(*1934; schreibt auch als Jules Quicher)
Loriano Macchiavelli kam in Vergato bei Bologna zur Welt. Er war Schauspieler und Bühnenautor, bevor er 1975 mit Antonio Sarti eine der populärsten Krimifiguren in die Kriminalliteratur Italiens brachte. Zusammen mit Marcello Fois, Carlo Lucarelli und anderen Krimiautoren gründete er 1991 die Autorenvereinigung „Gruppo 13“. Er lebt in Bologna.
Antonio Sarti (bzw. Sarti Antonio: Er nennt seinen Namen stets vor dem Vornamen) ist ein phlegmatischer, hoffnungslos altmodischer, durch eine chronische Darmentzündung geplagter und fast pausenlos Espresso schlürfender – vor Fehlern keineswegs gefeiter – Kauz. Unterstützt durch seinen besten Freund, den linken Intellektuellen Rosa, und den alten Grappa-Trinker Pellicano Marruocchi arbeitet er zuerst als Sergente, später als Commissario in Bologna. Die Beziehung zu seinem Vorgesetzten Hauptkommissar Cesare Raimondi ist irreparabel gestört. Sarti wird 1987 erschossen, von seinem Schöpfer auf Drängen des Publikums jedoch bald wieder zum Leben erweckt.
Das Besondere an den mit leichter Feder und feiner Ironie erzählten, von liebevoll geschildertem Personal bevölkerten und mit politischen Seitenhieben angereicherten Romanen ist die Art, wie der Erzähler mit seinem Protagonisten umspringt: Ständig kommentiert er dessen Handlungen, ja, er mischt sich gar ins Geschehen, in die Ermittlungen ein.
Die Antonio Sarti-Serie enthält über dreissig Romane (drei davon für Jugendliche) und zahlreiche Erzählungen. In einem der wenigen ins Deutsche übersetzten Sarti-Krimi ‚Unter den Mauern von Bologna‘ ermittelt der Protagonist einen verwickelten, in die unterirdischen Kanäle und Flüsse führenden und weit in die Vergangenheit zurückreichenden Fall, in dem einer seiner Kollegen gewaltsam ums Leben kommt: Der von Sizilien nach Bologna versetzte Mainardi Zodiaco, genannt Oroscopo, dem man Kontakte zur Mafia nachsagt – und in dessen Wohnung Drogen aufgefunden werden.
Gemeinsam mit Francesco Guccini (1940- 2026), dem einflussreichen in Modena geborenen, im Apennin aufgewachsenen und viele Jahren in Bologna lebenden Cantautore, verfasste Macchiavelli die Benedetto Santovito-Serie. Sie besteht aus einem Geschichtenband und vier klug gebauten Romanen mit einer einfühlsam skizzierten Hauptfigur und dichten Schilderungen der apenninischen Bergwelt und der wortkargen Menschen, die dort leben.
Die Reihe beginnt 1939 mit ‚Der einsame Weg‘. In einem kleinen (namenlosen) apenninischen Dorf kommen zunächst der trinkfreudige Pfarrer Don Quinto, etwas später der Carabinieri-Maresciallo Bargellaux und zwei weitere Männer gewaltsam ums Leben. Der süditalienische Kommissar Santovito, der aufgrund seiner antifaschistischen Gesinnung in die bettelarme Gegend strafversetzt wird, ist für die Ermittlungen zuständig. Dank seiner hartnäckigen Art gelingt ihm die Aufklärung der Morde, deren Wurzeln fünfzig Jahre zurückliegen.
‚Tod im Apennin‘ spielt zwanzig Jahre später. Benedetto Santovito, mittlerweile wider in Süditalien tätig, kehrt ins apenninische Dorf zurück, um hier seinen Urlaub zu verbringen. Unmittelbar vor seiner Ankunft sind kurz nacheinander zwei Jungen ums Leben gekommen – der eine wurde von einer nach dem Zweiten Weltkrieg liegengebliebenen Mine zerfetzt, der andere tot in einem Gebirgsfluss aufgefunden, obwohl er ein guter Schwimmer war. Der zuständige Maresciallo erweist sich als aroganter Stümper, worauf Santovito auf eigene Faust zu recherchieren beginnt, unterstützt von der eben erst zugezogenen jungen Lehrerin Raffaella, mit der ihn bald eine tiefe Freundschaft verbindet. Die Autoren erzählen die reizvolle Geschichte mit zahlreichen Rückblenden auf den Zweiten Weltkrieg, der noch immer seine Schatten wirft.
Zehn Jahre danach, im dritten Band ‚Die Teufelsgrube‘, hat Santovito sich nach seiner Pensionierung endgültig im Apennin niedergelassen. Er lebt zurückgezogen in einem kleinen Haus, als im Sommer 1970 ein halbwüchsiger Junge im Kampfanzug durch fünf MP-Schüsse getötet wird und die Studentin Raffi, Tochter von Santovitos alter Freundin Patricia, in Bologna spurlos verschwindet. Santovitos Verdacht, dass die beiden Fälle zusammenhängen, erhärtet sich. Die Spuren führen zu einer paramilitärischen Truppe von Rechtsradikalen, die sich in der Abgeschiedenheit des Apennins in einem Ausbildungslager befindet.
Bibliografie:
Antonio Sarti-Serie: ‚Le piste dell’attentato‘ (1974), ‚Fiori alla memoria‘ – ‚Tödliches Gedenken‘ (1975), ‚Ombre sotto i portici‘ – ‚Die Mörder von Sanleonardo‘ (1976), ‚Sui colli all’alba‘ (1976), ‚Sequenze di memoria‘ (1976), ‚Passato, presente e chissà‘ (1978), ‚Sarti Antonio, un questurino, una città‘ (1979), ‚Sarti Antonio, un diavolo per capello‘ (1980), ‚Sarti Antonio, caccia tragica‘ (1981), ‚L’archivista‘ (1981), ‚La strage die centauri‘ (1981), ‚Sarti Antonio e l’amico americano‘ (1983), ‚La Balla dalle scarpe di ferro‘ (1983), ‚Rapiti si nasce‘ (1985), ‚Stop per Sarti Antonio‘ (1987), ‚La rosa e il suo doppio‘ – ‚Die Wahrheit der Rose‘ (1987), ‚Sarti Antonio e il malato immaginario‘ (1988), ‚Un poliziotto, una Città‘ (1991), ‚Un triangolo a quattro lati‘ (1992), ‚Partita con il ladro‘ (1992), ‚Sospiro, lamenti e ali di pipistrello‘ (1994), ‚Cos’è accaduto alla signora perbene‘ (1994), ‚La ghironda dagli occhi azzurri‘ (1994), ‚Coscienza sporca‘ (1995), ‚Sgumbéi, le porte della città nascosta‘ (1998), ‚I sotterranei di Bologna‘ – ‚Unter den Mauern von Bologna‘ (2002), ‚Sarti Antonio e l’assassino (gemeinsam mit Sandro Toni, 2004);, ‚Delitti di gente qualunque‘ (2009), ‚L’ironia della scimmia‘ (2012),‚Uno sterminio di stelle‘ (2017), ‚Delitti senza castigo‘ (2019), ‚La stagione del pipistrello‘ (2022), ‚Strani frutti‘ (2025);
Sarti-Jugendbücher: ‚Sarti Antonio e il diamante insanguinato‘ (1994), ‚Sarti Antonio e la ballata per chitarra e coltello‘ (1994), ‚Sarti Antonio e il mistero cinese‘ (1994).
Als Jules Quicher: ‚Funerale dopo ustica‘ (1989), ‚Strage‘ (1990).
Gemeinsam mit Francesco Guccini:
Benedetto Santovito-Serie: ‚Macaroni‘ – ‚Der einsame Weg‘ (1997), ‚Un disco dei Platters‘ – ‚Tod im Apennin‘ (1998), ‚Questo sangue che impasta la terra‘ – ‚Die Teufelsgrube‘ (2001), ‚Lo spirito e altri briganti‘ (Erzählungen, 2002), ‚Tango e gli altri‘ (2007);
Marco Gherardini-Krimis: ‚Malastagione‘ – ‚Schlechte Saison‘ (2011), ‚La pioggia fa sul serio‘ – ‚Trübe Aussichten (2014), ‚Tempo da elfi‘ – ‚Die Spur der Wölfe‘ (2017).