(1931-2012)

Ernst Hinterberger wurde in Wien als Sohn eines arbeitslosen Schriftsetzers geboren, der bereits 1938 verstarb. Er absolvierte eine Lehre als Elektroinstallateur, fand dann aber keine Stelle in diesem Beruf. Anfang der 50er-Jahre schloss er die Wiener Polizeischule ab, konnte den Dienst wegen einer Sehschwäche indes nicht antreten und arbeitete stattdessen als Hilfskraft in einer Metallfabrik. In seiner Freizeit befasste er sich mit fernöstlichen Lehren. Er wurde Buddhist und verfasste Gedichte in chinesischem Stil, die in Japan, nicht jedoch im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurden.

Im Jahr 1958, kurz nach seiner Heirat mit Margaret, genannt Greti, ging Hinterberger an die Büchereischule der Gemeinde Wien und arbeitete danach zehn Jahre als Bibliothekar in den Volksbildungshäusern Ottakring und Margareten. Als diese geschlossen wurden, kehrte er als leitender Expedient in die Fabrik zurück, wo er – trotz wachsender Popularität als Autor – bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991 blieb.

Der Arbeiterdichter Hinterberger kämpfte zeitlebens für menschliche Solidarität und gegen soziale Ungerechtigkeit und gab in seinen Büchern auch den kleinen Leuten eine Stimme. Er verbrachte den grössten Teil seines Lebens in einer 44-Quadratmeter-Gemeindewohnung im Wiener Arbeiterviertel Margareten, zuerst, bis zu ihrem Tod im Jahr 2001, mit Greti, zuletzt, ab 2004, mit seiner zweiten Frau Klara, bis er 80-jährig in einem Wiener Krankenhaus an einer berufsbedingten Lungenkrankheit starb.

Hinterbergers Werk enthält Hörspiele, Drehbücher (unter anderem für die Kultserien ‚Ein echter Wiener geht nicht unter‘ mit Edmund „Mundi“ Sackbauer‘ als Antiheld, ‚Kaisermühlen-Blues‘ und ‚Trautmann‘ sowie für drei ’Tatort’-Krimis), Theaterstücke, Kurzgeschichten, die Lebenserinnerungen ‚Abschied‘ aus dem Jahr 2002 und Romane, unter ihnen siebzehn im 2. Wiener Bezirk Leopoldstadt spielende Krimis.

Otto Hotwagner, legendärer, von seiner Frau verlassener, schon recht betagter und von manchen Gebresten geplagter Gruppeninspektor von der Mordgruppe 2, ein bärbeissiger, stark übergewichtiger Kettenraucher, beziehungsweise (nachdem Hotwagner einem Hirnschlag erlegen ist) sein fast gleichaltriger Nachfolger Trautmann, geschiedener Buddhist („Es gibt keinen Weg, nur Träume und Träume von Träumen“ ist sein Lieblingszitat), ein eigensinniger, pausenlos Selbstgedrehte paffender „Kiberer“ mit dem (in seinen Worten) unwahrscheinlich blöden Vornamen Polycarp, sind die wichtigsten Figuren der streckenweise umwerfend komischen Krimis, die mit Dialektausdrücken durchsetzt, durch skurrile, liebevoll gezeichnete Charaktere bevölkert und mit bissigen Seitenhieben gegen die österreichische Innen- und Sozialpolitik gewürzt sind und ein hoch realistisches Bild des langweiligen Alltags der Polizeibeamten zeichnen. Die Ausgaben des „echomedia Buchverlags“ enthalten verdienstvollerweise ein Glossar des Wiener Dialekts, des Polizeijargons und dem der Unterwelt.

Bibliografie:                                                                                                                               Einzelwerk: ‚Jogging‘ (1984);                                                                                            Hotwagner-Serie: ’Superzwölfer’ (1988), ’Das fehlende W’ (1991), ’Und über uns die Heldenahnen…’ (1992), ’Alleingang’ (1993), ’Kleine Blumen’ (1993), ‚Was war, wird immer sein‘ (1995), ’Zahltag‘ (1997);                                                                                                                 Trautmann-Serie: ’Die Dunkle Seite’ (1998), ’Doppelmord’ (2005), ’Die Tote lebt’ (2006), ’Mord im Prater’ (2007), ‚Der Tot spielt mit‘ (2008), ‚Fehlende Finger‘ (2009), ‚Mörderische Gier‘ (2010), ‚Blutreigen‘ (2011), ‚Der Tod hält Ernte‘ (2012).