(Pseudonym für Thomas Cervoni, 1921-2003; schrieb auch als Louis Thomas, René Thomas, Serge Thomas und Jacques Griss)

Thomas Cervoni kam in Hyères an der Côte d’Azur als Sohn einer italienisch-stämmigen Schneiderin und eines korsischen Infanterieoffiziers zur Welt. Er hatte zwei jüngere Schwestern und einen kleinen Bruder, der nur wenige Monate alt wurde. Nach der Schulzeit in Toulon studierte Cervoni bis 1941 Philologie in Draguignan, anschliessend unterrichtete er einen Monat in Salles-sur-Verdon. In der Zeit der Besatzung Frankreichs durch die Nazis musste er auf Baustellen und in deutschen Fabriken arbeiten. Als er schliesslich aus der Kriegsgefangenschaft in das befreite Frankreich zurückkehrte, war er als Lehrer in La Londe, dann in Hyères tätig, bis er 1947 erblindete und deshalb zu schreiben begann. 1956 lernte er in Hyères die Pariser Lehrerin Suzanne Darcémont kennen. Sie heirateten im folgenden Jahr und bezogen Wohnsitz im 18. Arrondissement von Paris. Suzanne stellte von nun an die Augen für Cervonis Werdegang als Autor dar, und die ersten Erfolge liessen nicht lange auf sich warten.

In Cervonis Werk finden sich (neben über 150 Kriminalhörspielen, zahlreichen Kriminalgeschichten und -Novellen, zwei Theaterstücken und knapp drei Dutzend Texten für Kinder) 31 Krimis, unter ihnen der Fünfteiler um Commissaire Paron aus Lyon. Die frühen Werke sind ursprünglich unter Thomas‘ angestammtem Namen oder dem Pseudonym Louis Thomas erschienen. Ab 1957 publizierte er seine Bücher nur noch unter dem Pseudonym Louis C. Thomas, um nicht mit seinem Berufskollegen Louis Thomas verwechselt zu werden. Er starb 81-jährig in seiner Geburtsstadt.

In vielen seiner beklemmenden, jeweils mit einer Handvoll Figuren auskommenden Krimis konfrontiert Thomas durchschnittliche Menschen mit lebensbedrohlichen Situationen und Intrigen, aus denen es kein Entrinnen gibt. ‚Bitte nicht töten‘ erzählt von einem Mann, der an der Côte d’Azur einen schweren Autounfall erlitt und dadurch sein Gedächtnis verlor. Nach kurzem Spitalaufenthalt erholt er sich jetzt in seiner luxuriösen Villa am Cap Bénat, betreut durch seine junge Frau Christiane, seinen indochinesischen Diener Kiem und seinen Kumpel Frédéric – drei Personen, die ihm ebenso fremd sind wie das riesige Anwesen. Der Mann fühlt sich eingeschlossen und verfolgt, beginnt an seinem Verstand zu zweifeln, bis er eines Nachts eine fürchterliche Entdeckung macht und sich jetzt sicher ist, dass man ihm nach dem Leben trachtet.

‚Das Fragment‘ bildet einen weiteren Höhepunkt in Thomas‘ Werk. Der berühmte Pariser Krimiautor Daniel Moret vertritt die Meinung, Mörder seien zu wenig intelligent, um ein perfektes Verbrechen zu begehen. Ein schmächtiger, kahlköpfiger, offenbar einen falschen Namen und eine falsche Identität benutzender Mann will Moret vom Gegenteil überzeugen – und tötet ihn in dessen abgeschiedenem Appartement. Morets bester Freund Maurice Latel, auch er ein renommierter Krimiautor, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dann wird in Latels Verlagshaus ein Manuskript abgegeben, das mit dem letzten Werk des Ermordeten (einem Roman, in dem Moret gleichzeitig als Autor und Hauptperson fungiert) identisch ist. Ganz am Schluss der raffiniert gebauten Geschichte wartet der Autor mit einer faustdicken Überraschung auf.

Bibliografie:

Commissaire Paron-Serie: ‚Jour des morts‘ 1953), ‚Le mal est fait‘ (1955), ‚Tué par un ange‘ (1956), ‚Poison d’Avril‘ (1957), ‚Le froid du tombeau‘ (1959);

Einzelwerke: ‚De sac et de corde‘ (1954), ‚Le retour des rats‘ (1956), ‚Malemort‘ (1956), ‚L’assassin connaît la musique‘ (1957), ‚La mort qui marche‘ (1958), ‚Sans espoir de retour‘ (1960), ‚La mort au coeur‘ – ‚Der zweite Mann‘ (1961), ‚Manie de la persécution‘ – ‚Bitte nicht töten!‘ (1962), ‚A vos souhaits – la mort‘ – ‚Tod per Einschreiben‘ (1963), ‚Les mauvaises fréquentations‘ (1964), ‚Par cruauté mentale‘ – ‚Karussell der Angst‘ (1965), ‚La complice‘ (1966), ‚La Nuit de nulle part‘ – ‚Nacht im Nirgendwo‘ (1967), ‚Coup de sang‘ – ‚Othello stand nicht im Prospekt‘ (1967, ‚Les trente deniers‘ – ‚Aber die Reue ist lang‘ (1968), ‚Les écrits restent‘ – ‚Das Fragment‘ (1969), ‚Malencontre‘ – ‚Ein Mädchen stirbt zum zweitenmal‘ (1972), ‚La place du mort‘ – ‚Vier Opfer und kein Mörder‘ (1975), ‚Pour le meilleur et pour le pire‘ – ‚Lieben, achten und ehren‘ (1976), ‚La mort en chantier‘ – ‚Zahlen, schweigen, sterben‘ (1978), ‚Le sauf-conduit‘ – ‚Freies Geleit‘ (1980), ‚Des Briques en vrac'(1983), ‚Une chute qui n’en finit pas‘ (1985), ‚Télé Scoop‘ (1988), ‚Une fille pleurait‘ (1991), ‚Une femme de trop‘ (1995).