(1914-1989)

Geboren in Osterode, dem heutigen Ostroda (Polen), als Sohn eines ostpreussischen Polizeibeamten, aufgewachsen in verschiedenen Orten Ostpreussens, war Hans Hellmut Kirst von 1933 bis 1945 Berufssoldat bei der Reichswehr bzw. der Deutschen Wehrmacht, wo er zum Oberleutnant aufstieg. Er nahm am Frankreichfeldzug und am Überfall auf die Sowjetunion teil. Nach der deutschen Kapitulation verbrachte er neun Monate in einem amerikanischen Gefangenenlager in Garmisch. 1947 liess er sich in München nieder und wurde – nach Verrichtung einiger Gelegenheitsjobs – Filmkritiker beim ‚Münchner Mittag‘ (heute: ‚Münchner Merkur‘), eine Tätigkeit, die er bis 1972 ausübte.

1950 veröffentlichte Kirst seinen ersten Roman ‚Wir nannten ihn Galgenstrick‘. Der grosse Durchbruch erfolgte vier Jahre später mit ’08/15′, dem ersten Teil einer Trilogie, in der er eigene Kriegserlebnisse verarbeitet. In den 50er-Jahren trat er gegen die deutsche Wiederbewaffnung ein, was zu heftigen Angriffen seines langjähriges Intimfeindes, des neuen Verteidigungsministers Franz-Josef Strauss, führte. 1961 heiratete er die Schauspielerin Ruth Müller und lebte mit ihr und der gemeinsamen Tochter Beatrice am Starnberger See. Gesundheitlich schwer angeschlagen, übersiedelte er 1987 mit seiner Familie nach Werdum in Ostfriesland, wo er 74-jährig starb.

Kirst schrieb drei Theaterstücke (unter ihnen das 1966 uraufgeführte ‚Aufstand der Offiziere‘, in dem er das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler behandelt) und rund sechzig (von den meisten Kritikern der Populärliteratur zugeordnete) Romane, darunter mehrere autobiografisch gefärbte, um die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg kreisende Werke und drei in der Zeit des Wirtschaftswunders spielende Krimis mit dem Münchner Kommissar Keller als Hauptfigur (Münchner Kriminaltrilogie).

‚Die Nacht der Generale‘ aus dem Jahr 1962 ist Kirsts anspruchsvollster Roman. Die Geschichte beginnt im Warschau des Jahres 1942 mit einem Sexualmord an einer jungen polnischen Prostituierten; nach einer Zeugenaussage muss die Tat von einem deutschen General begangen worden sein. Major Grau von der deutschen Abwehr beginnt zu ermitteln, wird von seinen Gegenspielern indes schon bald nach Paris versetzt. Doch dann geschieht auch hier ein Mord, der jenem von Warschau in entscheidenden Details gleicht. Als Grau im Zusammenhang mit den turbulenten Ereignissen des 20. Juli 1944 (dem Tag des misslungenen Attentats auf Adolf Hitler) hingerichtet wird, verläuft die Suche nach dem Mörder vorerst im Sand, bis der französische Kriminalkommissar Prévert nach dem Krieg die Spuren wieder aufnimmt und 1956 einen hohen Wehrmachtsoffizier als Serienmörder entlarvt.

Bibliografie:

‚Die letzte Karte spielt der Tod‘ (1955), ‚Die Nacht der Generale‘ (1962), ‚Alles hat seinen Preis‘ (1974), ‚Generalsaffären‘ (1977), ‚Der unheimliche Freund‘ (1979), ‚Eine Falle aus Papier‘ (1981), ‚Bedenkliche Begegnung‘ (1982), ‚Geld – Geld – Geld‘ (1982), ‚Die gefährliche Wahrheit‘ (1984), ‚Geschieden durch den Tod‘ (1987);

Münchner Kriminaltrilogie: ‚Verurteilt zum Erfolg‘ (1972), ‚Verurteilt zur Wahrheit‘ (1972), ‚Verfolgt vom Schicksal‘ (1973).