(1886-1971)

Raymond Postgate, geboren in Cambridge als Sohn eines Lehrers, wurde am Liverpool College und am St. John’s College in Oxford ausgebildet. Der Vater seiner Frau Daisy war der berühmte Pazifist und Labourpolitiker George Lansbury. Postgate selbst schug einen ähnlichen Weg ein wie sein Schwiegervater – weil er lautstark gegen den Ersten Weltkrieg opponierte, musste er 1916 für kurze Zeit ins Gefängnis, später war er Mitbegründer der Kommunistischen Partei Grossbritanniens, bevor er der Labourpartei beitrat. 1918 begann er als Journalist; er arbeitete unter anderem für den ‚Daily Herald‘ und als Redakteur der ‚Encyclopedia Britannica‘. Von 1929 bis 1949 war das Verlagshaus Alfred A. Knopf sein Arbeitgeber. Darüber hinaus machte sich Postgate einen Namen als Übersetzer aus dem Griechischen, Lateinischen und Französischen und als Herausgeber von Texten zur Gastronomie. Er starb 74-jährig in Canterbury und hinterliess seine Frau, die wenige Wochen nach seinem Tod Suizid beging, und seine Söhne John und Oliver.

Neben Kurzgeschichten, dem Roman ‚No Epitaph‘, Sachbüchern über die britische Arbeiterklasse und einer Biografie seines Schwiegervaters veröffentlichte Postgate drei Kriminalromane, von denen der erste (und einzige ins Deutsche übertragene) ‚Das Urteil der Zwölf‘ bis heute überlebt hat – die den Titel ‚Die 12 Geschworenen‘ tragende Verfilmung durch Sidney Lumet mit Henry Fonda in der Hauptrolle hat wenig bis nichts mit dem Buch zu tun.

‚Das Urteil der Zwölf‘ ist eine originelle, stilistisch sehr ansprechende, mit feinem Humor erzählte Justizerzählung. Im ersten Teil werden die Lebensläufe, Gefühle und Vorurteile der zwölf Geschworenen (zehn Männer und zwei Frauen) detailliert beschrieben. Der zweite Teil befasst sich mit dem Kriminalfall selbst. Im Mittelpunkt steht hier Rosalie van Beer, eine abgetakelte, zu viel billigen Portwein kippende Witwe, die des Mordes an ihrem verwaisten elfjährigen Neffen Philipp angeklagt ist – Geldgier scheint das Motiv zu sein. Gerichtsverhandlung und Urteilsfindung beschliessen den dreiteiligen Roman. Nach zähen Diskussionen einigen sich die Geschworenen schliesslich auf Freispruch; eingeschlossen Victoria Mary Atkins, die als junges Mädchen einen im Dunkeln gebliebenen Mord begangenen hat – und für die klar feststeht: Die Angeklagte ist eine Mörderin. Und ganz am Schluss verblüfft Postgate den Leser mit einem hübschen Twist.

Bibliografie:

‚Verdict of Twelve‘ – ‚Das Urteil der Zwölf‘ (1940), ‚Somebody at the Door‘ (1943), ‚The Ledger Is Kept‘ (1953).