(1909-1975)

Charles Williams kam in der texanischen Stadt San Angelo zur Welt und wuchs dort und in New Mexico auf. Nach Abschluss der High School arbeitete er von 1929 bis 1939 als Funker für die amerikanische Handelsmarine. 1939 heiratete er Lasca Foster. In den folgenden Jahren war er als Radioexperte für verschiedene Unternehmen tätig, zuerst in Galveston, Texas, danach, bis Ende des Zweiten Weltkriegs, für die Marine in Puget Sound, Washington State, und schliesslich in Los Angeles bei Mackay Radio. 1951 veröffentlichte er seinen ersten Krimi ‚Hill Girl‘, der sich dermassen gut verkaufte, dass Williams das Schreiben zu seinem Hauptberuf machte.

Einige von Williams‘ besten Romanen spielen auf dem Wasser, unter ihnen ‚Todesstille‘ aus dem Jahr 1963. John und Rae Ingram verbringen ihre Flitterwochen auf der Yacht „Saracen“, die Reise führt von Florida nach Tahiti. Mitten im Pazifik treffen sie den jungen Schiffbrüchigen Hughie Warriner an und können ihn bergen. Doch Ingram traut Warriner, dessen Mitpassagiere an einer Nahrungsmittelvergiftung gestorben sein sollen, instinktiv nicht über den Weg. Als der erschöpfte Gast endlich eingeschlafen ist, begibt sich Ingram auf die sinkende „Orpheus“ und findet dort zwei eingesperrte Menschen vor – Warriners Frau und ein Ekelpaket namens Bellew – derweil Warriner sein wahres Gesicht zeigt: Er überwältigt Rae und sucht mit ihr als Geisel auf der „Saracen“ das Weite. Von jetzt an stellen sich nur noch zwei Fragen: Gelingt es John Ingram, das Wrack seetüchtig zu machen oder zumindest lange genug über Wasser zu halten? Und wer bleibt Sieger im Katz-und-Maus-Spiel zwischen der klugen Rae und ihrem athletisch gebauten, psychopathischen Entführer?

Zu Williams‘ herausragenden Prosawerken zählt ‚Der Köder‘, eine mit überraschenden Wendungen aufwartende, James Mallahan Cains ‚Wenn der Postmann zweimal klingelt‘ verpflichtete Dreiecksgeschichte, die nur Verlierer sieht. Im Mittelpunkt steht der Football-Profi John Harlan, dessen Karriere durch einen Autounfall jäh beendet wird. Als sich herausstellt, dass der Unfall ein Mordanschlag war, wittert Harlan die Chance auf grosses Geld, trifft jedoch bei seinen Erpressungsversuchen auf eine mindestens ebenbürtige Gegnerin: die mit allen Wassern gewaschene Julia Cannon, der moralisches Denken gänzlich fremd ist.

Mit seinen pessimistischen Krimis, in denen vielmals charakterschwache Männer auf schöne, ausgekochte Frauen treffen, in der Regel mit verhängnisvollem Ausgang für den männlichen Part, reihte sich Williams unter die zweite Garnitur der amerikanischen Noir-Autoren der 50er- und 60er-Jahre. In einzelnen Werken schlug er jedoch einen leichteren Ton an – etwa in ‚Der Diamanten-Bikini‘ und ‚Mondschein-Whisky‘, beide mit dem Youngster Billy, der von den Abenteuern seines Onkels Sagamore berichtet.

Charles und Lasca Williams wechselten mehrmals ihren Wohnsitz. Unter anderem lebten sie längere Zeit in Frankreich, wo man seinem Werk bis heute grosse Wertschätzung entgegenbringt. 1975, drei Jahre nach dem Krebstod seiner Frau, schied Williams in seiner Wohnung in Los Angeles freiwillig aus dem Leben. Er hinterliess ihre gemeinsame Tochter Alison.

Bibliografie:

‚Hill Girl‘ – ‚Die Liebe der Brüder‘ (1951), ‚Big City Girl‘ – ‚Das Mädchen aus der Grossstadt‘ (1951), ‚River Girl‘ – ‚Das Mädchen vom Fluss‘ (1951), ‚Nothing in her Way‘ – ‚Der grosse Dreh‘ (1953), ‚Hell Hath no Fury‘ (auch unter dem Titel ‚The Hot Spot‘) – ‚Spiel mit dem Feuer‘ (auch unter dem Titel ‚Bis dass der Mord euch scheidet‘, 1953), ‚A Touch of Death‘ – ‚100 Meilen Angst‘ (1954), ‚Go Home, Stranger‘ – ‚Sein grosser Bluff‘ (auch unter dem Titel ‚Nur die Toten wussten es‘, 1954), ‚Scorpion Reef‘ – ‚Heiss weht der Wind von Yukatan‘ (1955), ‚The Diamant Bikini‘ – ‚Der Diamanten-Bikini‘ (1956), ‚The Big Bite‘ – ‚Der Köder‘ (1956), ‚Talk of the Town‘ (auch unter dem Titel ‚Stain of Suspicion‘) – ‚Drei Tage Aufenthalt‘ (1958), ‚Man on the Run‘ (auch unter dem Titel ‚Man in Motion‘ – ‚Kein Alibi‘ (1958), ‚All the Way‘ (auch unter dem Titel ‚The Concrete Flamingo‘) – ‚Der Flamingo-Mörder‘ (1958), ‚Girl Out Back‘ (auch unter dem Titel ‚Operator‘) – ‚Der Dollarbaum‘ (1958), ‚Uncle Segamore and his Girls‘ – ‚Mondschein-Whisky‘ (1959), ‚The Sailcloth Shroud‘ – ‚Dreimal sterben ist zuviel‘ (1960), ‚Aground‘ – ‚Westlich der Bahamas‘ (1961), ‚The Long Saturday Night‘ – ‚Die lange Samstagnacht‘ (auch unter dem Titel ‚Auf Liebe und Tod‘, 1962), ‚Dead Calm‘ – ‚Todesstille‘ (auch unter dem Titel ‚Tödliche Flaute‘, 1963), ‚The Wrong Venus‘ (auch unter dem Titel ‚Don’t Just Stand There‘) – ‚Die falsche Venus‘ (1966), ‚And the Deep Blue Sea‘ – ‚Begräbnis auf hoher See‘ (1971), ‚Man on a Leash‘ – ‚Der Mann an der Leine‘ (1973).