(Pseudonym für Ralph Hammond-Innes, 1913-1998; schrieb auch als Ralph Hammond)

Hammond Innes, der durch alle Meere gesegelt war und daher die Schauplätze seiner Geschichten aus eigener Erfahrung kannte, zählte in den 40er- und 50er-Jahren zu den bedeutendsten Exponenten des britischen Abenteuerromans. Sein zentrales Thema: Der Mensch im Kampf mit Naturkräften.

Geboren in Horsham, Sussex, als Spross schottischer Vorfahren, ausgebildet an der Cranbrook School in Kent, verliess Innes die Schule mit achtzehn, um Journalist zu werden. Von 1934 bis 1940 arbeitete er für die Zeitung ‚Financial News‘. 1937 heiratete er die Schauspielerin Dorothy Mary Lang, kurz danach veröffentlichte er seinen ersten Roman ‚The Doppelganger‘. Im Zweiten Weltkrieg diente er bei der Royal Artillery. Er stieg in den Rang eines Majors auf und war darüber hinaus Redakteur bei britischen Armeezeitungen.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst stellte Innes 1946 das Schreiben in den Mittelpunkt seines Berufslebens, der internationale Durchbruch folgte drei Jahre später mit ‚Der weisse Süden‘. Bis 1996 verfasste er über dreissig Romane für Erwachsene, daneben Kinder-, Sach- und Reisebücher und Artikel für das amerikanische Reisemagazin ‚Holiday‘. 1978 wurde er zum „Commander of the British Empire“ ernannt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Suffolk, wo er 84-jährig starb.

‚Der weisse Süden‘ erzählt von einer riesigen Walfangfahrt in die Antarktis, die von Beginn an unter schlechtem Stern steht. Zuerst fällt der Expeditionsleiter Bernt Nordahl unter seltsamen Umständen über Bord, worauf das Kommando an den blutigen Anfänger Erik Bland übergeht, den geltungssüchtigen und kalt berechnenden Sohn des Vorsitzenden des Aufsichtsrats der South Antarctic Whaling Company. Dann setzen sich die Wale in den Süden ab, wo Packeis und Eisberge eine flüssige Fahrt verunmöglichen. Schliesslich wird das von zahlreichen Fang- und Schleppbooten, einem Kühlschiff und einem Tanker begleitete Mutterschiff „Southern Cross“ im Weddellmeer von Packeis eingeschlossen und langsam zermalmt, sodass sich die aus über 400 Mann bestehende Besatzung aufs Eis retten muss. Es kommt zu einem von Nahrungsknappheit und Stürmen geprägten Überlebenskampf, zu Meutereien und Intrigen – mit Erik Bland und dem Ich-Erzähler Duncan Craig, einem erfahrenen und charakterstarken Seemann, als wichtigste Kontrahenten. Als sich Craig und Blands ebenfalls an der Reise teilnehmende Frau Judie (Nordahls Tochter!), die für ihren Gatten längst nur noch tiefe Verachtung empfindet, immer stärker zueinander hingezogen fühlen, wird die Stimmung explosiv – es kommt zu einem spektakulären Showdown. ‚Der weisse Süden‘ zählt zu Innes‘ herausragenden Werken. Der Rowohlt-Verlag legte es dem Leser seinerzeit mit folgenden haarsträubenden Zeilen ans Herz: „Wir fühlen uns zugleich an Jack London und an Edgar Wallace erinnert, wenn Hammond Innes Naturkatastrophen, Mord und Meuterei zu einer bewegten Handlung verbindet“.

‚Der Schiffbruch der Mary Deare‘ befasst sich mit einer mysteriösen Katastrophe auf hoher See. Während der Fahrt vom Fernen Osten nach Europa erleidet der Dampfer „Mary Deare“ nach einer Reihe von Unglücksfällen – der Kapitän James Taggert erliegt überraschend seiner Trunksucht, der „Mary Deare“-Besitzer Dellimare, einer der Reeder der „Dellimare Gesellschaft“, wird offenbar von Bord gespült, und im Funkraum bricht Feuer aus – Schiffbruch im Ärmelkanal. Die in Panik geratene 30-köpfige Crew versucht verzweifelt, sich mit Booten zu retten, dabei kommen zwölf Mann ums Leben. Gideon Patch, ein hart gesottener Seemann mit obskurer Vergangenheit, verharrt allein auf der absaufenden „Mary Deare“ – und überlebt, unterstützt durch John Sands, einen Fachmann für Bergungsarbeiten, der mit seiner Jacht zufällig auf den Dampfer getroffen ist. Als sich im Verlauf der folgenden Seegerichtsverhandlung die Zweifel an Patchs Version der Geschehnisse mehren, wird dem Seemann klar, dass er das Schiffswrack als Beweismittel braucht, um den von ihm vermuteten Versicherungsbetrug zu beweisen – zusammen mit Sands kehrt er zur „Mary Deare“ zurück. Der gleichnamige Film kam 1959 in die Kinos. Drehbuch: Eric Ambler (!), Regie: Michael Anderson, Hauptrollen: Gary Cooper (Patch) und Charlton Heston (Sands).

Den geschichtlichen Hintergrund des Spätwerks ‚Isvik‘, einer gut abgehangenen Mischung aus Abenteuerroman, Polit- und Psychothriller, bilden die Schreckensherrschaft der argentinischen Militärjunta sowie der Falklandkrieg, der dem mörderischen Treiben der Generale ein Ende setzte. „Isvik“ ist der Name eines Schoners, mit dem eine bunt zusammen gewürfelte Crew unter der Leitung des undurchsichtigen einarmigen Schotten Iain Ward in die Antarktis schippert, um die zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaute, im Weddellmeer von Packeis eingeschlossene Holz-Fregatte „Andros“ zu bergen. Mit an Bord: Der Ich-Erzähler Peter Kettil, ein Fachmann für Holzpräservierung und passionierter Hobbysegler, die reizvolle Witwe Iris Sunderby, deren Mann, ein Eisforscher, mit seinem Flugzeug abstürzte, kurz nachdem er die Fregatte gesichtet hatte, und der charmant auftretende Argentinier Angel Borgalini, der auch als „Engel des Todes“ bekannt ist. Was die Abenteurer dann auf dem Holzschiff entdecken, ist an Grauen fast nicht zu überbieten.

Bibliografie:

‚The Doppelganger‘ (1937), ‚Air Disaster‘ (1937), ‚Sabotage Broadcast‘ (1938), ‚All Roads Lead to Friday‘ (1939), ‚The Trojan Horse‘ (1940), ‚Wreckers Must Breathe‘ (auch unter dem Titel ‚Trapped‘, 1940), ‚Attack Alarm‘ (1941), ‚Dead or Alive‘ (1946), ‚Killer Mine‘ – ‚Die Todes-Mine‘ (1947), ‚The Loneley Skier‘ (auch unter dem Titel ‚Fire in the Snow‘, 1947), ‚The Blue Ice‘ – ‚Das blaue Eis‘ (1948), ‚Maddon’s Rock‘ (auch unter dem Titel ‚Gale Warning‘) – ‚Das Schiff im Felsen‘ (1948), ‚The White South‘ (auch unter dem Titel ‚The Survivors‘) – ‚Der weisse Süden‘ (1949), ‚The Angry Mountain‘ – ‚Der flammende Berg‘ (1950), ‚Air Bridge‘ – ‚Die Luftbrücke‘ (1951), ‚Campbell’s Kingdom‘ – ‚Campbells Königreich‘ (auch unter dem Titel ‚Öl in den Rocky Mountains‘, 1952), ‚The Strange Land‘ (auch unter dem Titel ‚The Naked Land‘) – ‚Es begann in Tanger‘ (1954), ‚The Wreck of the Mary Deare‘ – ‚Der Schiffbruch der Mary Deare‘ (1956), ‚The Land God Gave to Cain‘ – ‚Labrador, das Land Kains‘ (1958), ‚The Doomed Oasis‘ – ‚Die verlorene Oase‘ (1960), ‚Atlantic Fury‘ – ‚Rasender Atlantik‘ (1962), ‚The Strode Venturer‘ – ‚Die weissen Wasser‘ (auch unter dem Titel ‚Die verschwundene Insel‘, 1965), ‚Levkas Man‘ – ‚Tod auf Leukas‘ (1971), ‚Golden Soak‘ – ‚Das Gold der Wüste‘ (1973), ‚North Star‘ – ‚Nordstern‘ (1975), ‚The Big Foodprints‘ – ‚Die Fährte des Elefanten‘ (1977), ‚The Last Voyage‘ – ‚Captain Cooks letzte Reise‘ (1978), ‚Solomon’s Seal‘ – ‚Zwei Penny für ein tolles Leben‘ (1980), ‚The Black Tide‘ – ‚Die schwarze Flut‘ (1982), ‚High Stand‘ – ‚Die Yukon-Affäre‘ (1985), ‚Medusa‘ (1988), ‚Isvik‘ – ‚Isvik‘ (1991), ‚Target Antarctica‘ (1993), ‚Delta Connection‘ (1996).