(*1963)

Geboren und aufgewachsen in Bielefeld, arbeitete Andreas Hoppert nach Abschluss des Jurastudiums als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Singen, bevor 1990 seine Arbeit als Richter am Sozialgericht Detmold, Nordrhein-Westfalen, begann. Nebenberuflich verfasste er 2002 den ersten Band der Marc Hagen-Serie.

Marc Hagen, zu Beginn der Reihe Anfang dreissig, ein etwas windiger, aber durchaus sympathischer Junggeselle, hat sich vor kurzem in Bielefeld als Anwalt selbstständig gemacht. Der Start ist harzig, die finanziellen Rücklagen schwinden, und die Bank macht Druck. Da tritt die 25-jährige Christina Helms mit einem brisanten Anliegen an ihn heran: Ihr Vater Klaus, ein Angehöriger der dritten RAF-Generation, hat sich laut offizieller Version selbst erschossen, als er in eine ausweglose Falle der GSG-9 geriet. Sie aber ist sich sicher, dass ein Beamter die tödlichen Schüsse abgegeben hat, Hagen soll ihr eine Waisenrente erstreiten und gleichzeitig ihren Vater rehabilitieren. Gemeinsam mit dem routinierten Enthüllungs-Journalisten Conzen begibt Hagen sich auf Spurensuche. Und bringt verblüffende – in höchste Politkreise reichende – Zusammenhänge ans Licht. ‚Der Fall Herms‘ ist ein gut konstruierter, wenn auch etwas zu lang geratener (vom Fall Wolfgang Grams inspirierter) Politthriller mit glaubwürdigen Figuren.

Aufgrund von Überschuldung hat Marc Hagen seine Zulassung als selbstständiger Rechtsanwalt inzwischen verloren, seine Gläubiger – die Skinheads und die Mafia – machen mächtig Druck. Da kommt es ihm gerade Recht, dass ihm ein unverhofftes Erbe in den Schoss fallen soll: Wolfgang Janssen, ein einstiger Angehöriger der Waffen-SS, der ihm gänzlich fremd ist, hat ihn und die Studentin Jana, die den Toten ebenfalls nicht kannte, als Erben eingesetzt. Er ist ermordet worden. Bei seinen Nachforschungen findet Hagen ein Foto aus dem Zweiten Weltkrieg, auf dem Janssen und vier weitere Angehörige der Waffen-SS abgebildet sind. Kurz danach geschieht ein weiterer Mord an einem dieser Männer, und auch Hagen gerät jetzt in Lebensgefahr. ‚Erbfall‘, der zweite Band der Hagen-Reihe, ist ein solider, flüssig zu lesender Thriller. Und ganz nebenbei zeigt uns Hagen, was man braucht, um einen perfekten Mord durchzuführen – zwei Jahre Blutspenden und eine Tiefkühltruhe…

Nach Auflösung des Erbfalls hat sich Hagen in die Karibik abgesetzt. Er geniesst das Leben, bis er bei einem schweren Verkehrsunfall eine besondere Form von Amnesie und eine schwere Agoraphobie erleidet. Zurück in Bielefeld kommt er in einer kleinen Wohnung unter, engmaschig betreut durch einen sich als seinen besten Freund bezeichnenden Juristen. Hagen weiss nicht, wer er ist, wo er ist und was sich am Vortag zugetragen hat, die Wohnung kann er kaum verlassen. Ein wenig Halt gibt ihm das Führen eines Tagebuchs, damit er nachlesen kann, was in den Vortagen geschehen ist. Dann beginnt der Alptraum: Frauen und Männer, die er nicht zuordnen kann, geben sich die Klinke in die Hand. Und jede Mal stellt sich ihm die Frage: Wer ist Freund und wer ist Feind? Wer ist die Frau, die eines Morgens ermordet in seinem Bett liegt? Eine atemberaubende Suche nach der Wahrheit nimmt ihren Lauf. ‚Die Medwedew-Variante‘, eine etwas konstruiert wirkende, in der Tradition der Amnesiethriller von Boileau/Narcejac stehende Geschichte, wird durch falsche Fähren und überraschende Wendungen vorangetrieben.

‚Der Zahlenmörder‘ ist der beste Band der Reihe. Stringente Handlungsführung und detailreiche Schilderungen der Tücken des deutschen Rechtssystems und wie Hagen sich damit abplagt zeichnen die Erzählung aus. Der „Zahlenmörder“ Jürgen Sobotta sitzt seit 28 Jahren im Gefängnis: Er soll fünf Frauen missbraucht, getötet und danach mit eingeritzten Zahlen auf der Stirn nummeriert haben. Sobotta sah sich stets als Justizopfer. Jetzt drängt er auf seine Freilassung, weil er seinen kürzlich geborenen Enkel kennenlernen will. Bald findet Hagen erste Ungereimtheiten und Indizen, die für Sobottas Unschuld sprechen. Aufgrund von (damals, im Jahr 1986, noch nicht verfügbaren) DNS-Analysen gelingt es ihm, ein Wiederaufnahmeverfahren und die sofortige Freilassung seines Mandanten zu erwirken. Doch dann wird wieder eine Frau ermordet aufgefunden – mit einer eingeritzten Sechs auf der Stirn. Der Justizroman entwickelt sich zum temporeichen Thriller.

Bibliografie:

Marc Hagen-Serie: ‚Der Fall Helms‘ (2002), ‚Erbfall‘ (2004), ‚Die Medwedew-Variante‘), ‚Zug um Zug‘, ‚Menschenraub‘ (2007), ‚Der Thule Code‘ (2009), ‚Schwanengesang‘ (2012), ‚Die Mandantin‘ (2013), ‚Der Zahlenmörder‘ (2015), ‚Ein eindeutiger Fall‘ (2018);

Einzelwerk: ‚Bruderherz‘ (2013).