(*1968)

Raul Zelik wurde in München geboren und wuchs auch dort auf. Für Projektarbeiten hielt er sich ab 1985 immer wieder in Lateinamerika auf, zuerst einige Monate in einer Arbeitsbrigade in Nicaragua, später vor allem in Kolumbien. Von 1990 bis 1995 studierte er in Berlin Politikwissenschaften und Lateinamerikanistik und arbeitete nebenbei für ein baskisches Regionalradio. Ab 1997 schrieb er Arbeiten für ‚SPEX‘, die Schweizer ‚WoZ‘, die deutsche Wochenzeitung ‚Freitag‘ und weitere Medien. Im selben Jahr debütierte er auch als Romanautor. Ende 2009 wurde er als Professor für Politik an die Nationaluniversität Kolumbien berufen. Nach vier Jahren gab er die Professur aus familiären Gründen auf und kehrte mit seiner Frau nach Berlin zurück, wo er wenig später Opfer eines brutalen Raubüberfalls wurde.  2016 wurde er in den Vorstand der Partei ‚Die Linke‘ gewählt.

Zeliks Werk besteht aus Erzählungen, Features, Aufsätzen, Sachbüchern, Romanen und einem politischen Tagebuch. Darüber hinaus übersetzt er Bücher aus dem Baskischen. Sein Romanerstling ‚Friss und stirb langsam‘ ist an den so genannten Fall Kaindl angelehnt: 1992 töteten Berliner Jugendliche Gerhard Kaindl, einen einflussreichen Vertreter der rechtsradikalen Partei „Deutsche Liga für Volk und Heimat“. Zelik, der mit den Tätern verkehrte, erzählt ihre berührende Geschichte – eine Geschichte über Arbeitslosigkeit, Rassismus und das Zusammenleben von jungen Deutschen, Türken und Kurden. Der Stoff wurde 2000 für das Theater und 2002 für das Radio adaptiert.

‚La Negra‘, Zeliks zweiter, ebenfals in den 90er-Jahren angesiedelter Roman, spielt in einem von Terror, Korruption und politischen und wirtschaftlichen Machtkämpfen erschütterten Kolumbien. Die desillusionierte Guerillatruppe um das Trio Luisa la Negra (eine dunkelhäutige Frau aus Brasilien), Ricardo und Flacoloco plant einen spektakulären, jedoch aussichtslos erscheinenden Coup: die Besetzung einer Raffinerie in der kolumbianischen Erdölmetropole Barrancabermeja. Eindrucksvoll und engagiert schildert der Autor den Alltag seiner (authentischen Personen nachgezeichneten) Antihelden – einsame, erschöpfte, im Grunde zum Scheitern verurteilte Träumer, die dann dank eines Zufalls immerhin einen Teilerfolg erleben.

Zelik verfasste später vier weitere Romane (‚bastard‘, ‚Berliner Verhältnisse‘, ‚Der bewaffnete Freund‘ und ‚Der Eindringling‘), in denen er aus einem linken Blickwinkel jüngere Zeitgeschichte darstellt.

Bibliografie:
‚Friss und stirb langsam‘ (1997), ‚La Negra‘ (2000).