(*1947)

Jim Nisbet kam in Schenectady, Bundesstaat New York, zur Welt und absolvierte ein Literaturstudium an der University of North Carolina in Chapel Hill. Danach verrichtete er verschiedene Berufe, bis er nach San Francisco zog und sich dort vorrangig dem Schreiben widmete. Er verfasste bisher dreizehn Romane, fünf Lyrikbände, zahlreiche Essays, Artikel und Kurzgeschichten, eine Handvoll Einakter und Monologe sowie ein Sachbuch über Design und Bau retro-futuristischer Möbel – eine Tätigkeit, die er selbst bis 2016 ausübte. Jim Nisbet, der im angloamerikanischen Raum lange Zeit nicht Fuss fassen konnte (einige seiner Krimis sind zuerst in französischen Übersetzungen erschienen), lebt mit seiner Frau in San Francisco.

Nisbets bekanntestes Werk ist ‚Tödliche Injektion‘, ein temporeicher, dichter, nachtschwarzer Thriller. Der alkoholabhängige Arzt Dr. Franklin Royce hat die Hinrichtung des wegen Mord verurteilten jungen Schwarzen Bobby Mencken in einem texanischen Gefängnis zu überwachen. Royce zweifelt jedoch an Bobbys Schuld. Als er sich aufmacht, die Herkunft des exekutierten Mannes zu recherchieren, trifft er auf dessen Kumpane, den Psychopathen Eddie Lamark und die heroinabhängige Schlampe Colleen Valdez, der er sexuell verfällt. Für den beruflich und privat längst gescheiterten Arzt beginnt ein Alptraum.

‚Dunkler Gefährte‘ berichtet von den unerhörten Ereignissen, die Banerjhee Rolf, einem liebenswerten indisch-stämmigen Akademiker mit Abschlüssen in Chemie, Mathematik und Pharmakologie, widerfahren. Seit dreissig Jahren glücklich verheiratet, Vater eines Chemie studierenden Sohnes, hat er ein hübsches Haus in Kalifornien und eine hochdotierte Stelle in der Biotech-Branche. Als seine Firma von einer anderen übernommen wird, verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen derart, dass er den Job hinschmeisst, um nicht in Depressionen zu versinken – Rolf wird arbeitslos, ohne Aussicht auf eine neue Stelle, und hat viel Zeit für sein Hobby, die Astronomie. Eines Abends wird er in einen Streit seiner Nachbarn Toby Pride, dem Anschein nach ein mit Drogen handelnder Nichtsnutz, und dessen schöner Freundin Esma verwickelt, dann tauchen drei schwer bewaffnete Männer auf, es kommt zu einer wilden Schiesserei, an der sich auch Rolf beteiligt – und die er als einziger überlebt. In dem überwiegend aus Dialogen bestehenden, mit unerwarteten Wendungen aufwartenden Noir-Roman übt Nisbet scharfe Kritik am kapitalistischen System der Vereinigten Staaten.

San Francisco, kurz nach der Jahrtausendwende. Curly Watkin, Gitarrist mit riesigem Krakentatoo auf dem blanken Schädel, Ivy Pruitt, begnadeter Ex-Drummer auf Heroin und Lavinia, Luder aus reichem Haus, haben ihre guten Zeiten in der Punkbewegung längst hinter sich, als sie versuchen, eine neue Combo auf die Beine zu stellen.  Dann stolpern sie über die Leiche eines Musikers aus ihrem Bekanntenkreis und kommen einem Serienkiller in die Quere – das Bandprojekt wird jäh zur Nebensache. ‚Der Krake auf meinem Kopf‘, geschickt gebaut und mit ungezählten literarischen und musikalischen Verweisen geschmückt, zählt zu den finstersten Krimis der heutigen Zeit.

Bibliografie:

Martin Windrow-Romane: ‚The Gourmet‘ (auch unter dem Titel ‚The Damned Don’t Die‘, 1981), ‚Ulysses‘ Dog‘ (1993);

‚Lethal Injection‘ – ‚Tödliche Injektion‘ (1987), ‚Death Puppet‘ (1989), ‚Prelude to a Sream‘ (1997), ‚The Price of the Ticket‘ (2003), ‚The Syracus Codex‘ (2005), ‚Dark Companion‘ – ‚Dunkler Gefährte‘ (2006), ‚The Octopus on My Head‘ – ‚Der Krake auf meinem Kopf‘ (2007), ‚Winward Passage‘ (2010), ‚A Moment of Doubt‘ (2010), ‚Old & Cold‘ (2012), ‚Snitch World‘  – ‚Welt ohne Skrupel‘ (2013).