David Brinkley’s Journal‘ und die New Yorker Zeitung ‚Saturday Evening Post‘ und wurde weitherum bekannt für seine aufwändige und akribische Recherchearbeit und seinen literarisch anspruchsvollen Reportage-Stil – in den 60er- und 70er-Jahren gehörte er zu den angesehensten Enthüllungsjournalisten der Vereinigten Staaten.

Während seiner Zeit bei der ‚Post‘ stiess Maas auf die Geschichte des Mafiakillers Joe Vallachi, der die Fronten gewechselt hatte, um für die amerikanische Regierung zu arbeiten bzw. seine Haut möglichst teuer zu verkaufen. Den dreiteiligen in der ‚Saturday Evening Post‘ veröffentlichten Artikel brachte er schliesslich (gegen heftigen Widerstand der Regierung, die es sich mit den italienischen Einwanderern nicht verderben wollte) in Buchform – die ‚Vallachi Papers‘ verkauften sich gegen 3 Millionen Mal und wurden mit Charles Bronson in der Hauptrolle verfilmt. Vier Jahre später erschien Maas‘ zweites und ebenso erfolgreiches Sachbuch ‚Serpico‘ über den grundehrlichen NYPD-Cop Frank Serpico, der Kopf und Kragen riskierte, als er seine korrupten Kollegen hochgehen liess.

1994 brachte Maas den meisterhaft gebauten, figurenreichen Spannungsroman ‚China White‘ zu Papier. Der mächtige Triadenboss Y.K. Deng, ein Mann mit gut getarnter verbrecherischer Vergangenheit, befürchtet zu Recht, dass die in wenigen Jahren bevorstehende Rückgabe Hongkongs an China seine Geschäfte empfindlich stören könnte, und sucht deshalb einen neuen Standort, vorzugsweise in New York City. Eine Grossladung reinen Heroins – das berüchtigte „China White“ – soll ihm den Weg zu neuem Glanz und Vermögen ebnen. Seine härteste Gegnerin ist die abgebrühte FBI-Drogenfahnderin Shannon O’Shea, doch auch der Mafioso Big Frank Lucano, der um seine Pfründe bangt, ist nicht zu unterschätzen. Eine besonders heikle Aufgabe aber erwartet den New Yorker Anwalt Tom McLean: Er ist der Sohn eines CIA-Agenten, der vor vielen Jahren bei Dengs Aufstieg eine wichtige Rolle gespielt hat, und zudem seit kurzem eng liiert mit  Shannon O’Shea, und jetzt soll er im Auftrag der Sozietät Needham & Lewis Dengs Interessen vertreten – heftige Gewissenskonflikte sind die Folge. ‚China White‘ ist – wie Nick Tosches‘ im selben Jahr erschienener Roman ‚Die Meister des Bösen‘ – ein Meilenstein des Mafiathrillers moderner Prägung.

Maas war dreimal verheiratet: Von 1962 bis zu ihrem Unfalltod 1975 mit der Filmproduzentin und Autorin Audrey Gellen, danach mit der Immobilienmaklerin Laura Parkins, von der er sich nach ein paar Jahren scheiden liess, und schliesslich mit der Gastronomin Suzanne Jones. Der Vater zweier Söhne (John-Michael aus erster und Terrance aus dritter Ehe) starb 72-jährig in New York City, wo er den grössten Teil seines Lebens verbracht hatte.

Bibliografie:

Fiction: ‚Made in America‘ – ‚Alptraum vom Ruhm‘ (1979), ‚Manhunt‘ – ‚Verrat in Tripolis‘ (1986), ‚China White‘ – ‚China White‘ (1994);

Non-Fiction: ‚The Valachi Papers‘ – ‚Die Valachi-Papiere‘ (1969), ‚Serpico‘ – ‚Serpico‘ (1973), ‚King of Gypsies‘ (1975), ‚Marie: A True Story‘ (1983), ‚In a Child’s Name‘ (1900), ‚Killer Spy‘ (1996), ‚Underboss‘ (1997), ‚The Terrible Hours‘ – ‚Stunden der Angst‘ (1999).