(*1953)

Jay Robert Brandon ist ein eingefleischter Texaner. Geboren in Dallas als Sohn einer Sekretärin und eines Maschinenhändlers, wuchs er in San Antonio auf. Sein Studium absolvierte er an der University of Texas, der John Hopkins University und der University of Houston mit einem Abschluss 1985 als Doktor der Jurisprudenz. Danach arbeitete er am höchsten Gerichtshof des Staates Texas sowie, von 1990 bis 2011, als Spezialist für Familien- und Strafrecht mit eigener Kanzlei. Seit 2011 wirkt er als Staatsanwalt in San Antonio. Er ist mit Yolanda Cardenas verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Nebenberuflich hat Brandon seit 1985 achtzehn Kriminalromane verfasst – faszinierende Mixturen aus Gerichtsthriller und psychologischer Studie: elf Einzelwerke, den (nicht auf Deutsch vorliegenden) Fünfteiler um den texanischen Staatsanwalt Chris Sinclair aus San Antonio sowie zwei Mark Blackwell-Romane, unter ihnen ‚Fade the Heat‘ (‚Im Namen der Wahrheit‘), mit dem ihm 1990 den Durchbruch gelang. 1996 erschien das Sachbuch ‚Law and Liberty – a History of the Legal Profession in San Antonio‘.

Mark Blackwell, ein mutiger, unbestechlicher Bezirksstaatsanwalt in San Antonio und verheirateter Familienvater Mitte vierzig, feiert mit seinen Kollegen und seiner Partnerin und Freundin Linda Alaniz den Gewinn eines grossen Prozesses, als er erfährt, dass sein 23-jähriger Sohn David der Vergewaltigung der schwarzen Putzfrau Mandy Jackson angeklagt wird. Um jeden Verdacht des Amtsmissbrauchs von vornherein auszuschliessen, überträgt Blackwell den Fall zwei Sonderstaatsanwälten, während ein gewisser Henry Koehler Davids Verteidigung übernimmt. Ganz anders als David erweist sich Mandy dann als äusserst glaubwürdige Zeugin, die Geschworenen fällen einen Schuldspruch, und David landet im texanischen Staatsgefängnis. Wenig später begegnet Blackwell einem adretten kleinen Mann von zweifelhaftem Ruf, dessen Aussage dem Fall eine dramatische Wendung gibt. ‚Im Namen der Wahrheit‘, ein mitreissender, von sorgfältig gestalteten Charakteren getragener (leider etwas holprig ins Deutsche übertragener) Justizkrimi, wirft ein scharfes Licht auf das Rechtswesen der Vereinigten Staaten, auf die Winkelzüge und Kuhhändel seiner Repräsentanten.

Drei Jahre später, im Roman ‚Unter Zwang‘ (in einer vorzüglichen deutschen Übersetzung als Hardcover erschienen), amtet Mark Blackwell noch immer als Bezirksstaatsanwalt, doch seine Ehe mit Lois und seine Beziehung mit Linda sind zerbröckelt. Der Angeklagte ist diesmal der einflussreiche und allseits beliebte Anwalt Austin Paley, der des vielfachen sexuellen Missbrauchs von kleinen Kindern verdächtigt wird. Durch seine Recherchen macht sich Blackwell die gesamte politische Elite der Stadt zum Feind, und selbst Eliot Quinn, sein früherer Mentor und väterliche Freund, stellt sich ihm entgegen, indem er Paleys Verteidigung übernimmt. Äusserst feinfühlig nähert sich Jay Brandon dem komplexen Thema Kindesmisshandlung, grossartig schildert er den dramatischen Schlagabtausch im Gerichtssaal.

Der Standalone ‚So wahr ihr Gott helfe‘ behandelt eine Familientragödie. Schauplatz ist der (fiktive) osttexanische Ort Galilee, deren ökonomisches Herz, eine Fabrik für Unterwäsche, im Besitz der Matriarchin Alice Beaumont steht. Die kleinstädtische Idylle wird jäh zerstört, als Alices Tochter Lorrie und deren Ehemann gewaltsam ums Leben kommen und ihr Baby entführt wird. Billy Fletcher, Geschäftsleiter der Fabrik wird der Verbrechen angeklagt. Die junge, ungemein zähe und engagierte Sonderstaatsanwältin Kelsey Thatch übernimmt den Part der Klägerin, während Clyde Wolverton mit Billys Verteidigung betraut wird. Zwischen den Fronten steht Billys Bruder Morgan, der Gatte von Alices zweiter Tochter Katherine – und Staatsanwalt von Galilee. Bei ihren hartnäckigen und mutigen Ermittlungen muss Kelsey Thatch ein dichtes Netz von Familienintrigen, Misstrauen, Rachsucht und Hass entwirren, bis sie dem wahren Täter auf die Schliche kommt.

Bibliografie:

Einzelwerke: ‚Deadbolt‘ (1985), ‚Tripwire‘ (1987), ‚Predator’s Waltz‘ (1989), ‚Rules of Evidence‘ – ‚Die Ohnmacht der Beweise‘ (1992), ‚Local Rules‘ (1995), ‚Defiance County‘ – ‚So wahr ihr Gott helfe‘ (1996), ‚Executive Privilege‘ (2001), ‚Milagro Lane‘ (2009), ‚The Jetty‘ (gemeinsam mit Joe Labatt, 2012), ‚Shadow Knight’s Mate‘ (2014), ‚Thanksgiving Eve‘ (2016), ‚Against the Law‘ (2018);

Mark Blackwell-Romane: ‚Fade the Heat‘ – ‚Im Namen der Wahrheit‘ (1990), ‚Loose Among the Lambs‘ – ‚Unter Zwang‘ (1993);

Chris Sinclair-Serie: ‚Angel of Death‘ (1998), ‚After-Image‘ (2000), ‚Silver Moon‘ (2003), ‚Grudge Match‘ (2004), ‚Running with the Dead‘ (2005).