Kürzel für Detlef Bernd Blettenberg, *1949)

D.B. Blettenberg, geboren als einziges Kind einer Arbeiterfamilie in der Ortschaft Wirges im Westerwald, Rheinland-Pfalz, aufgewachsen bis zu seinem zwölften Lebensjahr in der benachbarten Dorfgemeinde Elgendorf, besuchte drei Jahre das Gymnasium in Montabaur, ebenfalls Rheinland-Pfalz, und anschliessend drei Jahre das Werdenfelser Gymnasium im bayerischen Garmisch-Partenkirchen. Ab 1966 absolvierte er in Leverkusen eine Lehre als Technischer Zeichner im Maschinenbau. Nach dem Wehrdienst übte er seinen erlernten Beruf in der Industrie aus, ehe er 1972 zur Deutschen Entwicklungshilfe wechselte und als Ausbilder und Projektleiter in Ecuador (1972-76), Thailand (1982-86), Nicaragua (1992-94) und Ghana (2003-04) tätig war – und so die Schauplätze seiner Spannungsromane hautnah kennen lernte. Zwischen seinen Auslandeinsätzen arbeitete er als Referent für Berufsausbildung und Gewerbeförderung in Bonn und Berlin und verfasste Fachbeiträge zu diesen Themen.

Blettenberg veröffentlichte 1981 seine erste von zahlreichen Reportagen, später kamen Essays, Kurzgeschichten, die abenteuerliche Erzählung ‚Victoria Falls‘, Drehbücher für Kino und Fernsehen sowie, vor allem, elf Spannungsromane hinzu. Als Wegbereiter des an internationalen Schauplätzen spielenden deutschen Politromans ist er einer der wenigen deutschen Krimiautoren von Weltrang – und dennoch (auch in seiner Heimat) bis heute ein Geheimtipp geblieben.

Blettenbergs erster Roman ‚Weint nicht um mich in Quito‘ handelt von einer Mordserie an Gewerkschaftern in Ecuadors durch eine Militärjunta regierter Hauptstadt Quito. Der Deutsche Wolf Strassner, seit drei Jahren in Lateinamerika ansässiger Ausbilder für Kommando-Unternehmen, ein hart gesottener Abenteurer mit unberechenbarem Sexualtrieb, dem das Schiesseisen gut in der Hand liegt, wird mehr oder weniger zufällig in die Affäre verwickelt. Er erledigt den Killer und gleich auch noch dessen rechtsradikalen Drahtzieher.

Wolf Strassner ist auch  in ‚Agaven sterben einsam‘ im Einsatz, der aus zahlreichen Perspektiven erzählten Geschichte des gescheiterten ecuadorianischen Putschisten Rodrigo Montalvo Mera, der nach drei Jahren Exil eine glorreiche Rückkehr in seine Heimat plant, um der Militärdiktatur ein Ende zu setzen – Strassner soll dies mit allen Mitteln verhindern.

Die beiden Ecuador-Romane sind 2005 als Doppelband unter dem Titel ‚Blut für Bolivar‘ neu veröffentlicht worden.

‚Siamesische Hunde‘, angesiedelt in Thailand, kreist um zwei deutsche Männer – den auf Landwirtschaft spezialisierten Entwicklungshelfer Michael Brandau und den Reporter Dulf Dombrowsky, der sich auf der Suche nach dem verschollenen Ex-Geheimdienstagenten und Seidenkönig Jim Thompson befindet -, die beide in das Visier der Drogenmafia, verschiedener Geheimdienste und der organisierten Kriminalität geraten. In wichtigen Nebenrollen: Brandaus Freundin Robin Royce, der Hundefänger Khun Bao und der chinesische Mafioso Milano Fong.

Thailand bildet auch für Blettenbergs fünften Roman ‚Farang‘ die Kulisse. Der 26-jährige Eurasier Surasak „Farang“ Meier, Waise eines deutschen Vaters und einer thailändischen Edel-Prostituierten, aufgewachsen in Bangkok unter den Fittichen eines mächtigen Generals, arbeitet in der „Stadt der Engel“ als Leibwächter und Privatschnüffler. Er ist mit einem simplen Beschattungsauftrag beschäftigt, als eine Serie von Mordanschlägen auf Touristen seinen Freund, den Journalisten Tony Rojana, auf den Plan ruft. Und ausgerechnet jetzt macht Farangs deutscher Halbbruder Peter Meier Urlaub in Thailand – und wird das nächste Opfer des Touristenkillers.

In ‚Blauer Rum‘ lässt sich Kurt Schulz, ein in Nicaragua den vorzeitigen Ruhestand geniessender, längst aller Illusionen beraubter Dschungelkämpfer (sein angestammter Name lautet Wolf Strassner…) nicht zuletzt aus Liebesgründen noch einmal auf ein gefährliches Abenteuer ein, in dem es um Drogen, Macht und sehr viel Geld geht; ein Himmelfahrtskommando, das ihn von Managua über Panama und Jamaica nach New York City und schliesslich nach Miami führt, und das nur wenige Beteiligte (darunter Schulz) mit heiler Haut überstehen.

‚Null Uhr Managua‘ spielt im Nicaragua des Jahres 1993, das nach der Abwahl der sandinistischen Regierung im Chaos versunken ist. Der deutsche Zentralamerika-Experte Max Nordmann erhält von Bonn die Aufgabe, das Land auf seine demokratischen Fortschritte hin zu überprüfen und herauszufinden, wie es mit Mord, Plünderung und Terrorismus aussieht – beziehungsweise ob es sinnvoll ist, dort weiterhin Wirtschaftshilfe zu leisten. Die attraktive Diplomatin Barbara Beck steht ihm dabei zur Seite. Bei seinen zäh verlaufenden Recherchen trifft Nordmann auf Gruppierungen, die ganz unterschiedliche Interessen verfolgen – Geheimdienste, Militärs, marodierende Gangs und internationale Terroristen -, aber auch auf den früheren sandinistischen Kämpfer Rubén Dario, der jetzt ehemalige Contra-Generäle mit der Machete zerstückelt. Immer tiefer verstrickt sich der Deutsche in diesem undurchdringlichen Netz, bis er und Barbara schliesslich entführt werden – als Geiseln und Köder zugleich.

‚Berlin Fidschitown‘ sieht zum zweiten Mal den in Bangkok lebenden Eurasier Farang als Hauptfigur. Von seinem Ziehvater wird er beauftragt, den ehemals in Bangkok operierenden, jetzt in Berlin untergetauchten deutsch-stämmigen „Paten“ Gustav Thorn aufzuspüren, der auch von der suspendierten Kommissarin Romy Asbach und der Journalistin Heliane Kopter gejagt wird. Thorn hat sich jedoch ausgerechnet in Fidschitown verkrochen, Berlins düsterem unterirdischem Stollen- und Bunkersystem, in dem sich zwei vietnamesische Gangs mit härtesten Bandagen bekämpfen und den Südvietnam-Vietcong-Konflikt noch einmal aufleben lassen. Auch eine mafiose chinesische Bande, Farangs alte Kumpel Tony Rojana (der „Kamikaze“-Journalist) und Bobby Quinn (der amerikanische Vietnamveteran mit dem nom de guerre „die Tunnelratte“) sowie die Mitglieder eines deutschen Kinderprostitutionsrings mischen kräftig mit.

In ‚Land der guten Hoffnung‘ soll Helm Tempow, ein ehemaliger Entwicklungshelfer aus Deutschland, der sich darauf spezialisiert hat, verschwundene Personen aufzuspüren, in Südafrika einen Mann ausfindig machen, der vor Jahren, noch vor dem Ende der Apartheid, am Kidnapping einer deutschen Reederstochter beteiligt war. Im Zuge seiner Ermittlungen stellt Tempow fest, dass auch das ehemalige Opfer Rena Carstens, das sich damals in ihren Entführer verliebt und von ihm ein Kind bekommen hat, in den Fall involviert ist. Dann werden wichtige Zeugen umgebracht, der Fall erhält eine ungeahnte politische Dimension – für Tempow beginnt ein Kampf um Leben und Tod in einem Land, in dem fast jeder seine Unschuld verloren hat.

Blettenbergs elfter, knapp 600 Seiten umfassender Roman ‚Murnaus Vermächtnis‘ (der Titel bezieht sich auf den berühmten deutschen Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau), eine opulente Mischung aus Abenteuer-, Polit- und Kriminalroman, aus Fiktion und Fakten, ist überwiegend im Schwarzafrika des Jahres 2004 angesiedelt. Im Brennpunkt steht der Ex-Fremdenlegionär Victor Voss, Spross eines Ghanaers und einer Deutschen, der als Reisebegleiter in Accra, der Hauptstadt Ghanas, lebt und arbeitet und durch seinen geheimnisvollen, keinen Schatten werfenden Kunden und Murnau-Fan Albin Grau in eine farbenprächtige Geschichte um Inzest und Liebe, Okkultismus und Sektiererei, Film- und Kolonialgeschichte, Tabubrüche und Mord verwickelt wird.

Seit 1978 besitzt Blettenberg einen festen Wohnsitz in Berlin, seit 1994 als freier Autor. Er ist mit der Schauspielerin Andrea Heuer verheiratet.

Bibliografie:

Wolf Strassner-Romane: ‚Weint nicht um mich in Quito‘ (1981), ‚Agaven sterben einsam‘ (1982), ‚Blauer Rum‘ (1995);

Farang-Romane: ‚Farang‘ (1988), ‚Berlin Fidschitown‘ (2003), ‚Falken jagen‘ (2018);

Einzelwerke: ‚Barbachs Bilder‘ (1984), ‚Siamesische Hunde‘ (1987), ‚Harte Schnitte‘ (1995), ‚Null Uhr Managua‘ (1997), ‚Land der guten Hoffnung‘ (2006), ‚Murnaus Vermächtnis‘ (2010).