(*1959)

Mit seinem ersten Krimi ‚Der Bulle im Zug‘ gewann Franz Dobler 2015 ziemlich überraschend den Deutschen Krimipreis. Hoch verdient, obwohl (oder eben gerade weil) er mit der Geschichte des abgehalfterten Münchner Kriminalhauptkommissars Robert Fallner die Gesetze des Genres in die Pfanne haut.

Der im oberbayrischen Städtchen Schongau als Sohn eines Bahnbeamten und einer Hausfrau geborene und in einfachen Verhältnissen gross gewordene Autor kann auf ein vielfältiges Leben und Werk zurückblicken.

Mit neunzehn kam er als freier Mitarbeiter zu den ‚Schongauer Nachrichten‘. Seine Karriere als Autor, Journalist und DJ begann er Anfang der 80er-Jahre in der linken Literaturszene Münchens. 1991 zog er mit Frau und Tochter nach Augsburg und gab im selben Jahr seinen ersten Roman ‚Tollwut‘ heraus. Nach dem Erscheinen seiner Biografie über Johnny Cash (‚The Beast in Me‘, 2002) galt er als Fachmann für Country-Musik. 2004 folgte der erste von ungezählten Auftritten mit dem ‚The DJ Hoerspiel Ensemble‘. Darüber hinaus legt er regelmässig als DJ auf und schreibt Artikel für Printmedien wie ‚Süddeutsche Zeitung‘, ‚Junge Welt‘ und ‚tageszeitung‘, Schwerpunkt Popkultur.

Doblers Krimiheld Robert Fallner hat bei einem Einsatz vor drei Monaten den 18-jährigen libanesischen Kriminellen Maarouf erschossen, vielleicht in Notwehr, bei dem Toten fand man indes keine Waffe, und Fallners Partner Eric Maier bestreitet, dass Maarouf eine trug. Fallner wird dienstunfähig, geht zu einer Psychotherapeutin, doch der Junge verfolgt ihn in seinen Gedanken, und mit seiner schnoddrigen, attraktiven Lebenspartnerin Jacqueline, auch sie Kommissarin, kommt er nicht mehr klar. Auf Anraten der Therapeutin erfüllt er sich nun seinen Bubentraum: Mit einer BahnCard 100 fährt er kreuz und quer durch Deutschland, steigt aus, wann und wo er gerade Lust hat. Nebenbei soll er einem reisefreudigen Serienmörder das Handwerk legen, dessen Opfer immer in Bahnhofsnähe aufgefunden werden. Aus diesem Rohstoff entwickelt der Autor ein Potpourri mit inneren Monologen, tristen Kneipen-, Zug- und Bahnhofszenen, albernen Bullenwitzen, sexuellen Eskapaden und kurzen Rückblenden in Fallners Vergangenheit, abgerundet durch die Geschichte des Jazz-Trompeters Lee Morgan, der 1972 auf dem Weg zur Bühne von seiner Frau erschossen wurde.

Im zweiten Roman ‚Ein Schlag ins Gesicht‘ ist Robert Fallner nicht mehr bei der Polizei. Sondern Privatdetektiv in der Münchner Security-Firma seines älteren Bruders Hans, auch er ein ehemaliger Bulle. Und dieser erteilt ihm jetzt einen Spezialauftrag, der’s in sich hat: Robert soll die ehemalige Softporno-Darstellerin (Höhepunkt: ‚Die Satansmädels von Titting‘) Simone Thomas vor ihrem unberechenbaren Stalker beschützen, eine Aufgabe, an der bereits zwei Mitarbeiter der Firma gescheitert sind. Zuerst aber wird viel gelabert und gesoffen (später natürlich auch), vorzugsweise in Fallners Stammkneipe „Bertls Eck“ im Münchner Bahnhofsviertel, bis unser Held nach hundert Seiten endlich auf die exzentrische, durchaus sympathische, mit ihren sechzig Jahren noch immer recht anziehende Diva trifft. Dann mehren sich die Hinweise, dass gar zwei Stalker ihr Unwesen treiben. Und Fallner springt erstaunlicherweise nicht mit Simone, sondern mit Jacqueline, die ihn kürzlich verlassen hat, in die Kiste. Und Fallner wird zusammengeschlagen. So viel zum Plot der grandiosen Geschichte, die Dobler mit popkulturellen Referenzen, wunderbaren Sprüchen, aus dem Leben gegriffenen Dialogen und ausufernden Selbstgesprächen adelt.

Gibt Dobler Fallner eine weitere Chance, seinen Weg zu finden? Seinen tödlichen Schuss auf den jungen Libanesen zu verarbeiten, die unglückselige Beziehung mit Jacqueline zu beenden? Kommen sich Fallner und die charmante Serviceangestellte Juliane Hallinger näher? Wie geht es weiter mit der brüderlichen Zusammenarbeit?

Bibliografie:                                                                                                                       

Robert Fallner-Romane: ‚Der Bulle im Zug‘ (2014), ‚Ein Schlag ins Gesicht‘ (2016).