(1942-2017; schrieb auch als Francis Bryan)

Geboren und aufgewachsen in Thomastown, Tipperary, im Süden Irlands als Sohn einer Kindergärtnerin und eines Grundschullehrers, arbeitete Frank Delaney von 1961 bis 1972 bei der Bank of Irland, anschliessend als Nachrichtensprecher für den Hörfunk und schliesslich als Reporter der BBC in Dublin, ehe er sich in London niederliess und diverse Kultursendungen für die BBC und andere Hörfunk- und Fernsehstationen betreute. Berühmt wurde er aufgrund seiner Literatursendung, in der er über tausend Autoren und Autorinnen interviewte, und seiner Analysen von James Joyces monumentalem Werk ‘Ulysses’. 2002 übersiedelte er in die USA und bezog Wohnsitz in Kent, Connecticut.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit begann Frank Delaney Ende der 80er-Jahre eine schrifstellerische Laufbahn. Sein belletristisches Werk enthält knapp ein Dutzend historische Romane über Irland sowie drei Krimis, die Nicholas Newman-Trilogie, deren erster Band ‘The Amethysts’ unter dem Titel ‘Das zweite Leben’ auch auf Deutsch vorliegt.

Delaney war viermal verheiratet: Ab 1966 mit Eilish Kelliher, der Mutter seiner drei Söhne, ab 1988 mit Susan Collier, ab 1999 mit der Autorin Salley Vickers – diese Ehen wurden geschieden – und ab 2002 bis zu seinem Tod mit der Werbefachfrau Diane Meier. Er starb 74-jährig im Krankenhaus Danbury, Connecticut, an den Folgen eines Hirnschlags.

‘Das zweite Leben’, eine düstere, literarisch anspruchsvolle Mischung aus Psychothriller und Liebesroman mit eingeschobenen Verhörprotokollen und Tagebuchnotizen aus der Vergangenheit, kreist um die Ermordung dreier jüdischer Frauen, die vor über vierzig Jahren, als sie noch Kinder waren, von den Nazis für irrwitzige, unfassbar grausame Experimente missbraucht worden sind. Als Ich-Erzähler figuriert der Geliebte einer der Toten, der Londoner Star-Architekt Nicholas Newman, nach einer schlimmen Kindheit ein zerrissener, beziehungsunfähiger Mann Ende dreissig. Als er von Schuldgefühlen geplagt die Hintergründe der Verbrechen zu erforschen beginnt, lernt er zufällig ein  extravagantes ungarisches Ehepaar kennen – und dann läuft sein Leben jäh aus dem Ruder: Seine Bankkonten werden geplündert, seine Wohnung wird total verwüstet, und nur knapp überlebt er eine Reihe von Mordanschlägen. Nach mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt einigermassen wieder hergestellt, erfährt er, dass es eine vierte Frau gibt, deren Leben es nun um jeden Preis zu retten gilt – ein Wettlauf mit der Zeit. Grosse Bedeutung kommen den im Original titelgebenden Amethyst-Statuetten zu, die sich im Besitz der Frauen befanden, nach deren Tod jedoch verschwunden sind.

Bibliografie:

Nicholas Newman-Trilogie: ‘The Amethysts’ – ‘Das zweite Leben’ (1997), ‘Pearl’ (1999), ‘At Ruby’s’ (2001).