(1938-2015)
Antonio Dal Masetto wurde in der norditalienischen Kleinstadt Intra am Lago Maggiore als Sohn einer armen Arbeiterfamilie geboren, die 1950 nach Argentinien auswanderte. Nachdem er sich in seiner neuen Heimat (und mit der fremden Sprache) längere Zeit schwergetan und zahlreiche Gelegenheitsjobs verrichtet hatte, bezog er 1981 Wohnsitz in Buenos Aires und wurde freier Schriftsteller. Sein in spanischer Sprache verfasstes Werk besteht aus ungezählten Kurzgeschichten und zehn Romanen, darunter drei Krimis mit Elementen des Westerns und der autobiografische, aus der Sicht seiner Mutter Agata erzählte Roman ‚Als wäre alles erst gestern gewesen‘. Dal Masetto, einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Argentiniens, ein wortkarger Einzelgänger, der sein Privatleben stets bedeckt hielt, starb 77-jährig in einem Krankenhaus in Buenos Aires an den Folgen eines Herzinfarkts. Er hinterliess seine zwei Kinder, Marcos und Daniela.
’Noch eine Nacht’, ein bitterböser, mit gewalttriefenden, teilweise grotesken Szenen gewürzter Roman, erzählt in lakonischem Stil von vier Männern aus Buenos Aires, die an einem heissen Sommertag in das verschlafene argentinische Provinznest Bosque kommen. Sie erkunden das Städtchen, rauben eine Bank aus und suchen das Weite – doch alle Ausfahrten des Ortes sind versperrt, und ganz Bosque macht Jagd auf die eigentlich recht harmlosen Eindringlinge. Die vier Räuber werden massakriert, und nach der Gewaltorgie herrscht wieder Ruhe im Dorf, auch wenn das gestohlene Geld nicht wieder auftaucht.
Eineinhalb Jahre später, in ’Blut und Spiele’, kommt ein unbekannter Hauptstädter namens Muto nach Bosque, angeblich um einen Spielfilm über den spektakulären Banküberfall zu drehen. Er nistet sich ein, redet mit den Einwohnern, verspricht ihnen Filmrollen – und wieder beginnt es im Dorf zu brodeln, keimen Rachsucht, Missgunst und Gewalttätigkeit auf, werden alte Rechnungen beglichen – bis zum überraschenden Finale.
‘Unten sind ein paar Typen’ spielt im Juni 1978, am Vorabend des Endspiels der Fussballweltmeisterschaft zwischen den Niederlanden und Gastgeber Argentinien. Es ist die Zeit der Militärdiktatur unter der brutalen Führung von Jorge Rafael Videla. Kritik am Trainer, an der Mannschaft sind verboten. Im Mittelpunkt der in einer kargen Sprache erzählten Geschichte steht der eher unbedeutende, in der Innenstadt von Buenos Aires lebende Journalist Pablo. Zwei unbekannte Typen haben sich auf der Strasse installiert, sie observieren das Haus, in dem er sein bescheidenes Leben führt. Sorgen für eine bedrohliche Stimmung. Der Strom fällt aus, die Telefonleitung ist tot. Misstrauen, Angst und Paranoia kommen auf, und Pablo ist auf sich allein gestellt.
Bibliografie:
Bosque-Romane: ‚Siempre es dificil volver a casa‘ – ’Noch eine Nacht’ (1985), ‚Hay unos tipos abajo‘ – ‚Unten sind ein paar Typen‘ (1998), ‚Bosque‘ – ’Blut und Spiele’ (2001).