(Pseudonym für Oswald Morris Wynd, 1913-1998)

Geboren in Tokio als jüngstes von vier Kindern schottischer Missionare, war Oswald Morris Wynd schottisch-japanischer Doppelbürger und wuchs zweisprachig auf. Er verbrachte seine ersten achtzehn Lebensjahre in Japan und studierte anschliessend an der University of Edinburgh. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ging er zu den traditionsreichen Scots Guards, später wechselte er zum Nachrichtendienst. In Malaysia erlebte er die Invasion der Japaner, geriet für dreieinhalb Jahre in japanische Kriegsgefangenschaft und entging nur knapp der Hinrichtung. In dieser Zeit schrieb er seinen ersten, stark autobiografisch gefärbten Roman ‚Black Fountains‘.

Als Wynd endlich auf freien Fuss kam, schwor er, nie wieder japanischen Boden zu betreten. Nach kurzem Zwischenhalt auf den Philippinen und der Heirat mit Jan Muir liess er sich auf der Hebriden-Insel Lismore vor der schottischen Küste nieder. 1953 bezog das kinderlose Paar Wohnsitz im Küstenort Crail auf der schottischen Halbinsel Fife. Er starb dort kurz nach seinem 85. Geburtstag nach längerer Krankheit.

Unter dem Pseudonym Gavin Black veröffentlichte der Autor von 1961 bis 1979 die dreizehnbändige Serie um den schottischen, jedoch in Malaysia geborenen Geschäftsmann Paul Harris – eine intelligente, moralisch integre Figur, die man gerne bei ihren Abenteuern begleitet. Als Inhaber der Reederei Hok Lin Company mit Hauptsitz in London und einer Niederlassung in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur operiert der schottisch-malaysische Doppelbürger vorwiegend in Fernost (nur die Bände 7 und 11 spielen in Grossbritannien) und wird dabei, meist ohne es zu wollen, in internationale Intrigen verwickelt. Die sorgfältig recherchierten, in einem subtil-ironischen Stiel erzählten Krimis gefallen durch farbige Schilderungen der südostasiatischen Inselwelt, schnörkellose Plots und einfühlsam gezeichnete Haupt- und Nebenfiguren.

Zu Beginn des ersten Bandes ‚Überraschung in Singapur‘ erreicht Paul Harris die Nachricht, dass sein älterer Bruder und Geschäftspartner Jeff in Singapur erschossen worden ist. Da ihm die Zusammenarbeit mit der von Kang angeführten örtlichen Polizei nicht ratsam erscheint, beschliesst Paul, den Mörder auf eigene Faust zu finden. Entscheidende Rollen in der dramatischen Geschichte spielen drei Frauen aus Pauls unmittelbarer Umgebung – seine Frau Ruth, von der er sich entfremdet hat, seine Geliebte Kate, eine amerikanische Journalistin, und seine Sekretärin Sylvia Flores.

Der dritte Titel ‚Ein Drachen zum Fest‘ sticht aus der nicht zwingend chronologisch zu lesenden Reihe um einen Hauch hervor. Paul Harris reist nach Peking, um den Chinesen eintausend Schiffsmotoren zu verkaufen und seine Jugendfreundin, die einflussreiche Ärztin Florence Yin, wieder einmal zu sehen. Doch kurz nach seiner Ankunft wird ihm eine männliche Leiche ins Hotelzimmer gelegt, man schiesst auf ihn, schlägt ihn zusammen – die langen Schatten der Vergangenheit, als er in japanische Kriegsgefangenschaft geriet und sich mächtige Feinde zugezogen hat. Detail- und kenntnisreiche Beschreibungen eines Rotchinas, das durch Schauprozesse, willkürliche Verhaftungen und scheussliche Arbeits- und Umerziehungslager geknüppelt wird, während die Parteibonzen gleichzeitig ihre pompösen Empfänge inszenieren, machen ‚Ein Drachen zum Fest‘ zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Im neunten Roman ‚Bitterer Tee‘ werden Pauls Harris‘ Nerven von Beginn an arg strapaziert: Der plötzliche Herztod des betagten Mitbegründers der Reederei führt zu einem internen Machtkampf mit ungewissem Ausgang. Fast gleichzeitig trifft Paul in einem Luxushotel oberhalb von Kuala Lumpur die kluge thailändische Schönheit Ranya, wird Zeuge eines Mordanschlags auf einen chinesischen Minister – und sieht, als einziger, den Attentäter. Diese Ereignisse verwebt Black zu einer vielschichtigen, fesselnden Geschichte mit spektakulärem Finale. Und Paul gewinnt eine neue Geschäftspartnerin namens – Ranya.

Wynds übriges – mit zwei Ausnahmen unter bürgerlichem Namen erschienenes – Werk umfasst fünf weitere Krimi sowie Essays, Hörspiele, Fernsehdrehbücher und Unterhaltungsromane, unter ihnen ‚The Ginger Tree‘ (1977, keine deutsche Übersetzung), sein bekanntestes Buch, das im Japan des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt ist.

Bibliografie:

Paul Harris-Serie: ‚Suddenly, at Singapore‘ – ‚Überraschung in Singapur‘ (auch unter dem Titel ‚Mord in Singapur‘, 1961), ‚Dead Man Calling‘ – ‚Gelbe Haut und blaue Augen‘ (1962), ‚A Dragon for Christmas‘ – ‚Ein Drachen zum Fest‘ (1963), ‚The Eyes Around Me‘ – ‚Mord in der Neujahrsnacht‘ (1964), ‚You Want to Die, Johnny?‘ – ‚Willst du sterben, Johnny?‘ (1966), ‚The Wind of Death‘ (1967), ‚The Cold Jungle‘ (1969), ‚A Time for Pirates‘ – ‚Piraten in Malaysia‘ (1971), ‚The Bitter Tea‘ – ‚Bitterer Tee‘ (1972), ‚The Golden Cockatrice‘ (1974), ‚A Big Wind for Summer‘ (auch unter dem Titel ‚Gale Force‘, 1975), ‚A Moon for Killers‘ (auch unter dem Titel ‚Killer Moon‘, 1976), ‚Night Run from Java‘ – ‚Flucht aus Java‘ (1979);

Einzelwerke: ‚The Fatal Shadow‘ (1983), ‚A Path for Serpents‘ (1991);

Einzelwerke als Oswald Wynd: ‚Death, the Red Flower‘ (1965), ‚Walk Softly, Men Praying‘ (1967), ‚Sumatra Seven Zero‘ (1968).