(*1948)

Daniel Picouly kam als elftes von dreizehn Kindern einer französischen Mutter und eines schwarzen, der Karibikinsel Martinique entstammenden Flugzeugschlossers im Pariser Vorort Villemomble zur Welt und wuchs dort und in Orly in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach der Schulzeit studierte er Rechnungswesen, Betriebsführung und Recht in Paris. Anschliessend unterrichtete er fünfzehn Jahre an verschiedenen kleineren Schulen im Norden Frankreichs. 1988 wurde er Lehrer in Wirtschaft, Verkauf und Kommunikation an einem Pariser Gymnasium. Anfang der 90er-Jahre begann er zu schreiben.

Sein Werk enthält Romane für Erwachsene und Jugendliche, Bilderbücher (hervorstechend: die verfilmten Abenteuer der „schnellen“ Schildkröte Lulu), autobiografische Schriften und ein Theaterstück. Darüber hinaus startete Picouly im Jahr 2002 eine Karriere beim fanzösischen Fernsehen. Unterer anderem präsentierte er während sechs Jahren die Kultursendung ‚Café Picouly‘ auf France 5, bis sie im Juni 2011 aus dem Programm gestrichen wurde. Im November 2011 lancierte er das Gefäss ‚Le monde vu par…‘, in dem er sich drei Jahre lang jeweils während 26 Minuten mit politisch bedeutenden Personen unterhielt. Seit 2014 betreut er die Literatursendung ‚Page 19‘. Picouly lebt mit seiner Frau Agnès und ihrer gemeinsamen kleinen Tochter Marie zurückgezogen in einem Haus in der abgeschiedenen zentralfranzösischen Region Sologne.

Picoulys zweiter Krimi ‚Nach mir die Sintflut‘ ist eine hoch dramatische, in einem expressionistischen Stil erzählte Geschichte mit einprägsamen Figuren. Im Mittelpunkt steht der Schwarzafrikaner Nec, der nach zweijährigem Exil in das 19. Arrondissement von Paris zurückkehrt, um seiner Jugendliebe Menga zum Tage ihrer Hochzeit (allerdings mit einem anderen Mann!) ein grosses Geschenk zu machen: Die Ermordung des südafrikanischen Kulturattachés in Paris, Breyton Van Moeurs, den er für den gewaltsamen Tod der Antiapartheid-Aktivistin Dulcie September verantwortlich macht. Das apokalyptische florentinische Fresko ‚Die Sintflut‘ von Paolo Uccello aus dem 15. Jahrhundert dient ihm als Vorlage für die Tat. Necs Widersacher sind der psychopathische Schwager des Getöteten und der algeriengeschädigte Kommissar Lomron. Die aufgeheizte Stimmung im Viertel entlädt sich in einer Reihe von Gewaltakten.

Auf Deutsch übersetzt wurden auch der originelle Ghetto-Thriller ‚Die Saat der Tränen‘ und ‚Das Licht der Irren‘, eine drastische, blutrünstige Rachegeschichte mit dem Zwillingspaar Ivan und Héra im Mittelpunkt (der Roman war selbst der „Série noire“ zu schwarz, um ins Programm genommen zu werden!), ferner der historische Roman ‚Der Leopardenjunge‘ aus der Zeit der Französischen Revolution sowie die zweiteiligen Jugenderinnerungen ‚Fängt ja gut an, das Leben!‘ und ‚Schwimmstunde mit Marilyn‘.

Bibliografie:

‚La lumière des fous‘ – ‚Das Licht der Irren‘ (1991), ‚Nec‘ – ‚Nach mir die Sintflut‘ (1992), ‚Les larmes du chef‘ – ‚Die Saat der Tränen‘ (1994), ‚La treizième mort du chevalier‘ (2003), ‚La Donzelle‘ (2004).