(*1946)

Stephen Hunter wurde in Kansas City, Missouri, geboren und wuchs in Evanston, Illinois, als ältestes von vier Kindern auf. Sein Vater, ein gewalttätiger Alkoholiker, arbeitete als Rhetorikprofessor, führte ein Doppelleben und wurde 1975 ermordet. Seine Mutter war Kinderbuchautorin. Nach der Schulzeit studierte Hunter an der Medill School of Journalism der Northwestern University mit einem Abschluss 1968. Im folgenden Jahr heiratete er die Grundschullehrerin Lucy und hatte mit ihr einen Sohn und eine Tochter, Jake und Amy. Nach zwei Jahren bei der Army begann er 1971 seine journalistische Laufbahn bei der ‚Baltimore Sun‘. 1997 wechselte er zur Washington Post‘, wo er leitender Filmkritiker wurde. Sechs Jahre später gewann er den Pulitzer Preis. 2008 trat er in den vorzeitigen Ruhestand. Seit 2005 in zweiter Ehe mit der Kolumnistin Jean Marbella verheiratet, lebt er in Baltimore, Maryland.

Hunter publizierte bislang 21 Spannungsromane, von denen vier auf Deutsch vorliegen. Seine Spezialitäten: Nervenkitzel, rasante Actionszenen und Waffenfetischismus. Klingt nach reisserischer Schundliteratur à la Tom Clancy, doch Hunters Bücher sind gut geschrieben, sauber konstruiert und extrem spannend; und der Autor setzt sich auf intelligente und kritische Weise mit seinem Kernthema, Gewalt, auseinander.

‚Im Fadenkreuz der Angst‘ handelt von dem Scharfschützen und Waffenexperten Bob Lee Swagger, genannt „Bob the Nailer“, ein trockener Alkoholiker, der sein Handwerk im Vietnamkrieg perfektioniert hat, seither an einer posttraumatischer Belastungsstörung leidet  und jetzt im Auftrag der zwielichtigen, durch den skrupellosen Colonel Shreck ins Leben gerufenen Sicherheitsorganisation RamDyne ein Attentat auf den US-amerikanischen Präsidenten verhindern soll. Zu spät erkennt Swagger, dass man ihn auf üble Weise reingelegt hat; denn als tatsächlich ein Schuss fällt, gerät er selbst unter Mordverdacht – und wird nun nicht nur von der Polizei, sondern auch von RamDyne gejagt.

Der dritte Bob Lee Swagger-Thriller ‚Einsame Jäger‘ hat zwei zeitlich weit auseinander liegende Hauptstränge. 1971, Washington, D.C.: Der junge Marine-Korporal Donny Fenn erhält von seinen Vorgesetzten den Auftrag, die stark aufkommende Friedensbewegung zu infiltieren und einen der Spionage verdächtigten Soldaten ans Messer zu liefern.  Als Donny die Denunziation verweigert, wird er wenige Monate vor Kriegsende zum zweiten Mal nach Vietnam strafversetzt – in letzter Sekunde kann er noch seine grosse Liebe Julie heiraten. In Vietnam lernt er einen legendären Mann kennen: Sergeant Bob Lee Swagger, mit dem er sich bei Dauerregen auf alptraumhafte Missionen im Dschungel begibt, bis ihm am Tag vor seiner Entlassung (in der Mitte des 750 Seiten langen Romans) ein Scharfschütze das Licht auslöscht. Sprung in die zweite Hälfte der 90er-Jahre: Bob Lee Swagger lebt mit seiner Frau Julie (Donnys Witwe!) und ihrer gemeinsamen 8-jährigen Tochter Nikki in der einsamen Berwelt von Idaho, als ein Anschlag auf seine Familie verübt wird – die Schatten seiner Vietnam-Vergangenheit. Er taucht unter, besucht Zeitzeugen und alte Bekannte, die ihn mit aufsschlussreichen Informationen versorgen, und schmiedet einen raffnierten Plan. Es folgt das atemberaubende, detailreich geschilderte Duell mit dem Sniper, der Donny auf dem Gewissen hat. Doch nicht genug: Hunter dreht daraufhin eine verblüffenden Pirouette und bringt die zynischen Ränkespiele der Kalten Krieger ans Licht.

Drei Romane widmet der Autor Bobs Vater Earl, einem Ex-Marine, der nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Arkansas State Police war und 1955 gewaltsam ums Leben kam. In zwei Krimis (‚Dead Zero‘ und ‚Soft Target‘) bekleidet Ray Cruz, Bobs Sohn aus einer frühen Beziehung, bedeutende Rollen .

In Hunters sechstem Einzelwerk ‚Die Gejagten‘ versetzen drei aus dem Hochsicherheitstrakt der Vollzugsanstalt McAlester, Oklahoma, ausgebrochene, von Lamar Pye angeführte Schwerverbrecher den Mittleren Westen in Angst und Schrecken. Ihr gefährlichster Gegner ist Sergeant Russell „Bud“ Pewtie von der Highway Patrol, eine düstere Gestalt und – nach 25 Dienstjahren – ein ausgezeichneter Polizist, der sich stets auf seine untrüglichen Instinkte verlassen kann. Die gewalttriefende Geschichte gipfelt in einem spekakulären Showdown. (Hübscher Gag: Lamar Pye ist Bob Swaggers Halbbruder, das Produkt eines Seitensprungs seines Vaters Earl.)

Bibliografie:
Standalones: ‚The Master Sniper‘ (1980), ‚The Second Saladin‘ (1982), ‚Target‘ – ‚Target‘ (1985), ‚The Spanish Gambit‘ (auch unter dem Titel ‚Tapestry of Spies‘, 1985), ‚The Day Before Midnight‘ – ‚Titan‘ (1989), ‚Dirty White Boys‘ – ‚Die Gejagten‘ (1994), ‚Soft Target‘ (2011), ‚I, Ripper‘ (2015);
Bob Lee Swagger-Serie: ‚Point of Impact‘ – ‚Im Fadenkreuz der Angst‘ (auch unter dem Titel ‚Shooter‘, 1993), ‚Black Light‘ (1996), ‚Time to Hunt‘ – ‚Einsame Jäger‘ (1998), ‚The 47th Samurai‘ (2007), ‚Night of Thunder‘ (2008), ‚I, Sniper‘ (2009), ‚Dead Zero‘ (2010), ‚The Third Bullet‘ (2013), ‚Sniper’s Honor‘ (2014), ‚G-Man‘ (2017);
Earl Swaggart-Trilogie: ‚Hot Springs‘ (2000), ‚Pale Horse Coming‘ (2001), ‚Havana‘ (2003).