(Kürzel für John Alfred Webb, 1916-2008; schrieb auch als John Farr und Tex Grady)

Jack Webb (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schauspieler und Produzenten der berühmten TV-Serie ‚Dragnet‘), geboren und aufgewachsen in Los Angeles, schloss sein Anglistikstudium 1937 am dortigen Occidental College mit einem Bachelor of Arts ab. Danach arbeitete er zwei Jahre im Zoo von San Diego, bevor er im Zweiten Weltkrieg als Leutnant des Office of Strategic Service (OSS, Vorläufer der CIA) im chinesischen Chungking stationiert war. Nach dem Krieg bezog er wieder Wohnsitz in Los Angeles, vermählte sich 1950 mit Nell und hatte mit ihr zwei Kinder.

In den 50er-Jahren widmete sich Webb vorrangig der Schriftstellerei. Von 1957 bis 1966 lebte er in Phoenix, Arizona, und richtete dort eine grosse Voliere und eine naturhistorische Bibliothek ein. Zurück in Los Angeles war er unter anderem in der Werbung tätig, ehe er Leiter der Technischen Information der General Electric Company wurde, eine Position, die er bis 1986 innehielt. Webb starb 92-jährig in Coronado, Kalifornien.

Webbs zwischen 1952 und 1963 erschienenes Romanwerk enthält einen Western (‚High Mesa‘, gezeichnet mit dem Pseudonym Tex Grady) und sechzehn Krimis (sieben Einzelwerke und die neunteilige Reihe um Father Joseph Shanley und Detective Sammy Golden), die zum Teil für das Fernsehen adaptiert wurden. Überdies veröffentlichte er Kurzgeschichten in ‚Manhunt‘, ‚Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine‘ und ‚Mike Shayne Mystery Magazine‘.

Father Joseph Shanley, zu Beginn der Reihe Anfang dreissig, arbeitet hauptberuflch als römisch-katholischer Priester der St. Anne’s Church in der fiktiven, hauptsächlich durch die hispanische Unterschicht bewohnten Gemeinde Royal Heights einer unbenannten Grossstadt, bei der es sich zweifellos um Los Angeles handelt, nebenbei aber auch als Hobby-Ermittler und Rosenzüchter. Seine athletische Gestalt verdankt der alleinstehende irisch-stämmige Pfeifenraucher seiner Vergangenheit als College-Boxer und einer Judoausbildung, die er sich als Navy-Kaplan im Zweiten Weltkrieg von einem Sergeant angedeihen liess. Im ersten Titel der Reihe ‚Die Sünderin von La Marimba‘ lernt er den jüdischen Detective Sammy Golden von der örtlichen Mordkommission kennen, einen hartgesottenen, schlagkräftigen Junggesellen mit heldenhafter Vergangenheit als Soldat im Zweiten Weltkrieg (Nordafrika, Salerno und Anzio) und beachtlichem Frauenverschleiss.

Shanley und Golden, zwei gegensätzliche Charaktere, die schon bald eine tiefe Freundschaft verbindet, treffen im Zusammenhang mit Verbrechen jeweils mehr oder weniger zufällig aufeinander und ergänzen sich bei deren Auflösung ausgezeichnet. Die mit viel Humor und sozialem Engagement erzählten Romane warten immer wieder mit Anspielungen auf Musik, Kunst und Literatur, aber auch mit gewalttätigen Szenen auf – eine doch recht ungewöhnliche Mischung für jene Zeit.

Bibliografie:

Father Joseph Shanley & Detective Sammy Golden-Serie: ‚The Big Sin‘ – ‚Die Sünderin von La Marimba‘ (1952), ‚The Naked Angel‘ (auch unter dem Titel ‚Such Women Are Dangerous‘) – ‚Der nackte Engel‘ (1953), ‚The Damned Lovely‘ – ‚Gehetzte Schönheit‘ (1954), ‚The Broken Doll‘ – ‚Die zerbrochene Puppe‘ (1955), ‚The Bad Blonde‘ – ‚Der Tod wartet nicht‘ (1956), ‚The Brass Halo‘ – ‚Das rächende Florett‘ (1957), ‚The Deadly Sex‘ – ‚Gefährliche Steine‘ (1959), ‚The Delicate Darling‘ – ‚Der Abenteurer‘ (1959), ‚The Gilded Witch‘ (1963);

Einzelwerke: ‚One for my Dame‘ – ‚Alles für Carla‘ (1961), ‚Make my Bed soon‘ – ‚Charme macht blind‘ (1963).

Als John Farr: ‚Don’t Feed the Animals‘ (auch unter den Titeln ‚Naked Fear‘ und ‚The Zoo Murders‘) – ‚Eine fast menschliche Hand‘ (1955), ‚The Shark‘ (1956), ‚The Lady and the Snake‘ (1957), ‚Murder Isn’t Funny‘ (1958), ‚Murder Ship‘ (1958).