(1915-2001)

Richard M. Stern stammt aus Fresno, Kalifornien. Er lernte bereits mit drei Jahren das Lesen, als er krankheitsbedingt längere Zeit das Bett hüten musste. Nach seinem Studium in Harvard 1933-36 lebte er in New York City und schrieb dort seine ersten Stories für ‚Collier’s‘ und ‚The Saturday Evening Post‘. Daneben arbeitete er als Redakteur bei der New Yorker ‚Hearst Corporation‘. 1958 debütierte er als Krimiautor. Bis 1990 folgten 26 Romane, darunter die sechsteilige Johnny Ortiz-Serie, der berühmte Katastrophen-Thriller ‚Der Turm‘ (das Drehbuch des 1974er Blockbusters ‚Flammendes Inferno‘ basiert auf diesem Roman sowie auf ‚The Glass Inferno‘ von Thomas Scortia und Frank Robinson), sowie einige Drehbücher. Stern starb 86-jährig kurz nach seiner Frau Dorothy in Santa Fé, New Mexico, und hinterliess eine Tochter namens Mary.

In Sterns erstem Krimi ‚Kein Weg zurück‘ prallen drei italienisch-stämmige Männer wuchtig aufeinander: Angelo Lucca, ein unzimperlicher New Yorker Gangsterboss, wurde vor einem Jahr aus Amerika ausgewiesen und betreibt seine weltumspannenden Heroingeschäfte seither von Neapel aus; Joe Anthony, früher Luccas rechte Hand, ein hoch intelligenter, mit allen Wassern gewaschener Anwalt, erleidet jetzt dasselbe Schicksal, kehrt ebenfalls in seine Heimat zurück – er fühlt sich indes zu müde und zu alt, um seine kriminelle Laufbahn fortzusetzen, hat allerdings mit Lucca noch eine Rechnung offen; Johnny Bellanca schliesslich, ein kaltblütiger Bursche Ende zwanzig, wurde unter dem Tarnnamen Ricciardi „Ricci“ Morelli durch das New Yorker Drogendezernat in Luccas Imperium eingeschleust, um es endgültig zu zerschlagen. Doch dann verliebt sich Ricci in Luccas grazile Frau Belle; und läuft zufällig seinem alten Schulfreund Pete Jenner, der als Tourist in Italien weilt, über den Weg – seine wahre Identität droht aufzufliegen, sein Leben ist keinen Pfifferling mehr wert. Der Showdown der pluriperspektivisch konzipierten Geschichte findet in Genua statt, und nur einer der drei Kontrahenten bleibt am Leben.

Lieutenant Juan Felipe Ortiz, genannt Johnny, Sohn eines anglo-hispanischen Vaters und einer Apachenmutter, ging im Reservat zur Schule und begann anschliessend ein Jurastudium, doch dann ging ihm das Geld aus, und er wurde in den Vietnamkrieg entsandt. Mit knapp dreissig Jahren stiess er zur Polizei der fiktiven Stadt Santo Cristo (gemeint ist Santa Fé) in New Mexico. Er ist ein feinfühliger, blitzgescheiter und bescheidener Einzelgänger mit ausserordentlichen Fähigkeiten im Fährtensuchen. Im ersten Roman entwickelt sich zwischen ihm und der dunkelhäutigen Anthropologin Cassandra „Cassie“ Enright eine intensive Liebesbeziehung.

Die unprätentiöse, stilistisch sehr ansprechende Reihe vermittelt dem Leser farbige Eindrücke von den Landstrichen und der Bevölkerung New Mexicos, der Wahlheimat des Autors, mit ihren scharfen Gegensätzen zwischen den Alteingessenen, die für die Erhaltung wertvoller Kulturgüter kämpfen, und den skrupellosen, buchstäblich über Leichen gehenden Vertretern der Urbanisierung.

Bibliografie:

‚The Bright Road to Fear‘ – ‚Kein Weg zurück‘ (1958), ‚The Search for Tabitha Carr‘ – ‚Das weisse Grab‘ (1960), ‚These unlikely Deeds‘ (auch unter dem Titel ‚Quidnunc County‘) – ‚Cocktails für den Mörder‘ (1960), ‚High Hazard‘ (1962), ‚Cry Havoc‘ – ‚Frauen in Gefahr!‘ (1963), ‚Right Hand Opposite‘ (1964), ‚I Hide, We Seek‘ – ‚Die Himmelsmaschine‘ (1965), ‚The Kessler Legacy‘ (1967), ‚Merry Go Round‘ – ‚Endstation: Mord‘ (1968), ‚Brood of Eagles‘ (1969), ‚Manuscript for Murder‘ – ‚Manuskript für einen Mord‘ (1970), ‚Stanfield Harvest‘ – ‚Sturm ist ihre Ernte‘ (1972), ‚The Tower‘ – ‚Der Turm‘ (auch unter dem Titel ‚Flammendes Inferno‘, 1973), ‚Power‘ – ‚Die Herren von El Rancho‘ (1975), ‚Snowbound Six‘ – ‚Hölle im Schnee‘ (1977), ‚Flood‘ – ‚Tödliche Flut‘ (1979), ‚The Big Bridge‘ – ‚Die Todesbrücke‘ (1982), ‚Wildfire‘ – ‚Waldfeuer‘ (1985), ‚Tsunami!‘ – ‚Tsunami‘ (1988);

Johnny Ortiz-Serie: ‚Murder in the Walls‘ – ‚Casa flora‘ (1971), ‚You don’t Need an Enemy‘ – ‚Du brauchst keinen Feind‘ (1971), ‚Death in the Snow‘ – ‚Tod im Schnee‘ (1973), ‚Tangled Murders‘ (1989), ‚Missing Man‘ (1990), ‚Interloper‘ (1990).